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Der Israelit · 1864-09-28 · Heft 39 (28.9.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 39 (28.9.1864)
Date
1864-09-28
Page
– (sequence 8)
Language
German
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522 oge keineswegs den Störungen durch den Lärm der klebten Straße ausgesetzt. Nächst dem Entrse scheidet eine Rotunde, in deren Mitte sich ein für religiöse Waschungen bestimmter Springbrunnen befindet, und hinter dieser die kleine oder Vorsynagoge sie von der Straße, sodaß sie sich erst an der hintern Fronte des Gebäudes befindet. Dieser Haupttempel hat eine Länge von 145 Fuß, eine Breite von 102 Fuß und eine Höhe von 85 Fuß und umfaßt in seinem ganzen Raume 3000 Sitzplätze. An seinen beiden Längeseiten erheben sich zwei Reihen von eleganten eisernen Säulen, auf denen die kuppelartigen Decken und die Emporgewölbe ruhen. Zu den Emporen ftihren von der Rotunde aus rechts und links Treppen hinauf und ebenso nach den im Vorderbau befindlichen Verwaltungsräumlichkeiten, von denen letzteren besonders der Sitzungssaal der Gemeindevertretung wegen seiner künstlerisch architektonischen Ausstattung Aufmerksamkeit verdient. — Sowohl die in den Kuppelgewölben als an den Seiten befindlichen Fenster des Haupttempels sollen mit prachtvoller Glasmalerei versehen, und ebenso die Wände und Decken mit entsprechend schönen Verzierungen ausgestattet werden. Mit beiden, der Glasmalerei sowie dem Wandschmuck, ist bereits begonnen. Von besonderm Interesse und von Einfluß ist die umfangreiche Verwendung von Eisenconstructionen. Eine ganz neue, eigenthümliche und äußerst zweckmäßige Einrichtung hat man in dem Arrangement der Gasbeleuchtung getroffen. Die Lampen werden nämlich in den Zwischenräumen der Doppelfenster, zwischen den äußeren weißen und den inneren bunten Scheiben angebracht. Hierdurch erscheint einerseits der ganze Raunl der Synagoge in einem magischen Lichte erleuchtet und andererseits wird die lästige Hitze der Gasflammen vermieden und statt derselben eine wohlthuende Ventilation hervorgebracht. lieber Tag können diese Gasapparate so in die Wand geschoben oder zurückgerollt werden, daß sie dem Auge völlig entzogen sind. Zur Geschichte des Baues erzählen wir in Kurzem Folgendes: Die in der Heiderreutergasse befindliche, in der Mitte des vorigen Jahrhunderts erbaute alte Synagoge hatte sich bereits längst für die Bedürfnisse der jüdischen Gemeinde von Berlin unzureichend gezeigt. Sie hat nur 500 Sitzplätze und so mußten für den Gottesdienst, besonders an den höchsten Festtagen, eine große Anzahl von Vergnügungssälen (!) zur Aushilfe gemiethet werden. Nebenbei bemerkt, war hieraus ein eigenthümliches Geschäft entstanden. Spekulanten mietheten nämlich die Säle, dazu die nötigen Vorbeter — und ließen dann die zum Gottesdienst eilenden Gläubigen nur gegen Entree hinein. Um daher diesem tief gefühlten Bedürfniß abzuhelfen, trat bereits im Jahr 1856 unter dem Vorsitz des Herrn M. Magnus eine Commission zusammen, nach deren Vorschlag der Vorstand der jüdischen Gemeinde das Grundstück Oranienburg erstraße Nr. 30 erwarb, welches in Zusammenhang steht mit einem ebenfalls sehr umfangreichen Grundstück an der Auguststraße, auf welchem die jüdische Gemeinde ein Krankenhaus zu 100 Betten erbaut hatte. Der Vorstand erließ hierauf im Jahre 1857 ein Concurrenzausschreiben zum Bau einer neuen Synagoge und wurde von den eingegangenen Arbeiten nach dem Urtheil des Architektenvereins zu Berlin der des Baurath Knoblauch in Berlin der Preis zuerkannt. Dieser bewährte Architekt, nach dessen Plänen auch das vorher erwähnte Krankenhaus erbaut war, wurde von dem Gemeindevorstand mit der Ausführung dieses interessanten Bauwerkes betraut, und nachdem die nothwendigen Vorarbeiten beendet waren, im Jahre 16 >9 mit dem Bau begonnen und dem Architekten Hähnel die Bauführung übertragen. Leider war es dem Baurath Knoblauch nicht vergönnt, dieses sein bedeutendstes Werk, dem er sich mit der ihm eigenen Unermüdlichkeit hingegeben, zu vollenden; infolge einer schweren Erkrankung mußte er seine Arbeiten aufgeben und auf seinen Wunsch übernahm der geheime Oberbaurath Stüler die Oberleitung des Baues, der mit seinem feinen Sinn für Decoration und Farbengebung den innern Ausbau in dem Geiste, in dem das Werk begonnen, durchführte. Bei der reichen Ausstattung und vortrefflichen Ausführung des ganzen Bauwerkes, sowie in Anbetracht dessen, daß in dem Tempel 2000 Männer'und 1000 Frauen bequem Platz finden, dürfte die voraussichtlich zur Verwendung kommende Summe von 500,000 Thlr., wobei der Kaufpreis für das Grundstück mit einbegriffen ist, außerordentlich gering erscheinen." Afrika. Tunis, den 4. Sept. Die irregulären Truppen, welche die tunesische Regierung angeworben und bewaffnet hat, um sie gegen die Rebellen zu schicken, haben sich hier einige Tage vor ihrem Abmarsche aufgehalten, welche sie dazu benutzten, gegen die Israeliten Exceffe zu verüben. Um nur ein Beispiel anzuführen: Auf öffentlichem Spaziergange, gerade zur Zeit, als derselbe am belebtesten war, wurde ein armer Israelit von einem Zuaven mit gezücktem Säbel angefallen und nur durch die muthvolle Dazwischenkunft eines franz. KonsulareLeven gerettet. — Das Land ist noch lange nicht beruhigt, und unsere Glaubensgenoffen sind allen Verfolgungen ausgesetzt. Hierzu eine Beilage. Verantwortlich» Redaction: Dr. Lehman». — Verlag der Le Ronx'fchen Hofbuchhandlung.— Dampf-Schnellpreflendruck von I. GottSleben in Mainz.

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