Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 41-42 (12.10.1864)
- Date
- 1864-10-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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543 hatte in die Tiefen der Thora; wen aber die Beschäftigungen des Alltaglebens drängen, wem die Beschaffung der Bedürfnisse seines Leibes keine Zeit gönnt zur Erforschung der Gotteslehre, der weihe ihr wenigstens seine Sabbat- und Feierstunden, in denen das Herz zur Ruhe gelangt ist vom Treiben und Drängen der Alltagssorgen. Sie lehrt uns, was wahr, was falsch, was recht, was unrecht ist, eröffnet uns die Tiefen der Menschenseele, offenbart uns die Gesetze, nach denen Gott das Weltall leitet. — Und diesem Studium, das uns Pflicht, das uns heiligste Pflicht ist, dürfte sich Jemand entziehen wollen, der ein Nachkomme ist jener Männer, die am Berge Sinai die Verpflichtung dazu auf sich genommen haben? Ach, das Studium der Gotteslehre wird heutzutage nur zu sehr, nur zu oft als ein Fach-Studium, als ein Brod-Studium betrachtet. Nicht den Priestern, nicht den Leviten, nicht den Nabbinen hat Gott am Sinai die Thora gegeben, sondern allen Israeliten, allen. Als einst, erzählt der Midrasch, der Prophet Elijahu das Volk zum Thora-Studium ermahnte, da spottete sein ein roher Mensch. Milde fragte ihn der Gottesmann : „Wie wirst du am Ende der Tage vor deinem Richter dich rechtfertigen können?" „„Hm,"" erwiederte keck der Andere, „„ich werde sagen: Du hast mir nicht Einsicht verliehen, Deine Lehre verstehen zu können."" „Mas hast du für eine Beschäftigung?" fragte ihn der Prophet. „„Ich bin ein Fischer."" „Wie hast du denn lernen können, Netze zu stricken und Fische zu sangen?" „„Hat mir Gott doch Verstand gegeben."" „Nun denn, der Gott, der dir Verstand gegeben, Netze zu stricken und Fische zu fangen, Er hat dir auch Einsicht verliehen, Sein heilig Wort zu durchforschen." Und der Fischer schwieg beschämt und weinte. — O, möchte doch unser Wort überall hindringen, wo die Pflicht des Thora-Studiums von Israels Männern und Jünglingen vernachlässigt wird, und möchte es zur Erfüllung dieser heiligen Pflicht anregen; möchten allüberall Vereine erstehen, welche sich die Erforschung der schriftlichen und der mündlicher: L.'üre zur Aufgabe stellen und derselben mindestens die Sabbat- und Feierlagsstunden widmen! III. Haben wir am Festtage unsere Seele im Gebet erhoben, haben wir einige Stunden der Erinnerung an Israels einstige Herrlichkeit geweiht, und so das Beth- Hamikdosch in unfern Herzen gleichsam wiederaufgebaut, haben wir in der Gotteslehre geforscht mit der Gottgefälligen Absicht rnL'pb: 112^7 -12^1 "N2b7, zu lernen, zu lehren, und das Gelernte zu beobachten, durch die That zu verwirklichen, so wird es uns ein Leichtes sein, unsere dritte Festesaufgabe, die Weihe , unseres Alltagslebens, vorzubereiten. Drei Momente . sind es, die unsere ganze Wirksamkeit in Anspruch j nehmen, auf die sich unsere ganze Thätigkeit zurück-! führen läßt: unser Leben im Hause, der Verkehr mit der Außenwelt und die Erziehung der Kinder. ."Mw rn2 7r>r">2-'b vn „Hat Gott dem Israeliten ein Haus gegeben, so weiht er die Schwelle desselben dem gütigen Geber." — Es ist so oft und viel die Rede vom Glücke der Häuslichkeit. Wir sehen oft Menschen sich ohne Ziel und ohne Zweck nur vom Ungefähr treiben lasten, und fragt man sie über ihr verlorenes Leben, so gestehen sie mit nassem Auge, es fehle ihnen das häusliche Glück. Es gibt jedoch einen herrlichen Talismann, der dieses herrliche Kleinod für immer herbeisührt, herbeiführen muß; er heißt .MN2 die Weihe der Schwelle des Hauses. Was heißt wohl Glück? Nicht der Neichthum bietet es und nicht die Armuth, nicht die Dunkelheit und nicht der Ruhm, nicht in Palästen muß es wohnen, auch nicht in Hütten, nicht die Weisheit bedingt es und nicht die Tborheit — das Glück wohnt einzig in dem Gotterfüllten Hause. Kehrt der Israelit am Sabbat - oder Feftesabcnd aus dem Gotteshause zurück, io tritt er ein in das festlich erleuchtete Zimmer, und grüßend tritt ihm entgegen die treu liebende Gattin, dann bietet er den Friedensgruß den Engeln des Himmels, die Gott ihm gesandt hat, ihn zu schützen aus allen seinen Wegen, dann nahen mit Kuß und Umarmung die heißgeliebten Kinder, die da entgegen harren dem Segen aus dem Vatermunde, daß sie werden sollen wie Ephrajim und Menasche, oder wie unsere erhabenen Stammmütter, fromm wie Sarah, ein leuchtend Beispiel hoher Mutterliebe wie Niwkah, wie die im Leid gesinnungstreue Leah und die freudig sich opfernde Rahel; nunmehr setzt er sich nieder, am reinlich gedeckten, mit Blumen geschmückten Tische, begrüßet mit herzerfreuendem Weine die Sabbatbraut, bricht das Segensbrod, das uns ins Gedächrniß ruft das von den Vätern genossene Himmelsbrod, singt jene erhabenen Gesänge, die da verkünden den göttlichen Beistand nnd die göttliche Rettung in tausend und aber tausend Nöthen und Drangsalen, und freut sich auch heute des nimmer aufhörenden Gottesschutzes und der nie schwindenden Vaterliebe des All-! mächtigen — ja in inm Gotterfüllten Hause des Juden wohnt das Glück, wohnt mehr als das, wohnt die Seligkeit, welche das Bewußtsein von der immerwährenden Gottesnähe bringt. Ehe der Israelit nach den Mühen des Tages die Augen schließt, befiehlt er! seine Seele dem Allmächtigen, der da mit Seiner Herrlichkeit die ganze Welt erleuchtet, und wenn er erwachend sein Auge dem Lichte zuwendet, so dankt