Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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536 Die Abstimmung der stimmberechtigten christlichen Bürger der Stadt, nach den in der Conftitutions-Ergünzungs-Acte vorgeschriebenen drei Abtheilungen, ist auf Montag den 3. October und Dienstag dm 4. October 1864 innerhalb der Stunden von 8 bis 12 Uhr Vormittags und von 2 bis 6 Uhr Nachmittags angeordnet; die Abstimmung wird durch die Erklärung für oder gegen mündlich in Selbstperson zu Protokoll gegeben. TVürzburg, Ende Ellul. Gestalten Sie mir, geehrter Herr Redakteur, vor Jahresschluß noch ein kleines Referat: Am 14. September d. I. fanv die alljährliche Conferenz der Lehrer hiesigen Rabbinats- Bezirks dahier statt. Dieselbe ging unter dem Vorsitze des Herrn Distrikts-Rabbiners und unter reger Betheiligung der Herren Lehrer vor sich. Die Conferenz-Fragen waren folgende: I. Aus welchen Stellen und Geboten der h. Schrift läßt sich die Existenz der Tradition, sowie deren Unentbehrlichkeit für unser praktisch-religiöses Leben Nachweisen? 11. Auf welche Weise soll und kann dieses sowohl für die Lernbegierde der Jugend als auch für ihre religiöse Ausbildung nutzbringend angewendet werden? Nach eingehender Besprechung dieser Fragen — wobei namentlich der Wunsch geäußert wurde, daß auch die Uebersetzung von Seite der orthodox-israelitischen Bibel-Anstalt rasche Fortschritte machen möge — und nach Besprechung mancher socialen Verhältnisse der Lehrer, wurde die Conferenz geschloffen. Als ein Akt von Humanität und Toleranz hiesiger Behörden kann folgende Thalsache registrirt werden: Bei der Entfestigung hiesiger Stadt war natürlich die nächste Folge, daß das Tragen am Sabbath nicht mehr erlaubt gewesen wäre, namentlich durch Ueberbrückung des Stadtwalles rc. Wie unangenehm dies von den Israeliten solcher Städte empfunden wird, wo man bis jetzt tragen durfte, versteht sich von selbst. Der Herr Distriks - Rabbiner Nürnberger dahier — unermüdlich, wo es sich um jüdische Interessen handelt — wendete sich daher in deßfallsigen Eingaben an die betreffenden Behörden, Stadt- und Fkftungs-Commandantschaft t beziehungsweise Eisenbahn-Section) und Magistrat, und war dieser Schritt mit dem besten Erfolge gekrönt, da diese h. Behörden darauf eingingen, die Erubim in vorgeschriebener und entsprechender Weise Herstellen zu lassen, was denn auch geschah. — Ihr Leitartikel in Nr. 36 des „Israelit," den Chalizahfeindlichen Artikel der Allg. Ztg. d. Jdth. widerlegend, hat in vielen Kreisen eben solche Befriedigung als jener Speyerer Artikel Entrüstung hervorgerufen. Nur hätte der mildernde Umstand nicht unerwähnt bleiben dürfen, daß jener Chalizah- Feind vielleicht das ,-ipin mit Philippson: und sie spie ihm ins Gesicht übersetzt, und daher seine fieberhafte Aufregung entstanden sein mag. — Die! israelitische Lehrer-Bildungs-Anftalt dahier wird in diesem Herbste noch eröffnet werden. Näheres hierüber demnächst im neuen Jahre s. G. w. Altona, im September. Zu den vorzüglichsten Institutionen der neuesten Zeit gehören unstreitig die Fortbildungs-Anstalten, welche den edlen Zweck verfolgen, die aus der Schule entlassenen und zum praktischen Leben übergegangenen Knaben in ihren Kenntnissen und Wissen weiter zu fördern und dieselben der Praxis zu accommodiren. Eine derartige Aufgabe stellte sich die im Juli des Jahres 1861 hier unter dem Namen „Israelitischer Bildungs- Verein" gegründete Gesellschaft, um Knaben, welche der Schule entlasten, in den für das Geschäftsleben so nöthigen Sprach- und Handelswiffenschaften, als: Französisch, Englisch, kaufm. Rechnen und Buchhalten gratis zu unterweisen. Daß ein solcher Verein mit seiner wohlthätigen Tendenz Anklang finden mußte, war zu erwarten, und tonnten die Mitglieder sich bald zu ihrer Genugthuung überzeugen, wie die an dem Unterricht participirenden jungen Leute mit der größten Pünktlichkeit — trotz der angestrengtesten Beschäftigung am Tage — die Stunde Abends von 9—10 Uhr besuchten. Während dieser 3 Jahre haben einige 50 Schüler an 750 Unterrichtsstunden Theil genommen, und war der Erfolg ein so glänzender, daß in manchen Disciplinen doppelte Curse für Geübtere und Anfänger eingeführt werden mußten. Dies zeugt zur Genüge, wie unumgänglich nothwendig ein solches Institut sei. Neben diesem Hauptzwecke trug der Verein auch Sorge für eine belehrende und gesellige Unterhaltung.der Mitglieder, durch deren Beiträge allein er seinen edlen Zweck verfolgen konnte. Es wurden in den Wintermonaten Vorträge gehalten und auch ein Gesellschafts-Abend arrangirt. Mit Bedauern indeß sah sich der Vorstand im letzten Winter in seiner Wirksamkeit gehemmt. Die politischen Ereignisse in unserem Lande, welche jedes Interesse für alles Andere absorbirten, nöthigten ihn, die Vorträge einzustellen, ein Geschick, welches er mit manchem andern Verein unserer Vaterstadt theilte. Doch ist Hoffnung vorhanden, daß für den nächsten Winter die Vorträge regelmäßig wieder ftattfinden werden. Der Herr segne sein Bestreben und kröne mit Erfolg seine Bemühungen .-w-o nuen! P. A. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehman». — Verlag der Le Rouk'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. GottSleben in Mainz.