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Der Israelit · 1864-09-14 · Heft 37 (14.9.1864) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 37 (14.9.1864)
Date
1864-09-14
Page
– (sequence 2)
Language
German
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490 seine Jrrthümer nicht so plump sind, wje die eines Philippson und seines Eorrespondenteu Ws Speyer, und nur von einem gründlichen Wmudisten aufgedeckt werden können; ja manchmal erscheinen seine Beweisführungen recht schlagend und ganz dazu geeignet, den minder Erfahrenen zu blenden. Es ist daher ein höchst verdienstliches Werk, welches ein junger gelehrter Kaufmann, Herr Moses Waldberg aus Jassy, unternommen hat, all das Irrige, Böse und Trügerische in dem Werke des Herrn Pineles aufzudecken und unter dem Titel 1211 8'i -p 1111 vw*) ein ebenso gelehrtes wie gemeinnütziges Werk zu schreiben, das sich nicht darauf beschränkt, Herrn Pineles zu widerlegen, sonder auch unter der Rubrik '>^>2;i'v über diejenigen Halachot, von denen gerade die Rede ist, treffliche Dinge zu sagen. Das Buch des Herrn Pineles reiht sich an das Buch des Herrn Seminardirektors vr. Frankel „Darke Hamischnah", welches vor einigen Jahren so großes Aufsehen machte, an; wenn auch das letztere nicht offen gegen die mündliche Lehre auftritt, wenn es auch im Gegentheil d e Thanaim mit Lobeserhebungen überhäuft', so ist doch die Manier dieselbe; Herr P. fragt eine 8'i^p, und statt sich zu bemühen, den angeblichen Widerspruch zu lösen oder die vermeintliche Schwierigkeit zu heben, nimmt er davon Anlaß, die Gemara eines Jrrthums zu zeihen oder sonstige falsche Consequenzen daraus zu ziehen. So citirt er die bekannte Frage des Abudraham (ohne diesen zu nennen), warum in dem Segensspruch Ahabah rabbah nicht des Gebotes des Keriat Schema erwähnt sei, während doch in den andern Segenssprüchen das betreffende Gebot ausdrücklich genannt wird; ohne sich nun um die völlig hinreichende Aufklärung, die Abudraham gibt, zu kümmern, behauptet er, Keriat Schema sei nach der Ansicht Aller, nicht blos nach der von i>8i2L? 128 ^iii' 21 nur;i2ii; hieraus nimmt er dann Anlaß, die Gemara im Anfänge von Maffechet Berachot '8p r-rip-r -ui des Jrrthums zu zeihen, indem er die Auseinandersetzung des Talmuds (Berachot2l) zurückweist. Herr Waldberg weist nun gründlich nach, daß Herrn P.'s ganze Auseinandexsetzung einerseits auf Jrrthum, andrerseits auf Verstümmelung der betr. Talmudstellen beruhe. Da wir einmal die Frage des Abudraham hier berührt haben, so wollen wir auch hier die Antwort geben. „Bei allen iimOi 11212," sagt derselbe, „handelt es sich darum, von einem bestimmten Gebote auszusprechen, daß uns Gott durch Seine Gesetze geheiligt und uns befohlen habe, dies oder jenes zu thun; hier aber beim Keriat Schema wird ja erst das himmlische Joch von uns aufgenom- *) In Commission bei I. Kauffmann in Frankfurt a. M. men; es kann also unmöglich die sonst übliche Form der Berachah beEehalten werden, ganz entsprechend dem Midrasch: „Deich einem Könige, der in sein Land kömmt, und man veÄangt von ihm, daß er Gesetze gebe; er aber entgegnet : Zuerst huldigt mir und nachher empfanget meine Verordnungen (Mechiltah zu Schemot 20, 2)." Herr Waldberg weist noch überdies mit großem Scharfsinn nach, wie und in welcher Weise die Berachah Ahabah rabbah dem iKeriat Schema vollständig entsprechend ist. X Es ist wahrhaft ekelerregend, mit weWer entsetzlichen Frechheit Herr P. unsere heiligst« Männer schmäht und beschimpft, zugleich aber auch Aohlthuend, zu sehen, wie Herr Walol^rg alle FeineWrgriffe siegreich zurückweist, so daß oer Schimuß-wit Sicherheit auf das Haupt des Herrn P. "ßMVMllt^ An einer andern Stelle nimmt Herr P. aus dev Worten der Gemara (Bezah 6 a.) -«in P12ii'2 128W 11'2 1281 128p '2.1 121 128 12^ 121 j82 11'2 128 811 pi2 Anlaß, die Amaraim zu schmähen, indem er behauptet, daß die Correktur aus 12E in 1281 eine willkürliche und unzutreffende sei. Herr Waldberg weist ihm nun nach, daß hier von einer Eorrektur gar nicht die Rede ist, da Rabbah nicht mit '21, sondern mit 1Q8P '2i einleitet, so daß sich 128W auf wiivi zurückbezieht. Wir machen Herrn W. darauf aufmerksam, daß diese seine Ansicht bereits vom Gaon Rabbi Elijah von Wilna ^>p"iLi in seinen Hagaot zu 2"ON ausgesprochen worden 811 12 1^21 ^21 I8iu 811;212 11'2 128^ 2'112 2"Z1 ^12 21N 28L? O'IIOI. Wie oberflächlich Herr P. die Gemara auffaßt, und wie sehr es ihm darum zu thun ist, nicht die Wahrheit zu finden, sondern einzig gegen unsere Thanaim und Amaraim zu Felde zu ziehen, beweist er dadurch, daß er allgemein bekannte, bereits von den Rischonim aufgeworfene Fragen aufgreift, und ohne sich um deren Antworten zu kümmern, daraus Anlaß nimmt, die Talmudisten des Mangels an Verständniß zu zeihen. Wahrlich, für diesen P. und seine Genossen haben alle unsere Denker vergebens gedacht! Einen Beleg hiezu bildet das Raisonnement des Herrn P. zu Nosch - Haschanah 28, die 1U2 ^2'i2 11L2 8212 betr. Welchem Talmudkundigen ist da nicht die Auseinandersetzung des Rabbenu Jonah am Ende des ersten Abschnittes in Berachot bekannt? Ein einziger Blick darauf läßt das ganze Raisonnement des Herrn P. Zusammenstürzen. Unsere geehrten Leser werden an den angeführten Beispielen zur Genüge haben: wir schätzen uns glücklich , daß wir das abscheuliche P.'sche Machwerk erst aus dem vortrefflichen Buche des Herrn Walvberg kennen gelernt haben; der Kummer, den jeder gottesfürchtige Israelit empfinden muß, wenn er sieht, wie ein talmudisch Gebildeter sein in der That reiches Wissen mißbraucht, wird hinlänglich durch die Freude

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