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Der Israelit · 1864-09-14 · Heft 37 (14.9.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 37 (14.9.1864)
Date
1864-09-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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4S5 hätte verwerthen könnm; aber er sollte alle Tage, also auch am Sabbat, arbeiten. Deßhalb nahm er sie nicht an und sprach die schotten Worte: „„Ich biete Ihnen meine Nächte an; ich scheue keine Arbeit und keine Ermüdung; aber das ist ein Tag, den ich Ihnen nicht geben kann, er gehört nicht mir, er gehört Gott"". Und um seinem religiösen Glauben zu genügen, nahm er diese Stellung, die für ihn ein Glück gewesen wäre, nicht an." — (Univ. isr.) Aus dem Lager von Chulons erhalten die „Arch. isr." folgende Correspondenz: „Eine Katastrophe erregte im Lager bei Chälons Trauer und Bestürzung im Augenblicke, als Jedermann dem Vergnügen sich hiugab. Sonntag, den 21. August, Abends um 4 Uhr, jagte während des Wettrennens im Lager an dem Hauptmann Geißenberger von der 4. Eskadron des Train, der selbst nicht Theil genommen hatte am Wettrennen, als er im vollen Galopp dahin sprengte, ein Unteroffizier der Artillerie vorüber, der von einer andern Richtung kam. Die beiden Pferde stießen auf einander, und der Stoß war so heftig, daß Reiter und Pferde auf den Boden rollten; das Pferd des Hauptmanns fiel auf ihn, und er wurde an der Schläfe vom Sattelknopf getroffen. Er wurde sogleich aufgehoben und bewußtlos ins Spital gebracht, wo er trotz der energischsten Hilfe und Pflege Montag Morgens um 6'Uhr seinen Geist aufgab. Das Kriegsgesetz will, daß der Oberstabsarzt den Leichnam selbst secire und die Wunden untersuche, welche den Tod herbeigeführt haben, um dem Minister Bericht abstatten zu können. Allein die Herren Compertz. Lieutenant im 6. Hmarenregimente, und Herr Rodrigues, Adjutant der Verwaltung, dem Feldspitale beigegeben, Lhaten, bewogen von einem religiösen Gefühle und um ihrem Glaubensgenoffen diese Zerstückelung zu ersparen, die nöthigen Schritte und erhielten vom Oberbefehlshaber Marschall Herzog von Magenta die Dispensation von dieser Förmlichkeit. Auf den Befehl des Herrn Marschalls wurde der Leichnam diesen zwei tapferen Offizieren überlasten, welche bei diesem Anlaß den israelitischen^Cultus repräsentirten. Hierauf erwirkten sie von dem Maire von Mourmelon, einem dem Lager benachbarten Dorfe, einen Platz auf dem für Israeliten bestimmten Theile des Friedhofs, um ihren Glaubensgenossen dort zu beerdigen. Sobald sie im Besitze des Leichnams waren, ließen sie ihn nach unserm Ritus auf die Erde auf Stroh legen, und zwei Israel. Soldaten hielten Wache dabei; der Zufall wollte, daß der Eine von diesen aus Weißenburg, der Geburtsstadt des Unglücklichen, war. Auf das Verlangen der beiden Herren Offiziere begab sich Montag der Rabbiner von CHLlons, Herr Alexander, insLager, und so konnte er selbst die religiösen Gebräuche leiten, welche der Beerdigung voranqehen, die von der Militärbehörde auf Dienstag Nachmittag um 3 Uhr bestimmt wurde. Um 2 Uhr kamen die Israeliten von Mourmelon und begännet die Reinigung. Um 3 Uhr setzte sich der Leichenzug in Bewegung, den vier Trompeter eröffneten. Die vier Ecken des Leichentuchs wurden getragen von vier Hauptleuten der verschiedenen Waffengattungen, und man hatte auf dieses Tuch den Degen und die Dekorationen des Verschiedenen gelegt. Dem Sarge folgten der Rabbiner, zu seinen Seiten ein Bruder und ein Neffe des Verstorbenen, dann der General GuigNard und der Intendant Uhrich, dann die Deputationen aus allen Abtheilungen, welche das Lager bezogen haben. Trotz des fortwährenden Regens war der Andrang groß. Die militärischen Ehren wurden ihm erwiesen von seiner Compagnie, die ein Hauptmann und zwei Offiziere commandirten. Zuletzt reihte sich die Menge an, und so kam man an das Grab, wo der Rabbiner die üblichen Gebete verrichtete. Thränen sah man in vielen Gesichtern der von der Hitze Afrika's gebräunten Soldaten. Diesem Gebete folgte eine Predigt des Rabbiners, in welcher er die Verdienste des Verstorbenen rühmte, weßhalb er auch solcher Achtung und Liebe sich erfreut habe. Geißenberger zählte 47 Lebens- und 26 Dienstjahre, von denen er 12 in Afrika zugebracht hatte. Er hatte auch die Feldzüge in der Krim und in Italien mitgemacht. Er war Ritter der Ehrenlegion und des Medjidis-Ordens und hatte die Medaillen der Feldzüge, die er mitgemacht. Die Armee verlor an ihm einen tapferen Offizier; die Offiziere seiner Abtheilung einen von Allen geliebten Kameraden, und unsere Religion einen ihrer feurigsten Bekenner, der nie vergaß, daß er Israelit sei; denn man konnte in seinem Zimmer und in seinem Zelte immer den Tephiüinbeutel bei seinen Waffen und Dekorationen hängen sehen. England. London. Das „Jew. Chron." enthält einige interessante Notizen über einen englischen Lord, welcher am Ende des vorigen Jahrhunderts zum Judenthum überging. Lord George Gordon wurde zum ersten Male in der Hamburger Synagoge zu London zur Thora gerufen, bei welcher Gelegenheit er dieser Synagoge 100 Pfund (1200 fl.) gelobte. Später schrieb er ein Buch gegen die Königin Marie Antoinette von Frankreich, in Folge dessen er verurtheilt und in Newgate eingekerkert wurde. Selbst im Gefängnisse beobachtete er sorgfältig die jüdischen Gesetze; jeden Morgen legte er die Tephillin um Arm und Stirn, jeden Sabbat ließ er zehn polnische Juden zu sich

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