Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1864)
- Date
- 1864-09-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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503 nigen Tugenden, welche das Judenthum am Meisten empfiehlt, die einzige, mit welcher die heilige Schrift Moses, den Gesandten Gottes, rühmt. Man kann die israelitischen Vorschriften, welche die Sittlichkeit, die Strenge und Heiligkeit der Sitten zu allen Zeiten, insgeheim und öffentlich, bei Tag und bei Nacht, in allen Lagen und Zuständen des Lebens, nach Tausenden zählen; dazu kommen dieNathschläge unserer Weisen, uns von der Versuchung und von der Sünde zu entfernen und uns zu begeistern für tugendhafte Werke und heilige Gedanken. Wie die zärtlichste Mutter wacht die Religion Israels über ihre Krnder, über jeden ihrer Schritte und jedes ihrer Worte, läßt sie nicht einen Augenblick aus den Augen, um sie zu bewahren vor jeder Gefahr, vor jedem Unglück, vor jeder Verirrung, vor Sturz und Tod. Die Trunkenheit ist uns verboten, als eine Entwürdigung des Menschen (Erubin 65). Der Zorn ist uns untersagt, als ein geistiger Verfall. „Wer sich dem Zorn hingibt, verliert, wenn er ein Weiser ist, seine Weisheit, wenn er ein Prophet ist, die Prophetie" (Pesachim 66). „Wer im Zorn seine Kleider zerreißt oder Gefäße zerbricht, gleicht dem Götzendiener" (Schabbat 105 k.) „Im Zorn achtet der Mensch sogar Gott nicht" (Nedarim 22 k). — Der Stolz und der Ehrgeiz sind Fehler, welche unsere Weisen als eine Verleugnung Gottes darstellen, denn so heißt es riliDVi 1228 222, wenn dein Herz sich überhebt, so wirst du vergessen den Ewigen, deinen Gott. Selbst der König darf sich nicht mehr dünken, als andere Menschen'i'nrw 122V 212 'r^2d (5. B. M. Cap. 17, V. 19). In einer Gesellschaft, die einen gemeinschaftlichen Vater und einen gemeinschaftlichen Ursprung hat, unter Wesen, welche dieselben Schwächen, dieselben Bedürfnisse, dieselben Unvollkommenheiten haben, ist der Stolz ein Vergehen gegen die Gerechtigkeit, gem n die Vernunft, gegen das heilige Band, das die große menschliche Familie eint. Die Bescheidenheit ist das mächtigste Schutzmittel gegen die Sünde XI31I2 M.2 1225122 V"2222 d2. — Auch der Leichtsinn wird von unserer Religion als ein gefährliches Laster verurtheilt. „Frivolität und Leichtsinn gewöhnen den Menschen an Schamlosigkeit." — Vor Allem ist die Keuschheit, die Beherrschung der Sinne, der Gegenstand der lebhaftesten Sorgfalt des Judenthums. Israel hat in dieser Beziehung Belehrungen und Ermahnungen, wie kein anderes Volk, empfangen. Das Bild der Verführung, welches Salomo gezeichnet hat (Mischle Cap. 7), ist unerreicht geblieben Die Unreinheit der Sinne, dieVerderbniß der Sitten ist die größte Schande in den Augen des Gottes unserer Väter, ein feiges Verlassen unserer göttlichen Fahne, ein schmachvolles Ablegen unserer Würde, das Unglück unseres Lebens, der Verlust des ewigen Heils, die Berdammniß unserer Nachkommen. Der Reinheit seiner Sitten verdankt Israel seine Erhebung, seine Widerstandskraft und seine Unsterblichkeit. Es ist, wie wenn Gott gesagt hätte: „Ich will ein dauerhaftes Volk bilden, welches nicht vernichtet werden kann durch die Nationen, welches vielmehr mächtig auf deren Existenz einwirkt. Gerade so, wie Ich inmitten dieses Volkes eine kostbare Bundeslade errichte, die Meine heilige Lehre aufbewahren soll, so werde Ich dieses Volk selbst zu einer Art Bundeslade machen — ein Schiff, geworfen, inmitten der Stürme der Völker; Ich werde Mich des dauerhaftesten Holzes bedienen, und mit Kraft alle Fugen verbinden. Die Stürme und die Unwetter werden es umher werfen können, werden es in den elendsten Zustand zu bringen vermögen; aber sie werden es niemals vernichten; es wird dauern, um die Schätze ihrer Bestimmung entgegen zu tragen, welche Ich seinen Flanken anvertraut habe." Alle, den: Vergnügen oder den Zerstreuungen gewidmeten Zusammenkünfte, die mit der Reinheit der Sitten unvereinbar oder für die Unschuld des Herzens gefährlich sind, verbietet das Judenthum aufs Strengste. „Heil dem Manne, der nie saß, wo Spötter sitzen" (Psalm 1). Keine Religion des Alterthums oder der Neuzeit hat so strenge Vorschriften über die Keuschheit, wie das israel. Religionsgesetz. „Möge der Bann denjenigen treffen, der einen unreinen Gedanken nährt" (Nidda 13 K). „Derjenige, welcher sich zu schamlosen Gedanken reizt, wird niemals Gott nahen dürfen" (daselbst). Man soll eher sterben, ehe man gewisse Gesetze der Keuschheit verletzt (Ketubot 19a, Sanhedrin 75 a). Die Verletzung der Heiligkeit der Sitten, welche die civilisirten Staaten in ihrem Schooße als ein trauriges, unvermeidliches und nothwendiges Uebereinkommen mit der Sünde dulden, würde in einem israelit. Staate nicht Statt haben können (5. B. M. C. 23, V. 18). Das geheimste Verbrechen wird eine öffentliche Strafe empfangen, sagen unsere Weisen (Abot C. 4, Z. 4). Ein sterbender Rabbi gab seinen Schülern die letzte Lehre, indem er sprach : „Fürchtet Gott nicht weniger, als die Menschen" (Berachot 2ü K). Gott befiehlt: „Vor einem grauen Haupte sollst du aufstehen und sollst ehren das Antlitz des Erfahrenen" (3. B. M. C. 19, V. 32). Möge ein Jeder von uns so leben, daß die Erfüllung dieses Gesetzes allen Menschen leicht werde und Allen heilig bleibe? Literarisches. Von?ü. 8elil68inxer, Rabbiner. Moor (Ungarn), im Ellul. Vor Kurzem ist mir das Julihest der Zeitschrift Jeschurun, 6. Jahrg., zu Ge