Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1864)
- Date
- 1864-09-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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In Spanien war verblieben Die alte Barbarei,. Der Cardinal Limenez Fand seinen Ruhm dabei. Nach Spanien blickten angstvoll Die Juden all im Reich, Leicht möcht' man sie behandeln Den span'sche» Juden gleich. Die Reichsverfassung hatte Mitunter doch genützt, Der Willkühr oft gewehret, Vor manchem Druck geschützt. Wird Kaiser Karl bestätigen Des Juden altes Recht, Daß ihn das Reich beschütze Als seinen Kammerknecht? —*) So wurde denn beschlossen Zu Frankfurt an dem Main, Zu senden eine Botschaft Jn's span'sche Land hinein; Zwei Männer sollten ziehen. So manchem Feind zum Trutz, Zu bitten von dem Kaiser Des Reiches hohen Schutz. Doch durften sie als Juden Nicht kommen in's span'sche Land, Sie mußten sich schon kleiden In christliches Gewand. Sie mußten selbst als Christen Gebaren sich zur Zeit, Und wurden für die Reise Von manchem Brauch befreit. Die beiden Männer treten Getrost die Reise an, Der Segen der Gemeinde Macht ihnen leichte: Bahn. Sie haben überschritten , Hispaniens Grenze schon. Doch wie nun jetzt gelangen Bis vor des Kaisers Thron? Sie wußten wohl, gar mancher Selbst hochgestellte Mann Hing heimlich und von Herzen Dem Judenthume an. Doch wie ihn auf nun finden, Sich ihm entdecken gar, Und sich und ihn nicht bringen In peinliche Gefahr? — *) 8orvo eLworav spEkis.tt-3, besondere Kammerknechte, hießen die Juden im Reiche, als unmittelbare Schützlinge des Reiches, so daß jede Verkürzung ihrer Rechte als ein Vergehen gegen das Reich angesehen und bestraft werden sollte. 826 Der Winter war vorüber, Schon naht die Festeszeit, Wo einst die Väter wurden Vom Sklavenjoch befreit. Die beiden Männer wandeln Die Straßen sinnend hin, Sie kommen auf den Marktplatz, Schon lagert Grün an Grün. Die beiden Männer wandeln Die Reihen des Markt's hinan, Sie sehen sich, wie forschend, Die Käufer alle an. Da bleiben sie am Ende Des Marktes stille steh'n, Dem Einkauf eines Mannes Bon ferne zuzuseh'n. Er kauft der Dinge manche Von ganz verschiedner Art, Und legt sie in ein Körbchen, Behutsam, wohlverwahrt: Meerrettig, jungen Lattich, Nebst einem Eierpaar, Zu Honigseim und Mandeln Ein Fläschchen Essig gar! — Die Männer schau'n bedeutsam Einander schweigend an, Und folgen unverweilet In nächster Näh' dem Mann. Und als sie bald gekommen An einen stillen Ort, Da spricht der Eine halblaut Das heil'ge Loosungswort. Kaum hat der Mann vernommen Das „höre Israel!" So dreht er rasch sich rückwärts Mit tief erregter Seel'. Er blickt die beiden Männer Nur flüchtig winkend an, Sie folgen ihm dann langsam, Er schreitet rasch voran. Sie geh'n noch ein'ge Straßen, Dann bleibt der Käufer steh'n Vor einem prächt'gen Hause Und scheint zurück zu seh'n. Er steht noch eine Weile, Dann tritt er in die Flur, Bald kommen auch die Männer Und folgen seiner Spur. Er geht durch Hof und Garten, Der liegt in stiller Ruh, Hier steht er wieder stille Und winkt den Männern zu. Im Garten liegt ein Häuschen Vereinsamt und allein," Er öffnet dessen Pforte Und tritt mit ihnen ein. Er schließt die Pforte wieder, Und in dem dunkeln Gang Beginnt er erst zu sprechen, Befreit von jedem Zwang: „Um Gott! Ihr Männer," ruft er, „Um Gott! wo kommt Ihr her? Was führt Euch her nach Spanien, - Welch dringendes Begehr?" — Die beiden Männer sagen Mit kurzen Worten, klar, Was sie hierher geführet, Trotz Noth und trotz Gefahr. „Wir müssen vor den Kaiser," So schlossen sie zuletzt, „Vertrauen Gott im Himmel, Der uns geschützt bis jetzt." — Der Mann verharrt erst sinnend, Dann spricht er wohlgemuth: „Der Väter Gott wird helfen, Bei dem die Hilfe ruht. Seid mir indeß willkommen, Als meine lieben Gäst', Und fei'rt mit mir vor Allem Das hohe Pesachfest." 2. Der Seder ist vorüber, Er ward in stiller Nacht In unterird'schen Zimmern Nach altem Brauch vollbracht. Die Matzoth sind gegessen, Geholt in Amsterdam, Und auch die bittet» Kräuter, Die man im Land bekam. — Es sitzt der junge Kaiser In seinem Schreibgemach, So spät es ist am Abend, Die Sorge hält ihn wach. Er hat im eignen Lande, Im Reich der Gegner viel, Und strebet, trotz der Jugend, Nach einem hohen Ziel. Da spricht er zu dem Narren, Der still im Winkel sitzt: „Erzähle etwas, Perez, Was zur Zerstreuung nützt." Der Narr erhebt sich eilig, Blickt schlau ihn an und lacht: „Wie soll ich Dem erzählen, Der selbst Geschichte macht?" —