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Der Israelit · 1864-09-21 · Heft 38 (21.9.1864) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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511 so übel, elend, jämmerlich und gewattiglich tractirt wurde; theils haben sich auch Leute eingefunden, die den Herrn General-Major weinend und biltlich angefallen, er möchte mich doch von solch übler Tractirung entledigen oder mir nur das Leben nehmen laßen, warum ich denn auch selbst inständig und fleißig gebeten — aber erfolglos. — Item und so der Profoß dem Befehl in Peitschen und Schlagen gegen mich oder auf mich nicht wollte nachleben, so sollte ich ausgespannt und er wiederum eingespannt werden, und gleichwie er mich hätte tractirt, so sollte ich ihn wieder tractiren. So ist nicht allein der Bullengesel, sondern es sind auch etliche Stücke Holz auf meinem Leib entzwei geschlagen worden. Wie ich nun ausgespannt ward um fünf Nhr Nachmittags, um dessen weil ich nicht mehr in der Karre wegen der vielen erlittenen Schläge trecken konnte, ward ich wieder in die Cortegasse Mock?) gebracht, allda ich fünf Tage liegen mußte, aber kein Balbirer zugelaffen wurde, der nach mir hätte sehen oder mir Salbe schicken können. Was für Schmerzen und Wehetage ich gelitten, ist leichtlich zu erachten, dennoch mußte ich des andern Tages, wie ich aus der Karre entlasten war, auf Befehl des Herrn General-Major nach Hamburg an die Juden hebräische Briefe schreiben, daß sie für mich 300 Dukaten Ranzion schicken sollten. Auf dieses kam ein Jude von Hamburg, so gesehen, wie ich tractirt war, welcher stracks nach dem Herrn General-Major gegangen, seine Parole von sich gegeben, daß der Herr General-Major mir nichts mehr sollte zuwider lasten thun, sondern aus den Schlössern mich losgeben und wieder in des Wachtmeister-Leutenant Haus oder Losament in Arrest bringen lasten. Denn wir Juden aus Hamburg wollen ein Stück Geldes zusammenbringen und dem Herrn General- Major lasten zustellen. So wurde ich aus den Schlössern entlasten und kam zum Arrest in des Wachtmeister- Leutenant Haus. Hierauf vierzehn Tage nachher sind Briefe an den Herrn General-Major aus Hamburg von dem Herzog Christian Ludwig von Mecklenburg durch einen erpressen Boten gesandt worden, des Inhalts, daß der General-Major mich cito sollte loslassen. Dennoch hat er mich noch drei Tage in Arrest behalten und mich gezwungen, eine Handschrift von mir zu geben, erheblich auf 100 Thaler, wegen Zehrungskosten und anderer Unpflichten, da ich doch äs xrovrüs (von meinem eigenen Gelds) gelebt, so mir auf 60 Thlr. gekommen. Diese geforderten 100 Thaler soll ich alle Quartal mit 14 Thaler abtragen, und was er an unterschiedlichen Punkten von mir mehr begehrt, habe ich gleich gezwungen consentiren und mit in dieselbe Handschrift rücken muffen. Darauf ich denn einen Eid schwören müssen, daß ich solches an Keinem, er sei wer er auch wolle, an Ort und Stelle wo es wolle, rächen noch gedenken sollte und wollte. Auf dieses bin ich von dem Herrn General-Major wiederum auf freien Fuß gestellt und entlasten worden. Im Abgehen, wie ich nun an die Wache gelangt, bin ich von dem Wachtmeister-Lieutenant wieder allda in Arrest genommen und gehalten worden, ihm für 8 Wochen, da ich in seinem Losament in Arrest gewesen und auf der Bank gelegen, 8 Thlr. zu geben. Weil ich nun solche nicht sofort konnteerlegen, habe ich ihm gleichfalls eine Verschreibung darüber geben müssen. Nachdem ich gedachtem Wachtmeister-Lieutenant solchen Schein hatte gegeben, habe ihm wieder gesagt, er würde sich erinnern, daß ich von ihm hätte muffen für 24 Thaler Diamanten kaufen, wobei er mir aus ehrliche Parole versprochen, daß sie gut seien; sofern sie aber nicht sollten gut sein, sollte ich wieder mein Geld ohne einige Contradiction haben. Es ist aber befunden, daß die Diamanten falsch sind und wenig oder gar nichts gelten. Als ich auf keine Weise mein Geld wieder kriegen konnte, habe ich endlich von dem Herrn Oberstlieutenant, dem Kommandanten zu Dömitz, einen Spruch darüber begehrt; weil aber der Herr General-Major nicht da, sondern verreist war, gedachter Kommandant selbst deßhalb mir keine Audienz «erstatten, auch keinen Spruch darin ertheilen wollen, also habe ich meine Reise von Dömitz wieder nach Dannenberg nehmen wollen. Inzwischen aber soll der Herr General-Major vor seiner Abreise befohlen haben, ehe und bevor ich wegreiste, sollte ich einen halben Thaler zum Zoll für meine Person im Zollhause geben, so ich auch habe thun müssen. Auf dieses bin ich erlassen und am Dienstag den 6. August 1678 wieder zu Dannenberg angelangt. Den Bericht über diese Erlebnisse hat Levin Salomon unterzeichnet und zwar, „weil er nicht deutsch kann schreiben, so hat er seinen Namen auf Hebräisch geschrieben." Die Thatsachen sind verwunderlich genug, indessen läßt der Bericht, der nach der Erzählung Levin Salomons vermuthlich von einem Rechtskundigen abgefaßt ist, Manches zwischen den Zeilen lesen. Dömitz lag an der Elbe, hart am Lüneburgischen Gebiete, und das Benehmen Salomons mochte den Verdacht erregen, mit Hülfe der vom Rittmeister Weißell zurückgelassenen Ordonnanzritter heimliche Werbung treiben zu wollen. Daher mochten anderseits die Mecklenburger gern die Ringgeschichte zum Vorwand nehmen, um an dem Juden den Groll auszulaffen, den sie höher Gestellten zu zeigen keine genügende Veranlassung fanden. Vor uns liegt immer nur die Darstellung des Mißhandelten. Auch das verdient Beachtung, daß Levin Salomon den eigentlichen Proceß in Hamburg anzuhängen Willens ist, indessen seine Leidensgeschichte als Anhang zu seinem Gesuche um die Gerechtsame des Tabakshandels auch der Lüne-

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