Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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510 Lyons rc. all den Feierlichkeiten nicht anwohnten. „Sie behaupten," sagt Herr Wise, „der Feier fern bleiben zu muffen, weil sie die informatorische Tendenz dieser Gemeinde nicht billigen könnten. Dies erscheint sehr sonderbar, zumal da wir uns niemals weigern, für orthodoxe Gemeinden zu predigen und mit ihnen Gottesdienst zu halten." Uns hingegen erscheint das ebensowenig sonderbar, wie daß der Nichtjude wohl beim Juden, der Jude aber nicht beim Nichjuden essen darf. Ihr Herren Reformer dürft wohl an einem koscheren Gottesdienst theilnehmen, wir aber dürfen nicht eure, aller jüdischen Sitte und dem jüdischen Religionsgesetze hohnsprechenden Versammlungshäuser mit Familienlogen rc. besuchen. Sonderbar erscheint uns nur, daß es überhaupt orthodoxe Gemeinden gibt, die Herrn Wise und Genoffen Gelegenheit geben, ihre Toleranz zu beweisen, daß orthodoxe Gemeinden von einem Prediger sich vorpredigen lassen, dem es nach dem Religionsgesetze nicht gestattet wäre, als Schochet oder Koch für sie zu fungiren. Feuilleton. Ein Geitrag zur Geschichte -er Behandlung -er Juden im 17. Jahrhundert. Von / H. iUiüIIei'. (Schluß.) Darauf habe ich geantwortet: Ew. Excellenz, da behüte Gott vor. Ich bin so wohl ein Mensch wie Sie, obgleich ich ein Jude bin, und verhoffe nicht, Ew. Excellenz werden so hart mit mir verfahren. Ich habe es ja nicht verschuldet und bitte tausendmal um Gotteswillen um Gnade. — Nun, Jude, weil du um Gnade bittest, so soll dir auch Gnade widerfahren, also sollst du schaffen 400 Dukaten Ranzion; so solches geschieht, so sollst du entledigt fein. Und sofern du solch Geld nicht wirst schaffen, so sollst du die Strafe ausstehen, die dir dictirt ist. — Hierauf habe ich bei dem Herrn General-Major gebeten, er möchte mir doch Frist geben, inzwischen wolle ich nach Hamburg an meine Freunde schreiben. Der Herr General- Major hat darauf geantwortet: Ja, das kann wohl sein, aber du sollst an sie keine hebräischen Briefe schreiben. Denn die Schreiben soll der Bauschreiber schreiben, du aber sollst sie unterzeichnen. So ist es geschehen und hat man in den Brief alle Beschuldigungen ausgenommen, wiewohl ich doch solche vorher abgelehnt hatte. Wie nun dieser Brief nach Hamburg gekommen, ist derselbe an den Residenten Emanuel Taxerer gebracht, welcher sich meiner angenommen und nach dem Fürsten Herzog Christian von Mecklenburg, so anjetzt in Hamburg ist, sich verfügt. Was allda unter ihnen vorgefallen, solches ist mir anjetzt noch nicht bekannt, sintemal ich seit der Zeit nicht nach Hamburg gewesen bin, sondern erst hinzureiscn gedenke, meine Noth und das schwere Proeediren zu eröffnen. Alldicwerlen keine Antwort aus meinen Brief von Hamburg gekommen und kein Geld der erforderten 400 Dukaten geschickt wurden, bin ich fort darauf in einen neuen großen Karren geschlossen worden. Denselben, welcher mehr denn zuvor mit Erde geschlagen und überhäuft gewesen, babe ich müssen von früh Morgens nach acht Uhr bis Abends trecken und schleppen, und hierbei hat der Profoß mit einem überzogenen dicken Bullengesel bei mir hergehen und nicht allein auf den Rücken, Schultern und Arme, sondern auch vor die Schämen und um den ganzen Leib mich schlagen und also mich ganz elendiglich zurichten und tractiren müssen. Und dies so lange, bis ich habe müssen niederstürzen und beschwicmen oder in Ohnmacht fallen, und dann so hat der Profoß mit meinem Hute Wasser geholt und mich damit begaffen und erquickt und hat dann dabei mich wiederum so lange schlagen muffen, bis ich wieder ausgestanden bin und den Karren fortgeschleppt habe. Diese mala vkll inckiAiu; traetatio (üble oder unwürdige Behandlung) hat den ganzen Tag über gewährt. Auch ist der Oberstlieutenant N., welcher Kommandant auf der Festung ist, selber bei solch Karrenziehen gekommen und hat mich mit seinem Stocke aus den Rücken und vor die Schämen nicht wenig geschlagen. Item so hat der Lieutenant Bock dem Profoßen hart befohlen, mich bei solch Karrenziehen solchergestalt zu tractiren. — Bei solch Karrenziehen und indigne Tractirung ist der Herr General-Major mehrentheils beihergegangen und hat es mit angesehen und sonderlich zu mir gesagt: Ich räche mich an dir von Christus wegen. Denn gleichwie die Juden Christum gekreuzigt, gepeitscht und gegeißelt haben, also will ich dich wieder peitschen und geißeln lassen. — Ach das Elend! Soll ich Armer das nun entgelten, das ist zu erbarmen und zu beklagen! — Zum Andern : Weil du eine vornehme Judentochter zur Braut willst haben und sie heirathen, so kannst du gleich ein solches an ihrem Vater wieder einzubringen suchen. Darum thue dein Bestes und, schreibe an den Residenten, daß er für dich 300 Dnkaten herschicke und dich löse; wo nicht, so sollst du Zeit deines Lebens bei dieser Festung ein Sclave sein und bleiben. Oder wenn er die 300 Dukaten deinetwegen wird hersenden, so schreibe chm, daß du die Zeit deines Lebens sein Sclave sein willst. Am selbigen Tag da ich den Karren ziehen mußte, sind vornehme und gemeine Leute dahin gekommen und haben es bedauert, daß ich so unschuldiger Weise