Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 40 (5.10.1864)
- Date
- 1864-10-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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531 Er wird um die sorgfältige Erziehung seiner Kinder sich bemühen. Wir sind hier an der zweiten Lehre des sterbenden Weisen angelangt, p'2.22 22^2 es ist damit das p-,2 2D des Psalmisten ausgedrückt. Der jenige, welcher den wahren Werth des Lebens erkannt hat, wird seine Kinder zur Thätigkeit erziehen; denn durch Fle ß und Thätigkeit wird der Mensch veredelt, während der Müssiggang Leib und Seele verdirbt. Zugleich ist es aber auch Pflicht jedes ernst denkenden Vaters, die noch unentwickelte Seele des Kindes vor solchem Nachdenken zu schützen, das den Zweifel nothwendig in ihm groß ziehen muß. Dieses unangemessene Nachdenken über metaphysische Gegenstände wird leider in unserer Zeit nur zu sehr gepflegt, und gerade durch den sogenannten Religionsunterricht am meisten gepflegt. Es ist nicht zu leugnen, daß in früherer Zeit religiösere Menschen erzogen wurden, als in der jetzigen. Früher führte man die Kinder an die heiligen Quellen unserer Religion, aus denen sie eifrig schöpften und ihre Seele labten. Mit den Worten 822 r>'wr<-,2 trat dem Kinde der Gedanke an Gott, den Weltenschöpfer, lebendig gegenüber; die erhabenen Gestalten Abrahams, Jizchaks, Jakobs, Josephs, Moschehs, Ahrons,Josuas, Samuels, Davids, Elijahus, wurden die Freunde und Leiter der zartesten Jugend. Schon der kleine Knabe faßte das Gotteswort im Lichte der Tradition auf, was durch Raschis wunderbar herrlichen Thora - Commentar ermöglicht ward. An den gewaltigen, das Gemüth erhebenden und den Charakter bildenden Gesängen Davids rankte sich des Knaben Geist empor. Die Dialektik des Talmuds schärfte den Verstand, und der heilige, sittliche Ernst, welcher die Tradition durchweht, der auch das scheinbar Unbedeutendste nicht kleinlich ist, sondern mit sichtlicher Werthschätzung abgehandelt wird, fesselte den Willen mit unsichtbaren Banden, während die erhabenen Lehren der Agadah über die höchsten Fragen Aufschluß ertheilten und die schwierigsten Räthsel lösten. Das Alles ist jetzt leider vielfach anders geworden. Wie viele jüdische Kinder bekommen jetzt die heiligen Bekenntnißschriften des Judenthums kaum zu Gesichtei Nicht das ewig lebendige Wort Gottes lehrt man sie, sondern einen selbstgemachten Extract; man sucht mühsam Beweise für das Dasein Gottes, für die Unsterblichkeit der Seele, die nicht befriedigen, wohl aber dem Zweifel Thür und Thor öffnen, auf daß er sich einniste in des Kindes Herz und dort seine Wohnung aufschlage für das ganze Leben. Die gezwungen herbeigeholten Beweise und das ganze Gebäude, das sich künstlich auf ihnen aufbaut, werden vergessen, und der Zweifel bleibt, bis daß er in Unglaube ausartet. Dann verkümmert der ungläubige — mit dem Glauben fällt auch die Sittenlehre — lasterhafte Sohn dem Vater das Leben. p-M 212 weiche vom Bösen, P'HI sll 22^2 haltet zurück eure Kinder vom unangemessenen Nachdenken 210 .2^1 und thue das Gute, r,"r» '222 p2 212^21 und lasset sie weilen zu den Füßen der Weisen, die da Talmide Chachamim heißen, d. h. die, da selbst Schüler, in ununterbrochener Kette ihre Weisheit auf Moscheh und Sinai zurückführen, damit die Kinder Gott suchen und finden in dem großen Gebäude der Gotteslehre, die da das ganze Leben umschließt und regelt und heiligt. Hast du nun dich gewöhnt, deinem Nebenmenschen gegenüber zu leben, wie es sich ziemt, bist du bestrebt, deine Kinder zum wahrhaften Leben zu erziehen, so mußt du noch, damit dein Leben ein wirkliches Leben sei, dich selbst in deinem Gotte wiederfinden. „Suche den Vollkommenen und erstrebe Ihn," „und wenn ihr betet, so wisset, vor wem ihr steht!" Wer so recht innig zu beten versteht, der hat die Höhe der Vollendung erreicht. Wer es versteht, wenn er im Gebete hintritt vor seinen Gott, sich die Höhe und Größe und unendliche Liebe des Allmächtigen so recht zu vergegenwärtigen, wer dabei empfindet, wie klein und niedrig und unbedeutend er selbst, und welche unendliche Gnade uns Gott erwiesen, daß Er uns gestattet hat, uns im Gebete zu Ihm zu erheben — wer das auch nur ein einziges Mal recht empfunden hat, der wird sich abwenden vom Schlechten für alle Zeiten, wird sich sehnen stets nach den Vorhöfen unseres Gottes und wird keinen anderen Wunsch haben, als den, der Gottesnähe stets würdig zu sein. Mögen wir in diesem Sinne uns Leben erbitten, möge uns der Allherr versiegeln im Buche des Lebens, des wahrhaften Lebens! Gichot über die Sendung Moses. Der berühmte ehemalige französische Premierminister Guizot hat ein Buch über das Wesen der Religion herausgegeben, dem wir nach dem „Magazin für die Literatur des Auslandes" Folgendes entnehmen: „Nachdem Guizot von Abraham gesagt, daß sich an dessen Namen die wahre Kenntniß von Gott und der Glaube an Seine thätige undununterbrochene Gegenwart und Vorsehung, als die zwei großen religiösen Thatsachen, knüpfen, fährt der Verfasser also fort: „„Moses wird aus den Wellen des Nil durch die Tochter Pharao's selbst gerettet; er wird zu Helropolis, inmitten der Pracht des Hofes erzogen und in den Wissenschaften der ägyptischen Priester unterrichtet. Er hat dem Herrscher Aegyptens gedient, er hat seine Truppen befehligt und für ihn den Krieg gegen die Aethiopier geführt; er hat einen ägyptische^ Namen