Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1864)
- Date
- 1864-09-07
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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476 der Jugend immer weniger Anerkennung findet, namentlich auf dem Lande, wo die Intelligenz immer mehr Boden verliert, und ihre Jünger immer weniger werden, und man nur gerne noch begreift, was man greifen kann — so lassen wir uns dennoch durch diese ominösen und in der That traurigen Erscheinungen der Zeit unfern Beruf nicht verleiden, und möge Sie, meine Herren, die Mühe und Plage nicht verdrießen, die durch die heute hier tagende Conferenz Ihnen verursacht wird! Suchen wir uns gegenseitig aufzumunlern im frommen Hinblick zur allweisen Vorsehung, die für die ganze Schöpfung väterlich sorgt, und keines ihrer Geschöpfe vergißt! Suchen wir uns aufzumuntern, als Männer zu arbeiten im Weinberge des Herrn und unfern Berufspflichten fromm und gottergeben obzuliegen, bis wir von denselben abgerufen werden! Es scheint fast, als ob die Gottheit wolle, daß das Gute unter Schmerzen erst gedeihen solle. Und unser Beruf ist Gottes. Seien wir nur desselben uns stets bewußt! Unser Tagwerk ist ein segensreiches, unsere Arbeit ist des Herrn. Die Seelen der Jugend zu Gott zu führen, Erkenntniß zu streuen in die Herzen der Kinder Gottes, den Odem zu pflegen, den der Herr in die Menschen gehaucht, das ist viel und weit mehr, als die Schätze der Reichen und Großen. Gegenseitige Aufmunterung sei unser Losungswort, und wenn wir diese erreicht haben, so war das schon der Mühe werth, eine Conferenz gehalten zu haben. Der Beruf eines Lehrers ist mit dem eines Rabbiners identisch, beide Faktoren haben die Religion zu pflegen, und beide finden so selten Anerkennung von ihren Religionsgenossen. Lassen wir uns nicht beirren in unserer Wirksamkeit; -ipivv;u.-. mit des Sehers Blick, der in die Zukunft gerichtet isi, gehen wir freudig und besonnen zur Besprechung der uns gestellten Aufgaben über!" Zur Berathung waren folgende 3 Punkte aufgestellt: 1) Wie ist der Religionsunterricht in der Elementarschule zu behandeln, wenn er durch den Elementarunterricht nicht in den Hintergrund gedrängt werden soll? 2) Ist die Kenntniß des jüdischen Kalenders ni'?, beziehungsweise unserer Zeitrechnung als ein obligater Gegenstand der Religionsschule zu betrachten, und wie ist die Verfahrungsart hiebei zu behandeln? 3) Worin liegt der Grund, daß die meisten Religionslehrer oft nur getrübten Muthes ihren Berufspflichten obliegen? 1 erklärten sich sämmtliche Lehrer einstimmig dahin, der Lehrer müsse, jemehr es zuweilen durch die nicht selten maßgebenden Prüfungen der christlichen Jnspectoren den Schein hat, daß die Präpoderanz der Schule in den Elementargegenständen liege, um so mehr dem Lehrgegenstande der Religion seine ganze Aufmerksamkeit zuwenden, und habe die Pflicht, wie er die Ueberzeugung hat nvp j'-r .-inri p-r 2-r, daß eine Schule, so sie nicht in der Religion ihre Grundlage fände, ihre besten Früchte verwelken zu sehen, gezwungen sei, diese auch der Jugend beizubringen, wozu ihm Mittel genug in die Hand gegeben sind. ^6 2 war man darin einverstanden, diesen Gegenstand dem Religions-Unterrichte beizuzählen, und daß bei dem jüdischen Schreibunterricht die Schüler das hebräische Datum gebrauchen sollen. 3 fand man den Grund in der geringen Besoldung des Lehrers einerseits, wodurch derselbe ein sorgenvolles und oft kummervolles Leben hat, andererseits in der Ausschließung von allen Unterstützungen seitens des Staates, worüber bei der höchsten Stelle Schritte geschehen sollen. — Schließlich theile ich Ihnen noch ein Faktum mit, aus dem Sie, geehrter Herr Redacteur, unsere trüben Landverhältnisse zur Genüge bemessen können. Als vor Kurzem unser ehrwürdiger Herr Distrikts-Rabbiner Wormser um eine bescheidene Aufbesserung seiner spärlichen Besoldung, die jährlich nur 450 fl. beträgt, nachsuchte, wodurch ein Cultusmitglied eine jährliche Mehrausgabe von höchstens 6 — 8 kr., sage mit Worten sechs bis acht Kreuzern, hätte, trat die Gemeinde Gersfeld, in welcher der Sitz des Rabbiners ist, nnd die zu den wohlhabendsten des Distrikts zählt, in den Vordergrund und erklärte sich bei Gericht einstimmig — dagegen. Was sollen nun erst andere Angestellte erwarten, wenn man einem Manne .mp dessen kleiner Finger stärker ist, als die Lende der Andern, der in seinem Berufe auch seinen Feinden gegenüber makellos dasteht, nach 24jähriger gewissenhafter Wirksamkeit (als Jubiläumsgeschenk) eine so kleine Forderung abschlägig zurückweist? Was können erst die jungen Bäumlein hoffen, wenn selbst die ehrwürdige Eiche nicht verschont bleibt? Steht ja diese Kränkung der Gemeinde Gersfeld gegen ihren Rabbiner nicht vereinzelt da, doch — sapieuti sat l Hoffen wir, daß solche Erscheinungen nie mehr Vorkommen, und daß die Leute endlich einsehen möchten, welchen Vortheil ihnen die Schulen und deren Leiter bringen! Aus Württemberg. Bezüglich der Reclamation des Herrn R.-C. Ellinger zu Mergentheim in Nr. 34 dieser Blätter wollen Sie gefälligst folgende Erklärung aufnehmen: a. Es ist eine Thatsache, für die wir einstehen können, daß in Eßlingen ein Telegramm einlief, welches die Zustimmung des Absenders zu allen Beschlüssen, welche gefaßt werden würden, im Voraus ertheilte. Da unter einem eingelaufenen Telegramm auch der Namen eines Crailsheimer Advokaten stand, so kann es sein, daß wir uns im Ortsnamen geirrt, sachlich haben wir volle Wahrheit berichtet. b. Es ist aber ebenfalls eine Thatsache. für die wir einstehen, daß das Telegramm des Herrn R.-C.