Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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532 Osarsiph oder Tisithen erhalten;*) Alles scheint dahin zu zielen, aus ihm einen Aegypter zu machen, aber er bleibt ein treuer Israelit, treu dem Glauben und der Bestimmung seiner Brüder. Ihre Unterdrückung kränkt ihn; er rächt einen der Unterdrückten, indem er seinen Unterdrücker tödtet. Die Unterdrückten haben Furcht und verläugnen ihn, statt ihn zu schützen. Moses entflieht aus Aegypten, begibt sich in die Wüste zu einem Stamme nomadisirender Araber, die Midianiten, Abkömmlinge Abrahams, wie er. Ihr Häuptling, der Scheich des Stammes, Jethro (auch Chobab genannt), nimmt ihn väterlich aus und giebt ihm feine Tochter Sephora zur Frau. Der stolze Israelit, welcher nicht Aegypter hatte bleiben wollen, wird Araber und führt während mehrerer Jahre einNomadenleben bei einem gastlichen Stamme. Auf der Halbinsel Sinai irrt Moses mit den Dienern und Heerden seines Schwiegervaters umher; mitten in dieser Halbinsel, einstens eine Provinz des Pharaonenreiches, aber wieder in den Besitz der arabischen Hirten gekommen, erhebt sich der Sinai, der Berg, an den sich seit unvordenklicher Zeit, unter den ihn umgebenden Völkerschaften^ heilige Ueberlieferungen knüpfen, wie an den Berg Ararat in Armenien und an den Himalaya in Indien. An diesem verehrten Orte, vor einem flammenden Busche, hört Moses, das Herz voll Glaubens, Gott, der ihn rust und ihm befiehlt, zu gehen, um Sein Volk, die Kinder Israel, aus Aegypten zu ziehen. Wie einst Abraham, ist Moses bescheiden, und an sich zweifelnd, spricht er: „Wer bin ich, daß ich zu Pharao gehen und die Kinder Israel aus Aegypten ziehen soll? . . . Wenn ich zu ihnen komme und zu ihnen sagen werde: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch geschickt, und sie sagen: Wie ist Sein Name? was soll ich ihnen sagen?" Darauf sagte Gott zu Moses: „Ich bin, der Ich bin; Er sagte auch: Du wirst also zu den Kindern Israel sagen: Der, welcher sich nennt: Ich bin, hat mich zu euch geschickt." (2. Moses, Kap. 3, 11. 13. 14.) Moses glaubt und gehorcht; der Befreier Israels hat von Gott seine Mission empfangen und bemüht sich nur noch, sie auszuführen. In Gegenwart solcher Thatsachen, vor dieser Verbindung Gottes mit dem Menschen in demselben Werke, werden die Gegner des Uebernatürlichen ausrufen: „Wozu diese Mischung der göttlichen und der menschlichen Handlung? Bedarf Gott erst der Mitwirkung der Menschen, und kann Er nicht, wenn Er will, Selbst und durch Seine Allmacht alle Seine Pläne durchfüh- **) So nennt ihn der ägyptische Geschichtschreiber Manetho; die jüdische Tradition legt Moses 10 Namen bei, aber keinen der obigen; auch läßt sie ihn, statt gegen die Aethiopier, für diese gegen die Aegypter siegreich kämpfen. Der Moses, der gegen die Aethiopier gekämpft, war, wie neuere Forschungen ergeben, ein Anderer. ren?" Ich meinerseits würde sie fragen, ob sie wissen, warum Gott den Menschen geschaffen und ob Er sie in das Geheimniß Seiner Absichten hinsichtlich der Werkzeuge zugelaffen, die Er bei Seinen Plänen anwendet? Es ist gerade das Privilegium des Menschen, der zugleich untergebene und doch freie Genosse Gottes zu sein und durch sein eigenes Wirken in die Pläne Gottes einzugreifen, deren unendlich kleinen Theil Er seinem Verstände offenbart und seiner Arbeit Vorbehalten hat. Westasien und seine Geschichte sind voll des Namens von Moses; Juden, Christen und Muhamedaner nennen ihn den ersten Propheten, den großen Gesetzgeber, den großen Gotteskenner; überall auf dem Schauplatze der Ereignisse bewahren die Orte sein Andenken auf; der Reisende begegnet dem Mosesbrunnen, der Mosesschlucht, dem Mosesberge, dem Mosesthale. In anderen Ländern und anderen Jahrhunderten wurde dieser Name als der ruhmvollste gegeben: Petrus ist der Moses der christlichen Kirche genannt worden, Benedict der Moses der Mönchorden, Ulphrlas der Moses der Gothen. Was hat Moses gethan, um einen so hohen und so bleibenden Ruf zu erhalten? Er hat keine Schlachten gewonnen, er hat keine Gebiete erobert, er hat keine Städte gegründet, er hat keine Staaten beherrscht, er war nicht einmal ein durch Beredtsamkeit gewandter und mächtiger Mensch. „Ach, Herr," spricht er zum Ewigen, „weder von gestern, noch von vorgestern bin ich ein Mann, der eine leichte Sprache hätte, selbst seit Du zu Deinem Diener gesprochen; denn schwer von Mund und Zunge bin ich." (2. Moses 4, 10.) Es gibt in dieser Geschichte nicht Eine große menschliche Handlung, nicht Ein großes Ereigniß, das die That des Menschen wäre. Alles ist die Thal Gottes, und Moses bei dieser Gelegenheit nur der Dolmetscher und das Werkzeug Gottes; dieser Mission hat er seine Seele und sein Leben geweihet; nur unter diesem Titel allein ist er mächtig und wirkt, so weit er als Mensch es vermag, an einem unendlich größeren und dauernden Werke mit, als das aller Helden und aller Herren der Welt ist. Ich kenne kein treffenderes Schauspiel als das des unerschütterlichen Glaubens und der unerschöpflichen Energie des Moses in der Verfolgung dieses Werkes, welches nicht sein eigenes ist, und in welchem er nur das ausführt, waer empfangen hat; er gehorcht weit mehr, als er befiehlt. Die Hindernisse, die Verstoße häufen sich vor ihm; er sieht sich umfangen von den Schwächen, vom Unglauben, von den Scheingebilden, von der Eifersucht, von den Empörungen seines Volkes, seiner eigenen Familie, er selbst hat Augenblicke der Traurigkeit und Unruhe. Er rust zum Ewigen: „Was soll ich diesem Volke thun? es fehlt wenig, daß sie mich nicht steinigen; . . . . ich bitte Dich, laß mich Deine Herrlichkeit schauen." Und Gott erwiedert ihm: „Ich werde all Meine Güte