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Der Israelit · 1864-09-28 · Heft 39 (28.9.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 39 (28.9.1864)
Date
1864-09-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage za Nr. 39 des Israelit. AsiturrgSnachieichte« und Correspondenzen. Deutschland. Worms. Herr vr. Jastrow hat sein Amt als Rabbiner in hiesiger Gemeinde am 15. August angetreten; wir find es uns und dem, uns in seiner höchst achtbaren Persönlichkeit nahe tretenden Talent schuldig, über sein, wenn auch nur kurzes Wirken, zu referiren, um einem Verdienste die gebührende Anerkennung zu zollen, das in kurzer Zeit sich so die allgemeine Geltung in der Gemeinde zu verschaffen gewußt hat. Worms hat von jeher zur Verwaltung des Rabbineramts die größten Autoritäten berufen. Noch ist es kein halbes Jahr, daß wir den großen Verlust unseres Rabbinen I. Bamberger , eines Heroen talmudischer Gelehrsamkeit, beweinten. Diesem edlen Manne ist nun vr. Jastrow auf Berufung der Gemeinde im Amte gefolgt. Eingedenk der Wichtigkeit dieser Berufung ist er erschienen als Mann, der da weiß, was er ist, und was er will. Seine Predigten, Geist und Herz zugleich ansprechend, zeugen von den Ansichten und Ueberzeugungen des Redners, sie offenbaren den religiösen Character des Mannes, dessen Streben dahin zielt, das Licht des Judenthums iirnm leuchten zu lassen, Gottesfurcht und Moral nach ächt jüdischem Sinne zu verbreiten. Die Predigten, die wir von ihm bisher zu hören Gelegenheit hatten — deren Klarheit und Bestimmtheit, sowie die logische Ordnung in der Entwickelung der Begriffe haben uns überzeugt, wie tief dieser Mann zu denken vermag, und daß er die menschliche Natur in sich und Andern studirt haben muß. vr. Jastrow gehört nicht zu jenen sogenannten Seelsorgern der Neuzeit, welche rücksichtslos den Rabbiner dem vr. der Philosophie opfern; die auf der Kanzel von Wahrheiten des Judenthums reden, aber dennoch nur so, daß jeder es wohl einsehen kann, daß sie selbst nicht daran glauben, und nicht von diesen Wahrheiten ergriffen sind: niiviv ipni i-ov (Jerem. 5) Seelsorger, welche mit dem Mangel an gründlichen Fachkenntnissen anmaßend genug sind, nach dem Maße des eigenen Glaubens (?) sich zum Gebieter des Glaubens Anderer zu erheben. Gottlob! vr. Jastrow zählt nicht zu diesen Herren, er verfehlt nicht, Morgens und Abends das Gotteshaus zu besuchen, Talmud und Poskim find keine seltene Erscheinungen in seinem Hause; er sieht ferner das Heil der Gottesverehrung nicht in übereilten Reformen, sondern in der Belebung des allen Gottesdienstes, er beweist durch sein persönliche-Verhalten, daß es ihnr nur um die Sache und nicht um den Schein zu. thun ist. Löürzbnrg, 18. September. Wenn in unserer Zeit mit ihren materialistischen Bestrebungen Erscheinungen zu Tage treten, welche das religiöse Gefühl nichts weniger als zu befriedigen geeignet find, so dürste es den werthen Lesern dieses geschätzten Blattes nicht unangenehm sein, auf eine Anstalt aufmerksam gemacht zu werden, welche die sich gestellte Aufgabe in so lobenswerther und rühmlicher Weife zu lösen bestrebt ist, wie dies bei dem, unter der Leitung des weithin geehrten und geachteten Hrn. Rabbiner O ttensoser stehenden Unterrichtsinstitut in dem benachbarten Höchberg der Fall ist. Hauptzweck dieser Anstalt ist, den ihr anvertrauten Zöglingen, welche gewöhnlich nach zurückgelegtem dreizehnten Lebensjahr ausgenommen werben, eine zum Rabbiner- und Lehrerfach gediegene Vorkenntniß angedeihen zu lassen. Wie nun diese Vorbereitungsschule das sich gesteckte Ziel erstrebt, davon geben die an ihr wirkenden Kräfte hinlänglich Zeugniß. Zuerst ist es der Leiter der Schule, Hr. Rabbiner Ottenfoser, der es sich im buchstäblichen Sinn des Wortes zur Lebensaufgabe gemacht hat, seinen gleich Kindern von ihm gehaltenen Schülern eine für deren Berufsfach erforderlichen sittliche und religiös-wissenschaftliche Grundlage zu verschaffen. Zu diesem Zwecke beschäftigt sich dieser wahrhaft fromme und ehrwürdige Greis rastlos und mit einer solchen Bereitwilligkeit und Uneigennützigkeit mit seinen Alumnen, wie das nur von einem von der Wichtigkeit und Heiligkeit seines Berufes durchdrungenen Gemüthe zu erwarten steht. Außerdem wird auch durch die Vermittlung des Hrn. Rabb. Ottenfoser für die physischen Anforderungen der Zöglinge je nach vorhandenem Bedürfnisse vollständig gesorgt. Ferner wirkt an dieser Anstalt der sehr begabte Herr Rabbinats-Candidat Ehren re ich, welcher neben dem Jüdischen auch den Unterricht in den profanen Fächern, den Erfordernissen der Jetztzeit gemäß, ertheilt, und zwar mit solch erfreulichem Erfolge, daß demselben ohnlängst von Seiten der königl. bayrischen Regierung eine öffentliche Anerkmnung verbunden mit einer Honorification zuerkannt wurde. Auch bei der jüngst stattgehabte« Prüfung sprachen sich sowohl der königliche Prüfungscommiffär, als auch Herr Distriktsrabbiner Bamberger, welchem Letzterm die Oberaufsicht über die Anstalt zusteht, sehr zufrieden über die Leistungen der jungm Leute aus. Sollte Vorliegendes die edlm Förderer dieses Instituts überzeugt habm, daß ihre hochherzige Opferwilligkeil nicht auf unfruchtbaren Boden fällt, sollten ferner Ellern und Erzieher hierdurch auf eine Pflanz-

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