Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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464 für ihr Vorgehen in dieser Angelegenheit. Sie ist jetzt wieder einmal für eine „Idee" eingetreten und steht wirklich an der Spitze der Civilisation. Unserer Ansicht nach wäre es aber Pflicht der österreichischen Regierung gewesen, energische Schritte beim heiligen Stuhle zu machen, um von ihm die Herausgabe des kleinen Coen zu erlangen. Die österreichische Regierung gehört zu den Freunden des Kirchenstaats, sie will die weltliche Herrschaft unter jeder Bedingung erhalten sehen. Der Freund also und nicht der verkappte Gegner mußte in Rom Vorstellungen machen, denn, darüber darf man sich keiner Täuschung hingeben, beharrt Rom auch diesmal in seinem alten Starrsinn, so steht mehr als ein Judenknabe, es steht die wMiche Herrschaft auf dem Spiel! Und darum hätte Graf Rechberg, der Freund Roms, zuerst einschreiten sollen. (Didaskalia.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Marokko. Mogador. Seit der Veröffentlichung meines Brieses,*) betreffend die Zutodeprügelung eines jungen jüdischen Mannes aus der Nähe von Mogador, habe ich das Vergnügen. Ihnen mitzutheilen, daß eine Bekanntmachung veröffentlicht wurde, wonach Seed Abdala, der Gouverneur der Provinz Haha, den Ort, wo jene Barbarei stattfand, besuchte, den Vicegouverneur wegen seines grausamen Eifers tadelte und erklärte, daß eine Buße den Verwandten des Verstorbenen geleistet werden sollte. Endgiltig wurden 2000 Dukaten als die Summe bestimmt, welche den Hinterlassenen gezahlt werden sollte. Es ist dies sehr befriedigend, weil öffentlich an einem der höchsten Staatsbeamten des Sultans dadurch gezeigt worden ist, daß solche grobe Verbrechen gegen die Civilisation und Humanität nicht mehr geduldet werden sollen. Dies Zugeständniß ist durchaus vollständig, und ohne daß wir die guten Absichten des Sultans in Zweifel ziehen, müssen wir doch constatiren, daß wir in dieser Angelegenheit der thätigen Theilnahme des amerikanischen Consuls, Mr. Crocos, viel verdanken; derselbe beeilte sich, seine Collegen zu versammeln und an den Vorgesetzten Minister in Tanger zu schreiben. Es ist nicht zu bezweifeln, daß die Ausdehnung des Handelsverkehrs nach allen Richtungen auch Marokko aus seiner bisherigen Jsolirtheit herausreißt und somit die Vorurtheile religiöser Intoleranz allmälig verschwinden lassen wird. Ich danke Ihnen, daß Sie meinen Brief unverzüglich veröffentlicht haben. Auch die marokkanischen Beamten lesen die „Times"; sie werden durch die Veröffentlichung dieser Thatsachen die Ueberzeugung gewinnen, daß kein grobes Vergehen unbestraft bleibt. L. (Times.) Feuilleton. Der fromme Metzger oder der Genosse im Paradies.*) Ein sehr frommer und gelehrter Mann betete einst zu Gott, er möchte ihm zu wissen thun, wer einst sein Genosse im Paradiese sein werde. Da ward ihm in einem nächtlichen Traume die Antwort: „Der und der Metzger wird Dein Genosse sein." — Als den andern Morgen der fromme Mann erwachte, kränkte es ihn sehr, daß er einen so gemeinen, ungelehrten Menschen zum Genoffen haben sollte, und er fastete den ganzen Tag und betete abermals vor Gott. Und in derselben Nacht ward ihm abermals die Antwort: „Du hast es bereits vernommen, daß der Metzger Dein Genosse im künftigen Leben sein werde." — Als der Mann das hörte, schrak er auf, seufzte und weinte sehr. Da hörte er eine Stimme vom Himmel: „Wahrlich! wärst Du nicht ein so frommer Mann, Du hättest den Tod verdient. Was verdrießt es Dich, daß der Metzger Dein Genosse sein soll? Kennst Du ihn? Weißt Du, was er gethan? Ob er vielleicht gute Werke vollbracht, die nicht jeder Mensch zu vollbringen vermag? Wahrlich! sein Stand und Ansehen ist groß im Jenseits." — Den Morgen darauf in aller Frühe stand der fromme Mann auf und ging in die Bude des ihm genannten Metzgers. Der Metzger erhob sich voll Ehrfurcht vor dem angesehenen, gelehrten Manne. Dieser aber begrüßte ihn, bat ihn, sich nieder zu setzen, und da die Bude noch leer von Käufern war, setzte er sich zu ihm und sprach : ..Mein Freund! ich habe eine Bitte an Dich. Sage mir, was Dein Leben und Treiben ist, und besonders was Du Gutes schaffst auf Erden?" - Da antwortete der Metzger: „Mein Herr und Meister! Du siehst was mein Geschäft ist. Meinen Verdienst aber theile ich in zwei Hälften; die eine gehört den Armen und den Noth- *) Aus Tendlau's „Fellmeiers Abende." Frankfurt a. M., literar. Anstalt I. Rütten 1856. Der Herr Verfasser war so freundlich, uns die Quellen zu dem genannten Buche mitzutheilen. Die wiedergegebene Erzählung, die XVI. im Buche, ist entnommen aus Mehajeschua 13a. (Vgl. Zunz G. V. S. 144.) Vgl. Maase- Buch C. 139. *) Siche Israelit Nr. 34, S. 45«.