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Der Israelit · 1864-09-07 · Heft 36 (7.9.1864) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 36 (7.9.1864)
Date
1864-09-07
Page
– (sequence 7)
Language
German
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481 und mit Ergebenheit in den göttlichen Willen. Anders ist es, wenn das jüdische Weib das jüdische Fühlen verlernt, indem es sich in fremde Anschauungen hineinlebt und aus der keuschen Gefühlswelt oer frommen Aeltermütter hinauszudenken versucht, dann schämt es sich der frommen Einfalt und reißt oie Bande der Gewohnheit und öffnet der neuen Mode Thür und Thor. Also sind die fremden Sitten in das jüdische Haus gedrungen und die neue Generation ist vom Materialismus angesteckt, unvermögend sich zum Hohen und Höchsten erheben zu können, und das kann nicht anders sein, weil auch unsere Frauen an den Widersprüchen und Parteileidenschaften der Gegenwart kränkeln.... Wundert es Euch, daß der Messiasglaube zu so leichter Waare geworden? Muß sich doch die erhabene Messiaszeit mit all den herrlichen Ideen, die sich an dieselben wie die That an den Gedanken knüpfen, — in die weiteste Ferne verrücken, nachdem es bei uns auch mit der echten edeln Weiblichkeit so rar geworden ist, und sie eben als die einzige Basis des jüdisch-frommen Familienlebens gilt, das mehr als alles Andere das Werk der Erlösung zu befördern vermag. ->22^2 W-1L2Q 2^71 -irv.ro I'TIV O'wa sagen unsere Weisen (Sota ll, 6). Hieraus ergibt sich, welch gewichtige Potenz für die nationale Entwickelung und Selbstständigkeit des Volkes das jüdische Weib in allen Zeiten war. Israels Freiheit verhielt und verhält sich immer noch zu seinen „Biederfrauen" wie die goldene reife Frucht zu ihrer Blüthe. Ferner ist das jüdische Weib der Eck- und Grundstein des häuslichen Glückes. „Die Klugheit der Frauen erbauet das Haus" Prov. 14, 1, aber natürlich nur dann, wenn sie als jüdische „Biederweiber" im Innern des Hauses (Ps. 45, 15.) sich bewegen, ihren häuslichen Pflichten getreulich leben und der Erziehung ihrer Kinder mütterliche Sorgfalt angedeihen lassen, sie frühzeitig das Gute lieben und das Böse meiden lehren. Hat sich doch kaum ein großer Mann zu dem entwickelt, was er geworden: zum Hebel in der Hand der Vorsehung, um durch die große Menschheit auf der Bahn wahrhaften Fortschritts vorwärts zu bringen, ohne daß mütterliche Pflege ihm die ersten Keime der Tugend eingepflanzt, seine natürlichen Anlagen geweckt und eine ganze Gefühlswelt in seine junge Brust gesenkt. Deßhalb ist Nichts natürlicher, als daß wir echtjüdische Mütter haben müssen, wenn wir eine kerngesunde Jugend heranzubilden gedenken. Um aber das Erftere zu verwirklichen, d. h. die gute alte Zeit der frommen Mütter wieder zu erwecken — was eben schwer hält in einer Zeit groben Materialismus', wo die Lüsternheit das menschlichste Herz verhärtet und für die Heiligkeit des Glaubens unempfindlich macht — so müssen meines Erachtens den Frauen Israels gute populär gehaltene Schriften in die Hand gegeben werden, die die tiefen Schätze der Phantasie und des menschlichen Geistes in einer religiösen Färbung der Leserin böten, damit das Weib der Gegenwart nicht weniger mit der großen Strömung der Zeit vorwärts käme, während es zugleich durch die wahre Erkenntniß geheiligt, sich der edeln Einfalt unserer frommen Mütter wieder zu rühmen vermöchte. Denn nur also kann die religiöse Regeneration unseres Volkes sich denken lassen. Ich schlage nicht zu hoch das Weib an; nur durch seine Beihilfe kann die Menschheit in die Sonnenbahn, der Erkenntniß und zum Abschluß des geistigen Streöens gebracht werden. Also für dieses Weib, für die Mutter, diese mütterliche Hüterin und Pflegerin der Jugend, sie, die Sonne ihrer Kinder, die dieselben im Wiederschein der mütterlichen Klarheit und Reinheit erglänzen läßt, für sie sollten sich die gediegensten Federn unseres Volkes in Bewegung setzen und ihr die biblische Zeit mit ihren Herrlichkeiten im modernen Gewände vorführen und wieder ihr die Leidensgeschichte ihres Stammes mit der Gluth und dem Schmelz des Mitgefühls beschreiben, und abermals ihr die Geschichte der Völker mit biblischer Beredtsamkeit erzählen; dann würde das Weib fühlen, denken, glauben lernen, um dann Alles in geistgewinnender Sprache ihre Kinder zu lehren und ihnen mit der ihr eigenen weiblichen Feinheit die Mysterien des Herzens zu erschließen. Dann würde aus der Kinderstube sich das Gute über die Welt verbreiten und die ewigen Wahrheiten der Religion zur Geltung bringen, was freilich nicht mit der stürmischen Gewalt und Hast der Ueberzeugung, sondern mit dem milden versöhnenden Hauch der Liebe geschähe; aber deshalb würde die Umwandlung um so nachhaltiger sein, je ex- und intensiver sie wäre. Denn, wenn das jüdische Weib jüdisch fühlt, so kennt es auch, wie jene große Römerin, den echten Schmuck der Weiblichkeit und mütterlichen Zärtlichkeit. Und wo das jüdische Weib als wahre Jüdin glaubt, dort schwinden die Götzen der Zeit, der Luxus und die Sinnlichkeit, auf deren Altären von Tag zu Tag das meiste Familienglück geopfert wird. Zu dem Ende müßten sich die bedeutendsten Literaten vereinen, um Werke zu schaffen, die den! Frauen wieder Geschmack an gemüthlichen Freuden und an einem frommen Stillleben beibrächten, indem ihnen in reizenden Erzählungen nachahmungswerthe Bilder aufgerollt werden: Scenen froher Häuslichkeit, keuschen Familienglückes, hingebender Gattenliebe und mütterlicher Zärtlichkeit, diese mit hinreißender Beredtsamkeit und im lebendigen Colorit gezeichnet und auf Kosten einer Gesellschaft, der es darum zu thun wäre, ihren Schriften die weiteste Verbreitung zu geben, unter die Presse zu bringen Dann dürfte es kaum fehlen, daß die verderbliche und entsittlichende Prunksucht einer frommen gottgefälligen Lebensweise und einer klugen Oeconomie Platz machen müßte. Eine würdige Aufgabe das, wohl nicht leicht in ihrer Ausführung,

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