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Der Israelit · 1864-09-21 · Heft 38 (21.9.1864) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Beilage zu Nr. 38 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzeu. Deutschland. Mainz, 16. Sept. Im Jahre 1817 hielt zu Mainz der jüdische Lehrer vr. Michael Creizenach, der später in Frankfurt a. M. an der Philantropin wir kte, eine kleine Schule. In dem Haus, unfern der Synagoge, wo er wohnte, erschienen den Winter über in früher Morgenzeit drei angehende katholische Geistliche, junge Seminaristen in langen schwarzen Röcken, die bei dem gelehrten Israeliten Unterricht in der hebräischen Sprache nahmen; in den späteren Tagesstunden fanden weder sie noch der vielbeschäftigte Schulmann die nöthige freie Zeit. Die drei jungen Männer hießen Ras, Weiß und Griffel; der eine ist gegenwärtig Bischof in Straßburg, der andere in Speyer, der dritte war der kürzlich verstorbene Kardinal und Erzbischof von Köln. (Mainzer Anz.) Schweiz. Genf. Bei der Leichenfeier Lassalle's in Genf hat sich ein eigenthümlicher Zwischenfall zugetragen. Laffalle war als Jude gestorben, und hatten daher seine Freunde zu der Feier einen Rabbiner herangezogen. Die katholisch gewordene Schwester Lassalle's hat hiergegen opponirt, worauf der Rabbiner sich mit den Worten zurückzog: „Wir mischen uns nicht in Familiensachen und Haschen weder nach einer Seele, noch nach einem Körper; es ist mir daher völlig gleich, ob der Verstorbene auf einem jüdischen oder auf einem anderen Kirchhofe begraben wird." (F. I.) Lassalle ist unterdeß auf dem jüdischen Friedhofe seiner Vaterstadt Breslau beigesetzt worden. Palästina. Jerusalem. Jerusalem, sagt der britische Consul in seinem Jahresbericht an das auswärtige Amt, ist die am wenigsten commercielle und industrielle Stadt, welche ich kenne. Der britische Handel ist einzig durch einen englischen Handelsmann vertreten, welcher einen Laden mit Tapezierwaaren hält. Die Einwohnerzahl beläuft sich auf mehr als 15000, von denen die Hälfte Juden, die übrigen Muhamedaner und Christen find. Der Hauptindustriezweig der Christen in Jerusalem besteht in Anfertigung von Heiligenbilden, die an die Pilger verkauft werden. Die Bevölkerung der ganzen Provinz beläuft sich auf 200000, von denen 160000 Muhamedaner sind. In Ermangelung guter Landstraßen und durch die Räubereien der Beduinen, welche jedoch leicht im Zaume gehalten werden könnten, liegen große und fruchtbare Ebenen öde oder sind nur theilweise und ärmlich bebaut. Wiewohl man vermuthet, daß der Boden an dm Ufern des todten Meeres Schwefel, Erdpech und Steinsalz enthält, werden doch keine Minen angelegt. Die Haupteinfnhr besteht in baumwollenen Maaren, die sich jedoch seit der Baumwollenkrisis bedeutend vermindert hat; jährlich kamen 300 Ballen im Werthe von 16000 L. hier an. Die Ausfuhr besteht in Olivenöl und Getreide. Sehr wenig geschieht im Anbau von Baumwolle, welche hier nur in geringer Qualität gedeiht und an Ort und Stelle verbraucht wird; aber man glaubt, daß es möglich wäre, daß bei rationeller Bebauung des Bodms die Baumwollcultur in manchen Gegenden zu einer gedeihlichen Entwickelung komme. Jaffa ist der Hafen, durch welchen Jerusalem mit auswärtigen Ländern in Verbindung tritt. Jaffa's Handel ist seit 1863 bedeutend im Zunehmen. Gegenwärtig wird eine Telegraphenlinie von Jaffa bis Beyrut gezogen, die brs Alexandrien ausgedehnt werden soll. Amerika. New-Bork. Das Schiff „Adriatique", das seinen Cours hierhernahm, wurde durch den südstaatlichen Corsaren „Talahaffee" genommen. Unter den Passagieren befanden sich über 60 Israeliten, welche im elendsten Zustande ohne Geld, Kleider und ohne Freunde im fremden Lande hier ankamen, denn der Corsar hatte ihnen nur das nackte Leben gelaffen. Den Israeliten erging es noch bester als den übrigen Paffagieren, da ihre mitleidigen Glaubensgenoffen sich ihrer annahmen. (Jewish Meff.) In New-Bork wurde unlängst die neuerbaute Synagoge (?) der Gemeinde Ahabat-Chessed eingeweiht. Diese Gemeinde huldigt der Reform, hat in der Synagoge eine Orgel aufstellen und statt der in allen Synagogen gebräuchlichen Sitze die sogenannten Kirchenstnhle, welche die Familien gemeinsam besuchen, einrichten lassen, so daß sich Männer und Frauen re. nicht allein in einem Raume, sondern gemischt auf einer Bank befinden, vr. Adler (ehemals zu Alzey im Großh. Hessen), welcher die Festrede hielt, ermahnte die Gemeinde, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben, sondern in consequenter Weise weiter zu reformiren. — Der zu Cincinnati erscheinende „Jsraelite," das Organ des durch die amerikanische Get-Geschichte berüchtigten Wise, welcher über diese Einweihung berichtet, wundert sich höchlich darüber, daß die orthodoxen Rabbinen und Vorsänger Raphall, Jsaacs,

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