Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447179--02887-2458252- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
507 °71^2 'L)P2,^2^ '2!2«.1 IPM'1 ^-rs^i p-r^,m22bl '2üb,1SV2 — lrnvwvbi p^2rb, b-r-,V' '^2 rniiv Der Ertrag ist für die Kaffe der Armen bestimmt. P. A. Mainz, den 14. Sept. Herr Joseph Blumenthal aus Paris, welcher sich eine Zeit lang im heil. Lande aufgehalten hat, ist nach Europa zurückgekehrt und hat in Paris ein Comite zur Unterstützung der Israeliten in Palästina gegründet, welches aus den Herren S. Ullmann, Oberrabb. des Central- Consistoriums, I. Isidor, Oberrabb. von Paris, S. Munk, Albert Cohn, Alex. Lazare, Blumenthal, Michel Erlanger besteht. Dieses hat folgende Ansprache erlaffen: „Die authentischen Berichte, welche uns über die beklagenswerthe Lage unserer Brüder im heil. Lande und namentlich derjenigen von Jerusalem und Chebron zukommen, legen uns die Verpflichtung auf, uns an das Mitleid unserer Glaubensgenoffen zu wenden, um Mittel zur Linderung so großen Leides und so grenzenlosen Elendes herbeizuschaffen. Seit langer Zeit ist das Mitleid das einzige Band, welches uns mit dem Lande unserer Vorfahren verbindet. Die Theilnahme der Israeliten für das heil. Land hat sich stets in Unterstützungen bewiesen, die unsern Brüdern in Palästina zugesandt wurden. Mehrere Unterzeichner dieses Aufrufes haben jedoch wiederholt das heil. Land besucht und kennen aus eigener Anschauung das Elend dieser Tausende von Armen, die sich ohne Nahrung, ohne Kleidung, ja manchmal ohne Wohnung befinden. Greise, Wittwen und Waisen, ohne Stütze, ohne Schutz, ohne jegliche Existenzmittel werfen sich begierig auf das Stück Brod, das eine mitleidige Hand ihnen reicht, was jedoch nur selten und immer in ungenügendem Maaße geschieht. Nicht minder wird das Mitleid erregt von jenen jungen kräftigen, intelligenten Männern, welche die Arbeit lieben, aber nur schwer Beschäftigung finden, und welche trotz des besten Willens zu einein traurigen Müßiggänge verurtheilt sind, oder zu einer schlecht belohnten Arbeit in einem Lande, wo es weder Handel, Industrie, noch Ackerbau gibt, wo keins der Elemente existirt, welche den Wohlstand cioilisirter Nationen bilden. Noch schmerzlicher wird diese Erscheinung durch den Contrast, welcher die Hage unserer Brüder, verglichen mit derjenigen der andern Einwohner des heil. Landes, die den verschiedensten Nationalitäten angehören, bildet; denn alle Staaten der civilisirten Well sind eifersüchtig darauf, daß chre Nationen in der Hauptstadt Jerusalem würdig verteten sind, nur die Israeliten, welche so viele glorreiche Erinnerungen an diese alte Stadt fesseln, leben dort in einem beschämenden Zustande, aus Mangel an ausreichender Unterstützung, und diese können ihnen allein ihre Brüder, die in den andern Ländern leben, gewähren. ES ist wahr, seit einigen Jahren haben einige edle europäische Familien Jerusalem mit milden Stiftungen bedacht; aber die Werke der Privatmildthätigkeit, so werthvoll sie unsern unglücklichen Brüdern auch find, entsprechen doch bei Weitem nicht der Ziffer einer Bevölkerung, deren Bedürfnisse so zahlreich und so mannigfaltig sind. Durch die Entwickelung der bestehenden Institutionen und durch die Schöpfung Anderer, wie sie die Bedürfnisse erheischen, wird man dahin gelangm, daß der isr. Name in einer Stadt geachtet wird, wo Alles in uns die erhebendsten Erinnerungen Hervorrust. Indem wir diese Thatsachen bezeichnen, leben wir der festen Ueberzeugung, daß unsere Worte in jedem jüdischen Herzen Anklang finden und den Wunsch erwecken werden, mitzuarbeiten au der Linderung so vieler Uebel. In diesem Vertrauen verkünden wir unsern Plan, eine Vereinigung zu gründen, welche unter dem Namen: „„Gesellschaft zum Schutze der isr. Interessen im heil. Lande,"" sich die Aufgabe stellen wird, die materielle und sittliche Lage unserer Brüder in Palästina zu verbessern, sie aus dem Zustande der Niedrigkeit, in welchem sie zu großes Elend gefesselt hält, herauszureißen und sie stufenweise zu einer gesellschaftlichen Stellung heranzubilden, die keine geringere sei, als die der übrigen Nationalitäten. Der Fond des Vereins wird durch einen Beitrag gebildet werden, welchen jedes Mitglied jährlich zu zahlen sich verpflichtet, und durch freiwillige Gaben und Geschenke, die bei verschiedenen Gelegenheiten gesammelt werden. Wir verlangen nicht, daß jeder Beitragende viel unterzeichne; wir rechnen aber auf eine große Menge von Beitragenden. Damit Jeder unser Werk beurtheilen kann, stellen wir den dreifachen Zweck dar, den zu erreichen wir uns vorgenommen haben: 1) durch gleichmäßig zu verteilende Unterstützung das Elend unserer im heil. Lande wohnenden Brüder zu mildern; 2) den Bau von Armenhäusern zu unterstützen; 3) mit in andern Ländern errichteten Comites zur Schöpfung nützlicher Institutionen und zur Entwickelung der bereits bestehenden beizutragen. Um die gute Verwendung bei Vertheilung der Gelder zu sichern, wird dys Comitä sich mit intelligenten und berufstreuen Personen, die im heil. Lande selbst wohnen, und deren Charakter und Stellung die wünschenswerten Garantien bieten, in Verbindung setzen. Das Comits verpflichtet sich darüber zu machen, daß die Verteilungen mit Gerechtigkeit und Unparteilichkeit geschehen. Alle zwei Jahre wird Rechnungsablage veröffentlicht werden. Es handelt sich hier um eine heilige Sache, die ebenso die Humanität, wie die Ehre der Israeliten in