Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1864)
- Date
- 1864-09-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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524 statte aufmerksam geworden sein, wo die zarten, jugendlichen Knospen geschützt sind vor der in großen Städten nur allzuschroff heimischen Verführung, so dürfte der Zweck dieser Zeilen als vollkommen erfüllt zu betrachten sein. R. Plaut. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. (Privatmittheilung.) Hiesige Blätter berichten: „In Lerchenfeld (einer Vorstadt Wiens) starb dieser Tage ein alter Mann, der zum größten LHeile sich durch Betteln erhielt. Bei armen Verwandten hatte er unentgeltlich Obdach gefunden, daher er diese zu Universalerben seiner sehr armseligen Habseligkeiten erklärte. Ein alter Hut, ein nichts weniger als neuer Anzug, etwas Wäsche machten die ganze Hinterlassenschaft aus, womit die Erben nichts Besseres anzufangen wußten, als sie einem ebenfalls armen israelitischen Hausirer um den Preis von 2 fl. österr. Währ, zu verkaufen. Der arme Jude empfängt das gesummte Jnventarium, trägt es im Bündel nach Hause und versucht den Trödel zu reinigen und ihm durch neuen Aufputz ein lockendes Ansehen zu verleihen. Zu diesem Ende trennt er das Futter vom Hute los, um es durch ein neues zu ersetzen, war aber nicht wenig erstaunt, zwei Stück Hundertguldennoten darunter eingenähet zu finden. Voll Freuden eilt der ehrliche Jude mit seinem Funde zu den Erben zurück, händigte ihnen, die sich einer so großen Baarschast schon lange nicht mehr zu erfreuen hatten, die 200 fl. ein und kehrt mit dem Bewußtsein heim, den „Vorschriften seiner Religion" getreu nachgekommen zu sein." Mako. (.Privatmittheilung.) Es wird den Lesern d. Bl. erfreulich sein, zu erfahren, daß die hiesige Oberrab- Linerstelle in würdiger Weise wieder besetzt wird. Der rühmlichst bekannte, ebenso gelehrte wie gottesfürchtige Herr A. E. Fischer, bisher Oberrabbiner in Duna Földvar, wird noch vor den herannahenden Feiertagen hier eintreffen, um seine seelsorgerische Thätigkeit zu beginnen. Möge sein Einzug in unserer Stadt ein beglückter und seine Wirksamkeit eine segensvolle sein! Frankreich. Paris. Während früher die Presse sich eher darin gefiel, unsere Glaubensgenoffen zu schmähen, als ihnen Anerkennung widerfahren zu lassen, trifft man jetzt hin und wieder auch aus christlicher Feder geflossene Artikel, welche die meffianischen Verheißungen in Erfüllung zu bringen scheinen. So lasen wir unlängst in dem Journal »Main« einen Aufsatz von Herrn Aurelian Scholl, aus dem wir Folgendes entnehmen: „Der Jude, welcher noch vor wenigen Jahren keine bürgerlichen Rechte hatte, hat bereits den Ansatz, ein Edelmann zu werden. Wenn wir Katholiken auf die Verfolgungen stolz sind, welche wir für unfern Glauben erduldet haben, wie stolz darf erst der Jude sein, daß er die Tortur so vieler Jahrhunderte überdauert und sich dennoch das Gesetz seiner Väter bewahrt hat! In dem gesellschaftlichen Leben entwickelt sich der Jude schnell, er bildet sich und gibt seinen Kindern die Erziehung, die ihrem Vater gefehlt hat. In Geschäften bewährt der Jude eine musterhafte Rechtschaffenheit, und von Hamburg bis Bordeaux, von Lyon bis Frankfurt sind die jüdischen BanquierS und Geschäftsleute diejenigen, welche am meisten Vertrauen einflößen. Nicht nur im geschäftlichen Leben, auch in Kunst und Wissenschaft habm die Juden eine hohe Stufe erlangt. Möchten die Bekenner anderer Religionen doch nachahmen diesen Nachkommen Noahs, deren Stammbäume bis zu der Arche von Ararat hinaufreichen, diesen Söhnen des Moses, deren Geschlecht das einzige ist, welches niemals ein heidnisches war!" Paris, den 15. Septbr. Von Semlin aus ist an die ^lliauos isr. uuiv. eine Depesche eingelaufen, welche eine neue gegen die Israeliten Serbiens ausgeführte Verfolgung ankündigt, und daß sie bereits aus der Stadt Schadatz vertrieben seien. Das Central-Comitö der Alliance hat sich beeilt, unfern Glaubensgenoffen in Serbien zu Hülfe zu kommen, und hat sich zu diesem Zwecke an die serbische Nationalregierung gewandt. Paris, im Ellul. Mt blutendem Herzen lasen wir vor einiger Zeit die Kunde von dem himmelschreienden Unrechte, das durch das schmähliche Verfahren einiger Bukarester Israeliten dem Herrn Rabbiner Malbim, dem Verfasser mehrerer vortrefflichen jüdischen Werke, geschah. Herr Rabbiner Malbim weilt gegenwärtig hier, um die nöthigen Schritte in seiner Angelegenheit zu thun. Wir hoffen, derselbe wird mit Gottes Hilfe seinen Zweck hier erreichen, nachdem ihm Männer von Gewicht und Einfluß ein lebhaftes Interesse bekundet haben. Herr Rabbiner Malbim kann um so eher auf Genugthuung rechnen, als er sich auf dem Boden des guten Rechtes befindet Die Regierung hat ihn nämlich auf lebenslänglich als Rabbiner der Bukarester Gemeinde angestellt, worüber er die nöthigen Dokumente besitzt. Man fühlt sich in die Zeiten des Barbarenthums zurückversetzt, wenn man all die Nichtswürdigkeiten vernimmt, welche die Bukarester Neologie an diesem eminenten Geist ausübte Sollte man es wirklich glauben, daß die Bosheit