Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1864)
- Date
- 1864-09-28
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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525 soweit gehen könne, am heiligen Ruhetage einen gesetzestreuen Rabbinen mit Gensdarmen und im Wagen über die Grenze treiben zu lasten? Wir behalten uns jedoch die Erzählung der dortigen Vorgänge auf ein andermal vor. Der Zweck unseres Heutigen ist, dem Lesepublikum Ihres geschätzten Blattes den Mann zu schildern, welcher so schreckliche Verfolgungen zu erdulden hatte. Um die Tiefe seines sprudelnden Geistes und die Fülle seines umfassenden Wissens bemessen zu können, muß man von seinem eigenen Munde die Übersetzung und Erklärung eines Capitels aus ini vernehmen. Mit erstaunlich logischer Folge analysirt er die schwierigsten und widersprechendsten Stellen in der Bibel; seine Erklärungen, gestützt auf umfassende Kenntnisse in der hebräischen Sprache, tragen alle den Stempel einer scharffinnigen nur auf Wahrheit beruhenden Forschung. Es ist selbstverständlich, daß ein so hochbegabter Mann, der ganz ^ri mit Commentatoren wörtlich inne hat, das Gebiet der Halachah nicht brach liegen ließ. Zeugniß hievon legt das von ihm verfaßte Werk nun ab, worin er mit tiefgehendem Forscherblicke einen innigen Zusammenhang zwischen der schriftlichen und mündlichen Lehre nachweist, nachdem er 613 Grundregeln aufgestellt hat, die sich wie ein rother Faden durch das ganze Werk hindurch ziehen. Dabei zeigt Herr Malbim ein klares Misten in den Natur- und Sprachwissenschaften, die er beide auf das geistreichste zur Läuterung der Prophetenworte zu benützen versteht. Die Vorstandschaft des hiesigen Talmud-Thora- Vereins bat nun Herrn Rabbiner Malbim, einen Vortrag am Sabbath xLri -2 'o abzuhalten, was er besonders auf Zudringen des Rabb., Hrn. M. Weiskopf, auch zusagte. Herr Jedermann, Präsident genannter Chebrah, ließ Einladungsbriefe drucken, die eine zahlreiche Zuhörerschaft herbeiführten, kaum faßte der geräumige Betsaal des Beth Hamidrasch alle Anwesenden. Wie von einem electrischen Strome fühlten sich alle Zuhörer hingerissen von seinen Worten, die trotz ihres tiefen Sinnes dennoch dem Verständniß selbst Minderbegabter und mit der wenig Vertrauter zugänglich waren. In Aller Mienen drückte sich auch eine unverkennbare innere Genugthuung aus. Wie wir vernehmen ward in Folge dieses ersten Vortrags der allgemeine Wunsch laut, die Verwaltung der Chebrah möchte Hrn. Rabbiner Malbim zu weiteren Vorträgen zu bewegen suchen. Möge es mir gegönnt sein, Ihnen, hochwürdiger Herr Redakteur, bald von einem guten Erfolge der in seiner Angelegenheit gethanenen Schritte berichten zu können. Ben David. Feuilleton. Die seltsamen Geschöpfe.*) Von Vs» UL»». 1. Hispaniens schöne Gauen, Wo einst so mancher Mann, Der Juda's Stamm entsprossen, Sich herrlich vorgethan, Hispaniens stolze Fluren, Den Vätern lieb und werth, Sie waren jetzt den Juden Bei Tod esstraft verwehrt. Die Juden und die Mauren Umschlang dasselbe Band, Sie wurden ohn' Erbarmen Vertrieben aus dem Land. Nur wer sich hin dem Kreuze, Wenn auch zum Schein nur, gab, Der konnte noch sich retten Das Leben und die Hab". Es duldeten in Spanien, Und selbst in Portugal, Gar Viele noch im Stillen Des Herzens bitt're Qual Und harrten besserer Zeiten, Wo ohne Schimpf und Spott Sie frei bekennen dürften Der Väter alten Gott. In Kellern und Gewölben Da büßten sie in Nacht, Wozu am offnen Tage Die Menschen sie gebracht. Denn selbst hinwegzuziehen War ihnen nicht erlaubt, Seitdem auch dieses Rechtes Die Armen man beraubt. Der König Karl der Erste Auf Spaniens stolzem Thron Erhielt als Karl der fünfte Des deutschen Reiches Krön".**) Der König, noch ein Jüngling, Mit Macht begabt so sehr, Erregte manche Hoffnung Und manche Sorge schwer. *) Nach einer mündlichen Tradition. **) 1519.