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Der Israelit · 1864-09-14 · Heft 37 (14.9.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 37 (14.9.1864)
Date
1864-09-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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496 schuldigte sich und sagte, ich möchte ihm doch einen Dukaten oder wenigstens einen Thaler leihen, was ich ihm aber abschlug. So bin ich wieder eingeschlafen, der Diener aber ist noch mehrmals gekommen und hat meine Tasche visitirt. Die Nacht über bis an den Morgen bin ich auf der Bank liegen geblieben; wie ich nun zu der Zeit erwachte und aufstand, langte ich in meine Ficken um nach dem Ringe zu sehen: da war nicht allein der Ring weg, sondern auch ein churbrandenburgisch Markstück von 8 ggr. Als ich nun Angezogenes vermißte, habe ich mich sofort zu dem Herrn Lieutenant Bock verfügt und selbigem meinen Verlust wie das Benehmen seines Dieners erzählt, bittend, der Herr Lieutenant wolle mir einen Rath geben, daß man davon ein wenig Nachricht erlangen möchte, und daneben den großgünstigen Gefallen erweisen, sich in etwas darnach zu erkundigen. Ich wäre Willens, nicht zu klagen, sondern nur um Rath zu fragen, und wenn er mir den Ring wieder könnte zu Händen bringen, so wollte ich ihm einen guten Recompens verehren. Wie ich solches gesagt, bin ich darauf weggegangen. Kurz, wie er ist aufgestanden, ist er darauf zu mir in mein Quartier gekommen, hat mich gar stark angegriffen, sagend: Jude, du sollst mit mir nach dem General-Major gehen! Ich aber entschuldigte mich und sagte, ich hätte allda nichts zu thun, endlich aber habe ich mit ihm gehen müssen. Als wir nun beide dort angelangt, verklagte der Lieutenant mich bei demselben: ich hätte seinen Diener vor einen Dieb angesprochen, solches wolle er bewiesen haben. Der Herr General-Major hat mich darauf scharf examinirt und nach der Sache Inhalt befragt. Ich habe zur Antwort gegeben: Ew. Excellenz, ich hab's nicht so gemeint, sondern dem Herrn Lieutenant meine Noth hinterbracht und ihn um Rath gefragt; und sagte weiter: daß sein Diener, nämlich des Lieutenants, etlichen!ale bei meiner Ficken gewesen, darin gegriffen, daß ich davon erwacht und seine Hand in meiner Tasche oder Ficken ertappt, das ist wahr. Und daß mir der Ring nebst dem churbrandenburgischen Markstücke von 8 ggr. aus meiner Ficken ist weggekommen, das ist auch wahr — aber ich will nicht darüber klagen, sondern nur um Rath fragen. Und so Ew. Excellenz mir wieder zu dem Ringe verhelfen könnten, wie ich denn fleißig darum bitte, so will ich's schon wieder zu ersetzen wissen. Darauf der Herr General-Major gesagt: Jude, die Sache sollst du beweisen, daß des Lieutenants Diener dir den Ring und das Markstück gestohlen hat, und du greifst nicht den Diener an, sondern seinen Herrn, den Cavalier, und zudem nicht allein diesen, sondern du schändest mich mit meiner ganzen Garnison; daraus ist zu spüren oder zu präsumiren, daß du solches mit dem Lieutenant wollest, unterstecken; also präsentire ich dir, Jude, für^s Erste den Arrest an, den sollst du in deinem Quartier halten, darauf soll der Bauschreiber kommen und dich mitsamml des Lieutenants Diener abhören! Hierauf habe ich zur Antwort gegeben: Ew. Excellenz, ich klage nicht, ich frage nur um Rath, und so wollen Sie sich doch an mir nicht vergreifen, sintemalen ich in Furftl. Lüneburgischem Schutze bin und in dero Diensten verschickt werden sollte, und hier ist mein Paß! Er aber, der Herr General-Major, hat den Paß nicht einmal ansehen, viel weniger respektiren wollen und gesagt: Ich habe dich allhier unter meinen Händen, und du mußt wir wohl stehen und halten! Auf meine Erwiderung: Ich wollte solches an den Herrn Oberhauptmann nach Dannenberg, wie auch an den Herrn Rittmeister Weißell schreiben, wie mir allhier widerfahren, hat der Herr General-Major ein solches mir ganz und gar nicht concediren und ferner keine Audienz in der Sache mehr geben wollen. Auf dieses ist um Mittag auf den Rathskeller zu Dömitz der Bauschreiber mit etlichen Offizieren gekommen, sich gerichtlich niedergesetzt und mich dazu bringen wollen, daß ich sollte sagen, der Diener hätte mir den Ring gestohlen. Wie ich aber bei meinen ersten Worten blieb, daß ich nur um Rath fragen wollte, haben sie mich mit Worten viel ärger traktirt als einen Schelm und Dieb, und habe ich mich darauf wiederum zu meinem Quartier verfügen und ferner in Arrest bleiben müssen. Nach einem abermaligen Verhör ist vorher des Lieutenant Bock Diener in mein Quartier gekommen, hat etlichemale in meiner Stube sich eingefunden und allezeit gesagt, ich sollte ihm beweisen, daß er mir den Ring gestohlen hätte, hat auch daneben allerlei schmähliche Wörter gegen mich fallen lassen. Als aber das Verhör gehalten und ich wieder in mein Quartier und die Stube gekommen war, ist der Ring zwischen dem Tisch und der Bank an der Erde gelegen, da doch oft und vielmals in der Stube hin und wider gesucht worden, aber nichts zu ersehen gewesen. Kurz darauf ist des Herzogs Friedrich von Mecklenburg aus Grabow Secretarius angelangt, zu dem ich durch drei Soldaten mit brennenden Lunten hingeführt wurde und der mich wegen des Ringes inquiriren sollte. Da er mich mit nach Grabow nehmen wollte, ward von dem Herrn General-Major dahin mitzureisen mir nicht gestattet, sondern ich ward gegen Abend auf die Festung geführt und in des Wachtmeister Lieutenants Behausung ferner in Arrest gelegt. Ich habe den Wachtmeister Lieutenant gebeten, den Ring dem Herrn General-Major einzuhändigen, welcher ohne Zweifel denselben würde an seinen Ort senden, und er möchte gleich mit dahin sehen, daß die Sache verglichen und ich wiederum losgegeben werden könnte. Der Wachtmeister Lieutenant versprach mir:

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