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Der Israelit · 1864-10-12 · Heft 41-42 (12.10.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 41-42 (12.10.1864)
Date
1864-10-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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548 Bestätigung dieser allgemeinen Umrisse nur einige Beispiele, so wie sie mir im Wege liegen. Jeder kennt den Traum des königlichen Mundschenks, welchen Joseph im Gefängnisse deutete. Dieser Traum setzt den Weinstock und den Weinbau und den Weingenuß in Aegypten voraus. Herodot berichtet aber, daß die Rebe im Nilthale nicht gedeihe (II. 77), die Aegypter tranken als Surrogat eine Art Bier (^vckoc). Plutarch bestätigt diese Nachricht, indem er sagt: Den Aegyptern galt der Wein als Blut des Typhon, sietranken ihn nicht vorPsammetichs Zeiten und brachten ihn auch nicht zum Opfer (ls. Osir. 6). Man hat es nicht versäumt, auf diesen Widerspruch des Oeftern hinzuweisen und daraus bibelfeindliches Kapital zu bereiten. Die ältesten Denkmäler zeigen uns aber, wie aus Rosellini's und Wilkinsons Abbildungen zu sehen, Weinbau und Weinlese, das Abbeeren und Keltern, das Füllen in Flaschen ^und Krüge. Selbst Betrunkene sind bisweilen abgebildet, welche von Sklaven nach Hause geführt oder getragen werden. Rosellini sagt über diese Abbildungen: „Jene Gegenstände finden sich nicht allein in den Gräbern aus der Zeit der 18. Dynastie, sondern auch in solchen, welche in die Zeiten der ältesten Dynastien gehören." (Rosell. H, 1, S. 365.) So ist die Angabe der Genesis aufs Glänzendste bestätigt. Von größerer Tragweite ist folgendes Ergebniß. Es war schon oben von dem ägyptischen Historiker Manelho die Rede. In seinen Fragmenten sind uns außer den Zeitangaben über die Herrschaft der Götter und Halbgötter die Verzeichnisse von 30 menschlichen Königsdynastien mit Angabe ihrer Regierungszeit erhalten. Man war lange Zeit geneigt, diese Königsliften für pure Ficiionen anzusehen und als unnützes Gerümpel zu verwerfen. Hengstenberg erklärte sie noch in den dreißiger Jahren für die Erfindung eines müssigen Kopfes. Durch die Enträihselung der Hieroglyphen ist die Geschichtsforschung in den Stand gesetzt, über das Ansinnen einer so leichtsinnigen Abfertigung zur motivirten Tagesordnung übergehen zu können. Denn die Mehrzahl der Manethonischen Königsnamen ist aus den Königsringen der Monumente herausgelesen, so daß an dem historischen Charakter der dadurch bezeichneten Personen nicht länger gezweifelt werden kann. Nun erhob sich eine andere Schwierigkeit, welche nicht wenig Gemüther beunruhigte. Die Zahl der Regierungsjahre der Manethonischen Könige Aegyptens gibt bis Alexander eine Reihe von 5462 Jahren — eine Zeit, die nicht blos weit über die Zeit j'glicher Kultur, wovon die Geschichte zu berichten hat, zurückgreift, sondern auch über die Zeit, in welche die Erschaffung des ersten Menschen versetzt wird, hinausragt. Doch auch hier haben die Hieroglyphen-Entzifferungen das laute Geschrei verstummen lassen, welches sich gegen die Chronologie der Bibel erhob und gezeigt, daß verschiedene der ältesten Dynastien gleichzeitig neben einander in dem getheilten Aegypten regierten; Manetho hat in seinem Geschichtswerke an einander gereiht, was zum Theil coordinirt war. Osburne, ein um die Aegyptologie verdienter Engländer, hat z. B. noch vor Kurzem aus den Hieroglyphen erwiesen, daß auf die erste Dynastie die 12. gefolgt sein müsse, während die dazwischen liegenden Namen Nebendynastien angehören. Wie weit das prätendirte Alter der ägyptischen Geschichte nunmehr abgekürzt werden muß, das ist eine Streitfrage, worüber die Akten noch nicht geschloffen sind. Aber darüber sind alle Forscher schon jetzt einverstanden, daß dieselbe ausreichend sei, um den vermeintlichen Widerspruch zwischen der biblischen und ägyptischen Chronologie zu beseitigen. Hören wir ein anderes Beispiel, das uns zugleich an die Entzifferung einer Hieroglyphen-Inschrift selbst führt. Im I. Buch d. Könige 14, 25. 26 heißt es: „Im fünften Jahre der Regierung Rehabeams zog Schischak, König von Aegypten, gegen Jerusalem, raubte die Schätze des Hauses des Herrn und des Königs und verwüstete Alles." — Man hatte wohl schon vermuthet, daß der Pharao Schischak, von dem wir sonst Nichts wissen, der Sesonchis Manetho's sein müsse, und in dieser Angabe eine Bestätigung der biblischen Nachricht erkannt. Die Hieroglyphen - Entzifferungen sollten jedoch ein deutlicheres Zeugniß ablegen. Champollion entdeckte unter den Skulpturen des Palastes von Karnak zu Theben eine Schilderung der Eroberungen eines Königs, der durch die Inschrift als Sisak bezeichnet wurde. Er ist dargestellt, wie er der hl. Trias von Theben die von ihm besiegten Völker und Städte, 140 an der Zahl, zu Füßen niederlegt. Die Völker sind personificirt durch ihre Führer, welche, die Arme auf den Rücken gefesselt, vorgeführt werden. Jede Figur trägt einen Schild mit einer Inschrift. Von diesen bezeichnet eine ausdrücklich das Land Juda. Auch die Zeit stimmt genau; denn die Inschriften sowohl als die Dynastenverzeichnisse führen aus die Zeit der Milte des 10. Jahrhunnderts vor der gewöhnlichen Zeitrechnung; Rehabeam aber trat seine Regierung 961 v. d. gw. Ztr. an; das fünfte Jahr seiner Herrschaft war somit 956. „Es ist dieses ein Synchronismus, dessen Wichtigkeit," sagt Champollion, „selbst die strengste Kritik nicht im Stande ist, anzutasten." Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung.— Dampf-Schnellpressendruck von I. GoUSleben in Main».

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