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Der Israelit · 1864-09-21 · Heft 38 (21.9.1864) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 38 (21.9.1864)
Date
1864-09-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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508 Anspruch nimmt. Wir vertrauen den edeln Herzen unserer Glaubensgenossen und hoffen, daß unser Aufruf verstanden und mit Wohlwollen ausgenommen wird. Sobald eine gewisse Anzahl von Theilnehmern sich gefunden haben wird, werden wir zur definitiven Organisation des Werkes schreiten. Gott wird unsere Anstrengungen segnen und wird uns gestatten, den Zweck zu erreichen, welchen wir erstreben, nämlich die Neubelebung des Zustandes unserer Brüder aus dem Boden, der einst unter der arbeitsamen Hand unserer Väter blühte, und dessen Ruinen noch heute den alten Ruhm Israels, seine Kämpfe und seine Leiden bezeugen." Viele Exemplare dieses Ausrufs nebst Begleitungsschreiben wurden an die Oberrabb. von Frankreich gesandt, damit diese und die Localrabb. Localcomitäs zu dem beregten Zwecke bilden. — Es wäre wünschenswerth, daß sich das Pariser Somit« mit dem zu Amsterdam in Verbindung setze, damit ein gemeinsames Vorgehen die allen Juden gleich heilige Angelegenheit um so bedeutender fördere. Preußen. Königsberg, 8. Sept. Die bisher hier völlig unbekannte Cultus-Resorm soll doch endlich an den bevorstehenden hohen Festtagen durch den — Rabbiner Herrn Jolowicz, wie er sich jetzt plötzlich wieder nennt, gegen Entr6 von einem Thaler im Saale der deutschen Ressource, wo man sonst nur zum Tanze ausspielt, gleichsam der Probe halber bei uns zur Erscheinung kommen. Das Präludium dazu spielte schon am vorigen Sonnabend, wo man in der Hartung'schen Zeitung folgende etwas mysteriöse Anzeige las: „Die Mitglieder hiesiger Synagogen - Gemeinde, welche eine Regelung und Hebung des öffentlichen Gottesdienstes an den hohen Festtagen wünschen, werden eingeladen, zur Besprechung und Beschlußfassung hierüber sich heute Abend, präcis 8 Uhr, im Saale der Jubiläumhalle etnzufinden." Wir waren neugierig zu wissen, wer wohl neben dem Synagogenvorstande sich das Recht vindicirt zu derartigen Einladungen in ein — Bierlocal? Und siehe da, es sollen — wir selbst waren nicht zugegen — 11, schreibe elf Mitglieder mit Herrn Jolowicz an der Spitze sich wirklich in der Halle eingefunden haben, die denn auch den neumodischen Gottesdienst, wenn anders die nöthige Theilnahme vorhanden ist, in jenem Tanzsaale improvisiren werden. Nun wir werden ja sehen. Warum sollte sich auch an den hohen Festtagen, wo Jeder sich wenigstens einmal mit seinem Gotte abfinden will, keine Theilnahme für dergleichen wohlfeile Erbauungen ü l Thlr. zeigen? Gewöhnliche Theaterbillets — si msAva U««t «ovrxonere parvls — sind ja, für drei Tage gültig, bei weitem theurer. — Derselbe große Reformator, Herr I., will übrigens auch auf der hiesigen Königl. Bibliothek ein Stück Palimpsest mit handschriftlichem Raschi- Commentar über einige Kapitel der Bücher Daniel und Esra, angeblich aus dem 12. Jahrhundert, aufestöbert haben, das er zum 70jährigen Geburtstage es I)r. L. Zunz photographisch vervielfältigen ließ. Wir haben das Ding angeschaut und sind, aufrichtig gesagt, nicht ganz klug daraus geworden. Der Jubilar selbst nennt das ihm geweihte Raschi - Fragment „unbedeutend". — Der frühere Student der Albertina, L. Silbermann aus Lyck (einziger Sohn des Herausgebers des „Hamagid"), der hier zum juristischen Doktorexamen nicht zugelassen wurde, weil die bestehenden Universitälsstatuten an dasselbe die Bedingung des christlichen Bekenntnisses knüpfen, ist kürzlich als promovirter vootor jur. ntr. (nicht rc. wie die Zeitungen letzteres Wort verstümmelten) aus Greifswald zurückgekehrt, wo er das Examen mit großem Lobe (wÄAlla «um laust«) bestanden hat. Was also in der einen Provinz Preußens unmöglich ist, kommt in einer anderen — in Pommern — leicht zur Ausführung. Auch ein Zeichen der Zeit! - Vor etwa einem halben Jahre wurden in Wilna 50 Exemplare der hier bei Ferd. Boger erschienenen Schrift: „Der Christenspiegel" von Or. M. Freystadl (3. Auf« läge) confiscirt, und zwar beanstandete der dortige Sensor vornehmlich eine Stelle auf S. 37, welche von den Zuständen Rußlands handelt. Es war deshalb ein Exemplar jener Broschüre zur Begutachtung nach Petersburg übersandt worden. Jetzt erhalten wir aus Wilna die zuverlässige Nachricht, daß die russische Obercensurbehörde nichts gegen die Schrift einzuwenden fand und dieselbe wieder freigegeben hat. — Mit der Anstellung eines hiesigen Geistlichen ist es noch weit im Felde. Es wollen sich noch immer nicht die rechten Candidaten finden, und so wird es denn noch lange beim Jnterimisticum hleiben. In unserer Nachbarstadt Danzig, die ich als meinen Geburtsort unlängst besuchte, sieht es leider noch schlimmer ans. Da ist kein Rabbiner, kein Prediger, kein Religionslehrer. Und doch zählt die Stadt an 5000 Seelen bei fünf selbstständigen Gemeinden. Diese find außerdem die einzigen im preußischen Staat, die sich nicht nach dem Gesetze vom 33. Juli 184/ constrtuirt haben. Sie befinden sich geradezu noch auf patriarchalischem Boden. — Die Gesellschaft zur „Erweckung der Schlummernden" ('L'p2?>->?»"! d. h. zur Herausgabe alter hebräischer Handschriften und seltener Ausgaben, an deren Spitze auch Luzatto in Padua. Adler in London und Alb. Cohn in Paris stehen, läßt für ihren ersten Jahrgang hier zwei Schriften drucken: den „Divan" von Juda Halewi und zwei Buchstaben eines Reallexicons (pNL' mp). Die andern Werke, glaube ich, kommen in Lyck in Ostpreußen heraus. M. Almoni. Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehman». -- Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Damps.S^nellvreffendruck von I. GotkSlcben in Mainz.

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