Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 37 (14.9.1864)
- Date
- 1864-09-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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494 verstand gegen die Domwilirung von Juden durch - diejenigen Gemeinden erfolgen würde, in denen vor Erscheine» jener Gesetze kein Jsraelile sich »iederlassen konnte. Diese Befürchtung ist nicht eingetreten, und es ist erfreulich zu berichten, daß die Juden überall in den Gemeinden bei ihrer Niederlassung nicht auf Widerstand stoßen. Es zeigt sich dabei, daß die Israeliten die Landgemeinden verlaßen und in Stadtgemeinden einwandern. Baden zählt über 25,000 Juden. Mainz, den 8. Sept. Am 2., 3. und 4. d. M. feierte die isr. Religionsgesellschaft hier das Fest der Einweihung einer neuen Thorarolle, welche der Verein hatte schreiben laßen. Freitag, den 2. Sept., war zur Vorfeier im Lokale des hiesigen Krankenvereins, welches zu diesem Zweck auf das Wundervollste mit Blumen geschmückt war, die Thorarolle in einer prachtvollen eigens zu diesem Zwecke hergerichteten Halle dem Publikum zur Ansicht dargeboten, für deßen Bewirthung der Verein Liviat Chen in splendidester Weise gesorgt hatte. Der Herausgeber dieser Blätter hielt die Festrede. Der geräumige Saal konnte die herzuströmende Menge nicht faßen, und so wogte es denn ab und zu bis nahe an Mitternacht. Samstag, den 3. Sept., wurde in feierlichem Festzuge, an welchem sich die Schüler und Schülerinnen der Unterrichtsanftalt der isr. Religionsgesellschaft betheiligten, die Thorarolle in die Synagoge getragen, in deren Vorhof die ältesten Mitglieder mit den andern Thorarollen im Arme dieselbe empfingen. Nachdem die am Simchat Thora üblichen Hakaphot um die Bimah vollzogen worden waren, wurde die Sidra Schophtim aus der neuen Thorarolle verlesen. Dieselbe ist vom hiesigen Herrn Heimann mit großer Sorgfalt und Eleganz geschrieben. Beim Aufrufe zur Thora wurden reichliche Spenden zu wohlthätigen Zwecken gelobt. Die Synagoge war buchstäblich überfüllt. Der Herausgeber dieser Blätter hielt wiederum die Festpredigt. Sonntag Nachmittags versammelten sich die Mitglieder des Vereins Leviat Chen zu einem Festessen, welches sichtlich das Gepräge einer trug und die Teilnehmer in der angeregtesten Stimmung bis nach Mitternacht vereinigte. Belehrende sowohl als launige Vorträge wurden vielfach gehalten, und noch lange wird diese schöne Feier allen denen im Gedächtnisse bleiben, die ihr beizuwohnen das Glück hatten. Italien. Neapel. Die neue isr. Gemeinde constituirt sich nach und nach und wird zahlreich, trotz des Jndifferentismus einiger ihrer Mitglieder. In Erwägung ihres Anwachsens und ihrer allmählichen Vermehrung, sowie der großen Einwanderung von Römischen Israeliten, die hier sich aufhalten wollen, hat sich die Gemeinde verpflichtet gesehen, einen Vorsänger anzustellen, der gleichzeitig Schochet Und Mohel ist. Durch i den Eifer einiger religiöser Herren und die Initiative des Herrn Lattes ist ein Lokal zum Bethause gemiethet worden. Der Herr Baron A. von Rothschild, welcher sein Palais hier seit einigen Monaten bewohnt, hat eines Abends einige Israeliten eingeladen, bei ihm „Minjan" zu machen, um den Jahrestag seiner Mutter begehen zu können. Unter den Eingeladenen befand sich Herr Lattes, welcher dem Herrn Baron seinen Plan mittheilte, eine Gemeinde auf würdigen Grundlagen zu gründen. Der Letztere legte selbst Hand ans Werk, diesen Plan zu realisiren Es fanden sich noch viele Israeliten, die ein gleiches Ziel verfolgten, und so wurde eine prachtvolle Synagoge erbaut, welche am vergangenen Wochenfeste eingeweiht wurde. Zu dieser Feier fehlte weiter Nichts als ein beredter Prediger. Aber die Gemeinde hat sich schon längst mit dieser Angelegenheit beschäftigt. (Arch. isr.) Frankreich. Paris, im September. Durch kaiserl. Dekret * vom 12. August wurde der ehrwürdige Herr Oberrabbiner von Marseille, Michael David Cahn, zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. — Die franz. Akademie hat in ihrer jährlichen öffentlichen Sitzung eine lobende Erwähnung dem Herrn Rabbinowicz für seine hebr. Grammatik zuerkannt, welches Werk er bei dem Preisausschreiben des Herrn von Volney für Linguistik eingesandt hatte. — Im „Petit Journal" vom 29. Juli liest man: „Vorgestern begleitete ein ansehnlicher Leichenzug einen Mann zu seiner letzten Ruhestätte, dessen langes Leben an die alten Patriarchen erinnert, Herrn Sauphar. Dieser ausgezeichnete Hebräer und elegante Schriftsteller starb im Alter von 96 Jahren. Ec veröffentlichte ein Buch über die hebr. Theologie unter dem Namen „Gau raveh", in welchem er die Prineipien der Religion und die Ceremonien ihres Cultus auseinandersetzt und entwickelt. — Im Jahre 1852 richtete er an den Kaiser eine durch die Poesie des Stiles und die Erhabenheit der Gedanken bemerkenswerthe Ode: ,,8elnr Iskosar Napoleon basvbelisebl". Einige Strophen dieses Gedichtes wurden von Hermann Lesguillon in einem damals veröffentlichten Werke übersetzt und dem Druck übergeben. — Es gab eine Zeit, in welcher Sauphar die Armuth kannte, und er hat die Probe tapfer bestanden. Vor ungefähr 60 Jahren war ihm eine vortheilhafte Stellung angebotön worden, in welcher er seine orientalischen Kenntnisse