Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 41-42 (12.10.1864)
- Date
- 1864-10-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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547 pretation dieses Wortlautes nach dem Geiste, dem er entsprungen, mit einem Mal Wortlaut und Geist des Artikel 8 zur leeren Phrase abschwächen, den Bund für eine Reihe der wichtigsten und wohltätigsten Aufgaben faktisch unfähig machen und das eidgenössische Staatswesen wieder in die Calamitäten der Tagsatzungsmirth'chaft zurückwerfen würde, worunter das gesammte Schweizervolk auf die Dauer schwer leiden müßte. Wo zwei Verfaffungsbestimmungen einander so gegenüber stehen, da darf sich das juristische Gewissen beruhigen; eine gesunde Politik aber wird noch weiter gehen und sich laut dagegen auflehnen, daß dem Artikel 41 die absurde Tragweite gestattet werde, welche ihm der Judenhaß gibt. Wir hegen alles Zutrauen zu der Bundesversammlung, daß sie dem richtig erkannten Recht über juristische Spitzfindigkeiten und damit den wahren Interessen des Schweizervolkes zum Siege verhelfen wird. Italien. Turin, 17. September. „Perseveranza" bringt aus Nom, 13. September, die Nachricht, die Familie Cohen sei aus Rom'geflohen, sie begebe sich nach Livorno, um sich den Verfolgungen der päpstlichen Regierung zu entziehen. Der Knabe Cohen ist, trotz der Verwendung des französischen Gesandten, seinen Eltern nicht zurückgegeben worden. Feuilleton. Nachrichten über den Aufenthalt der Israeliten in Aegypten nach ägyptischen Urkunden. Unter dem Titel „Aus dem Orient" hat Herr vr Heinrich Brugsch eine Reihe von Vorlesungen herausgegeben, in denen unter Anderm Einiges mitgetheilt wird, was sich auf altägyptischen Papyrusrollen und Pyramiden vorfindet. Ueberraschend ist es in der That, daß sich in jenen Papyrusrollen und auf jenen Steinen Zeugnisse für die Wahrheit der biblischen Erzählung finden, unverwerfliche Zeugnisse, die hier in Aeußerungen von Zeitgenossen dieser Erzählung vorliegen. Eine Papyrusrolle, die sich im Nu- Ltzurn befindet, enthält Baurecbnnngen des Schreibers Pimbsa über Arbeiten der Israeliten an einer der von Moses erwähnten Zwingburgen Pit hum (die auf ägyptisch „Pachtum" heißt) und Namses, wobei es wörtlich heißt: „Summe der Bauten zwölf (bekanntlich die Zahl der Stämme Israels), auögesührt von den Leuten, die, um Ziegel zu streichen, aus ihren Wohnplätzen herangezogen wurden zu den Arbeiten an der Stadt. Sie machten ihre Zahl an Ziegeln täglich, ohne auszuruhen von ihren Ziegelarbeiten, bis dieselben vollendet waren. In solcher Weise ist dem Aufträge Folge geleistet, den mein Herr gegeben hat." Die Arbeiter werden sehr häufig „Apuru" genannt, in welchem Worte man das semi- „Eber," Hebräer erkannt hat. Unter der Aussicht ägyptischer, als Polizei fungirender Miethstruppen von libyscher Herkunft, „Mrzai" genannt, wird eine Schaar von Apuru bezeichnet, die in den Steinbrüchen Werksteine zu dem Bau von Ramses brechen. In zwei andern Papyrusrollen, die sich in Leyden befinden, haben sich briefliche Mittheilungen ägyptischer Schreiber am Hofe des Pharao (Aegyptisch ksr-äs. und kbör-ao, „hohes Haus") Ramses 1l. (Sesostris) erhalten, worin es heißt: „Möge mein Herr Befriedigung darin finden, daß ich dem Aufträge, den mir mein Herr gegeben, Folge geleistet, welcher Auftrag lautete: Uebergib die Nahrung den Soldaten, ebenso wie den Apuru, welche die Steine nach der Stadt Ramses-Miamun, des Wahrheitsliebenden, ziehen und die dem Hauptmann der Polizei, Ameneman, untergeordnet sind." Ebenso werden in einer Felsen-Jnsckrlst von Hamamät achthundert Apuru als Erduno Stein-Arbeiter unter der Aussicht der „Mazai" bezeichnet. Auch ein Kartel-Vertrag des Pharao Ramses H. mit dem semitischen Könige der Hethiter hat sich erhalten, worin es heißt: „Wenn die Unterthanen des Königs Namses zum Könige der Hethiter kommen, soll der Letztere sie nicht aufnehmen, sondern dieselben Zwingen, zu Namses, dem Könige Aegyptens, zurückzukehren." Herr Brugsch meint, daß der Inhalt dieses Vertrages kommentirt werde durch die Worte der Bibel, die Pharao ausrusen läßt: „Wohlan, wir wollen sie mit List bekämpfen, daß ihrer nicht so Viele werden; denn wenn sich ein Krieg erhöbe, dann möchten sie sich zu unfern Feinden schlagen und wider uns streiten und zum Lande ausziehen!" (Nach dem M. f. d. L. d. A.) Wir fügen hiezu einige interessante Bemerkungen aus der Z itschrist „Globus" an; in einem trefflichen Aussatze von Prof. Or. Kaiser aus Paderborn über die ägyptische Hieroglyphenschrift heißt es: Besonders verdient angemerkt zu werden, daß die historischen Bücher des alten Testaments, sofern sie ägyptische Zustände und Geschichte berühren, darin einen unumstößlichen Beleg ihrer Wahrheit und Treue finden, ein Umstand, der um so frappanter erscheinen muß, da man gerade aus der ägyptischen Geschichte und Alterthumskunde wie aus einem wohlgespickten Köcher mit Vorliebe die Pfeile entnahm, welche gegen die Isistorische Glaubwürdigkeit der Bibel abzuschnellen, Viele sich zur Lust geinacht. Zur Erhärtung und