Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-09-28 · Heft 39 (28.9.1864) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 39 (28.9.1864)
Date
1864-09-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447180--02897-2458263
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

516 sehnte sich Jizchak darnach, gleiche Hingebung zu bewähren, und Gott gab Hm Gelegenheit dazn, indem Er dem Abraham befahl, de« Jtzchat,zuW Opfer darzubringen." — Abraha« Haut nicht tzlbstzichrieden auf sein thätiges, prüfungsreiches Leben zurück, er sucht vielmehr den Gehorsam gegen Gott stets neu zu bewähren. Abraham war kinderlos alt geworden, hatte große Reichthümer, einen berühmten Namen und keinen Erben für Beides; er hatte sich nach einem Sohne gesehnt, wie nur ein Mensch nach etwas Wünschensrverthem sich sehnen kann. Endlich hatte der Hundertjährige einen Sohn erhalten, einen Erben seines Namens, seines Vermögens, der die Aufgabe, die sich Abraham gestellt hatte, fortzusetzen vermochte, an dem all die reichen Verheißungen, die dem Abraham geworden, in Erfüllung gehen sollten; er hatte ihn erzogen mit Liebe und Sorgfalt, und nun verlangt Gott von ihm, daß er ihn opfern soll — und Abraham gehorcht ohne Widerrede. Also sollen auch wir uns bemühen, daß unsere Erkenntniß die Herrschaft gewinne über unfern Körper sowohl, wie über all unser Wünschen und Hoffen. Jizchak, der Erbe so großer Reichthümer, dem eine so wundervolle Zukunft in Aussicht steht, ist bereit, seinen Gehorsam gegen Gott durch Hingebung seines jungen Lebens zu bewähren: also sollen auch wir uns bemühen, kein anderes Ziel zu kennen, als das, ganz und gar unserm Gotte anzugehören. Gott hatte dem Abraham befohlen, seinen Sohn zum Opfer darzubringen, und Abraham sprach in seinem Herzen: „Wie fange ich es an, daß ich meinen Sohn Jizchak trenne von Sarah, seiner Mutter?" Und er sprach zu Sarah: „Unser Sohn Jizchak ist herangervachsen und hat noch nicht gelernt, Gott zu dienen. Morgen will ich ihn hinführen zu Schern und Eber, damit er bei diesen Lehrern des Menschengeschlechts erkennen lerne die Wege Gottes". Und Sarah sprach: „„Thue mein Herr, wie du gesprochen, nur lasse ihn nicht zu lange ferne von mir bleiben; denn meine Seele ist geknüpft an die seinige gar sehr."" Und Abraham sprach zu Sarah : „Meine Tochter, bete doch zu dem Ewigen, unserm Gott, daß Er uns Gutes erzeige." Und Sarah umarmte und küßte ihren Sohn und weinte gar sehr die ganze Nacht hindurch. Und am Morgen sprach sie zu Abraham : ,,„O mein Herr, nimm deinen Sohn doch ja in Acht, denn ich habe ja kein anderes Kind, weder Sohn noch Tochter; verlaß ihn nicht, gib ihm zu essen, wenn er hungrig ist, und wenn ihn dürstet, gib ihm zu trinken! Laß ihn nicht zu viel zu Fuße gehen und laß ihn nicht in der Sonne sitzen!"" Dann nahm sie schöne Kleider und bekleidete ihren Sohn damit und befestigte einen Edelstein an seinem Kopfbunde und gab ihnen noch eine Strecke das Gelerte, bis daß sie Abraham und Jizchak zurückzukehren hießen. Da sprach Sarah: „„Lebe wohl, mein Sohn! Werweiß, ob ich dich jemals wiedenMAr »erde;"" und sw weinte Laut, und auch Abraham Jizchak weinten -ehr. *) iiwn nsr AbeiWlbraham unterjochte alles Körperliche, jedes rrhiHe Ge- Khil, „und er nahm seine 2 Knaben mit KchDW> seinen Sohn Jizchak und spaltete das Holz zum Ganzopfer und machte sich auf, um an den OG zu Uhen, von dem ihm Gott gesprochen hatte. Am drH»«rge, da Hub Abraham seine Augen auf und sah von ferne." .12 .iix .-in-, piL'i nn-Qx 128 -nVp .in 1.1 nmi nrui O'-rii on-r O'xn O'ipIb 128 Op 112N.1 Op NO O^ O'I.11 N11O12 -rl-e HONb .1211 „Da sprach Abraham zu Jizchak: „„Was siehst du dort in-der Ferne?"" Da sprach Jizchak: „Ich sehe einen schönen und wundervollen Berg, auf dem eine Wolkensäule ruht." Und Abraham sprach zu den Knechten: „„Was seht ihr dort in der Ferne?"" Und sie antworteten ihm: „Wir sehen Nichts denn Wüsten und Berge." Da sprach Abraham zu ihnen: „„Bleibet ihr hier mit dem Esel."" Nur der wahrhaft edle Mensch, welcher seinen Geist bereits vervollkommnet hat, nimmt das Gute, Schöne und Erhabene wahr, während der sinnliche Mensch darin Nichts als Wüsten und Berge sieht. Als nun Abraham mit seinem Sohne Jizchak weiter ging, da kam der Verführer in Gestalt eines dernuthsvollen Greises und gesellte sich zu Abraham, und er sprach zu ihm: „Bist du ein Thor, daß du solches vollbringen willst mit deinem einzigen Sohn, den dir Gott in deinem Alter gegeben? Du willst ihn tödten, wiewohl er nichts Böses gethan hat; kann wohl Gott solches befohlen haben?" Da merkte Abraham, daß das Worte des Verführers seien, der ihn verleiten wolle, vom Wege Gottes abzuweichen. Da ließ er ihn hart an, und der Verführer ging — aber nur, um in der Gestalt eines schönen Jünglings wiederzukehren. Und er gesellte sich zu Jizchak und sprach zu ihm: „Weißt du nicht, daß dein alter, thörichter Vater dich heute schlachten will? Wirst du das dulden? Wirft du dem kindisch gewordenen Greise gehorchen? Willst du hingeben dein junges Leben, deine schöne Gestalt und all die Aussichten und Hoffnungen auf Freude und Genuß, die sich dem Begüterten Ln so reichem Maaße bieten? Du hast das Leben noch nicht genoffen, weißt nicht, wie süß seine Freuden sind. O höre auf mich, ich rathe dir zum Guten, und gehorche dem thörichten Greise nicht!" Da eilte Jizchak zu seinem Vater und erzählte ihm die Worte des Jünglings. Und Abraham sprach zu seinem Sohne: ,,„O höre nicht auf ihn! Es ist der Verführer, der uns verleiten will, von dem Wege Gottes abzuweichen."" Abraham Ließ ihn wiederum hart an, und er ging — aber nnr, um sich *) von -MIN „Körper".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.