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Der Israelit · 1864-09-28 · Heft 39 (28.9.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 39 (28.9.1864)
Date
1864-09-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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517 in einen mächtigen Strom zu verwandeln, der quer über ihren Weg floß. Abraham ging voran, um den Strom zu durchwaten, und Jizchak folgte seinem Vater. Anfangs bedeckte der Strom nur ihre Füße; aber immer mächtiger schwoll er an, bis daß Vater und Sohn beinahe darin versunken wären. Da betete Abraham zu Gott und sprach: „„Nette uns, o Herr, denn schon droht die Fluth, uns das Leben zu rauben."" svLN „Da wehrte Gott dem Verführer, und er ging." In gar vielerlei Gestatten tritt die Verführung an uns heran im Leben; dem Jünglinge erscheint sie in der Gestalt des Jünglings und malt ihm die Freuden des Lebens so schön und so wunderbar und will ihn vergessen lassen Gott und Sein heilig Gebot und will ihn zum Ungehorsam verleiten gegen Vater und Mutter. Wohl dem, der nicht hört auf ihre lockende Stimme, der sittliche Kraft genug hat, ihr Widerstand zu leisten! — Aber auch dem Greise noch naht die Verführung in der Gestalt des erfahrenen demuthsvollen Alters, will ihn beihören durch scheinbar gewichtige Gründe, will die Wahrheit als Jrrthum und die Sünde als berechtigt darstellen. Wohl dem, den die Liebe zu Gott dann also erfüllet, daß die Verführung ohnmächtig wird! — Aber auch noch in anderer, mächtigerer Gestalt erscheint die Verführung; da lockt sie nicht mehr, da will sie erzwingen. Dann gleichet das Leben dem furchtbaren, mächtigen Strome, der da erschüttert die Grundlagen unseres Charakters, der hinwegzuspülen droht das Gebäude unserer Vernunft, der zu zerstören strebt die Säulen unserer Sittlichkeit. Dann fühlt der Mensch, wie schwach und hinfällig er ist — wohl ihm, wenn er dann im Gebete Ar halt findet an feinem Gott, wenn Gott ihn rettet aus der drohenden Gefahr, die Verführung durch Sein Machtwort hinwegscheucht und ihm die Pfade wieder ebnet, auf daß er ungehemmt seinem erhabenen Ziele zuwalle! — „Und Abraham nahm das Holz zum Ganzopfer und legte es auf seinen Sohn Jizchak, und er nahm in seine Hand das Feuer und das Schlachtmefser, und sie gingen Beide mitsammen," der Eine, sein theuerstes Gut auf Erden hinzugeben, der Andere, geschlachtet zu werden. „Ta sprach Jizchak zu Abraham, seinem Vater: „Mein Vater!" Und Abraham sprach : „„Hier bin ich, mein Sohn."" Und Jizchak sprach : „Hier ist das Feuer und das Holz, wo aber ist das Lamm zum Ganzopfer?" Und Abraham sprach: „„Gott wird sich als Lamm zum Ganzopfer ausersehen meinm Sohn."" und sie gingen Beide weiter," eines Sinnes, der Gne zu schlachten, der Andere geschlachtet zu werden. Und Abraham sprach ferner zu Jizchak, seinem Sohne: „„Mein Sohn, hast du vielleicht irgend einen Gedanken, der gegen unser Vorhaben gerichtet ist; verhehle eS mir nicht." " Da antwortete Jizchak seinem Vater: „So wahr Gott lebt, mein Vater, und so wahr du lebst, kein Gedanke in mir sträubt sich gegen das, was Gott beschlossen. Mein Herz ist fröhlich und vergnügt darob, und ich spreche: Gelobt sei Gott, der mich erkoren hat zum Opfer vor Ihm!" Da freute sich Abraham gar sehr ob der Worte Jizchaks, und sie gingen und kamen Beide an den Ort, den Gott bestimmt hatte. Da trat Abraham hin, den Altar zu erbauen am selbigen Orte, und während Abraham baute, reichte ihm Jizchak Steine und Lehm, bis daß der Bau vollendet war. Dann nahm Abraham das Holz und ordnete es ans dem Altar, und er nahm seinen Sohn Jizchak und band ihn, um ihn zu legen auf das Holz und ihn zu schlachten, ein Ganzopfer vor Gott. Da sprach Jizchak zu seinem Vater: „Binde mich fest, mein Vater, ich möchte sonst dem Schlachtmefser widerstreben, und so könnte das Opfer entweihet werden." Und Abraham that also. Und Jizchak sprach abermals zu seinem Vater: „Drein Vater, wenn du mich geschlachtet und verbrannt haben wirst, so nimm, was übrig bleibt von meiner Asche, und bringe es meiner Mutter Sarah; aber erzähle es ihr nicht, wenn sie vor einem Brunnen sitzt, sie möchte sich sonst hineinstürzen; sage es ihr auch nicht, wenn sie auf dem Dache weilt, sie möchte sich sonst hinabstü^en und sterben um meinetwillen." Als Abraham seinen Sohn Jizchak also reden hörte, da erhub er seine Stimme und weinte, und die Thränen Abrahams stoffen auf seinen Sohn Jizchak; da fing auch Jizchak an zu weknen gar sehr, und er sprach zu seinem Vater: „Eile, eile, mein Vater, und vollziehe an mir den Willen des Ewigen, unseres Gottes, wie Er dir befohlen hat!" Und das Herz Abrahams und Jizchaks war freudig bei dieser Sache, die ihnen der Ewige befohlen hatte. Doch weint wohl manchmal das Auge bitterlich, während das Herz fröhlich ist. Da streckte Jizchak seinen Hals aus vor seinem Vater auf dem Altäre, und Abraham ergriff das Messer, um seinen Sohn zu schlachten, als Ganzopfer auf dem Altar. Da traten die Engel des Erbarmens vor Gott hin und flehten vor Ihm um Jizchaks willen, wie folgt: „Du ewiger, erbarnmngsooller und gnädiger König, der Du Alles erschaffen im Himmel und auf Erden, und der Du Alles belebst, erbarme Dich Abrahams und Jizchaks, die so gehorsam Deinem Worte sind!" Und Gott erbarmte sich. Und ein Engel des Ewigen rief vom Himmel herab und sprach: „Abraham! Abraham!" Und Abraham sprach: „„Hier bin ich, immer bereit, meinem Gotte zu gehorchen."" Und Gott sprach: „Strecke deine Hand nicht ans wider den Knaben und thue ihm Nichts; denn jetzt weiß Ich, daß du gotteKfürchtig bist, da du Mir nicht entzogen hast deine» Sohn, deinen einzigen." Und Abraham sprach: „„Wohl hätte ich widersprechen können und sagen: Gestern hast Du zu mir gesprochen: D«rch Jizchak soll dir Nach-

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