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Der Israelit · 1864-09-07 · Heft 36 (7.9.1864) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 36 (7.9.1864)
Date
1864-09-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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477 Aus dem Allen ersehen wir, daß das Gebot der Chalizah mindestens ebenso wichtig, wie jedes andere Gottesgebot ist, und daß die Unterlassung derselben eine höchst folgenschwere ist. Die Ph.'sche Zeitung nennt aber die Chalizah einen Gebrauch, wie wenn es sich um einen Minhag handelte; sie erkennt zwar an, daß „die Chalizah in den Büchern Mosis vorgeschrieben sei," meint aber höchst weise: „Auch die Hebegaben, Opfer und Zehnten seien darin vorgeschrieben, und seien einer andern Cultur, einem andern Cultus gewichen." Hat der gelehrte Herr PH. noch niemals von der Unterscheidung gehört zwischen denjenigen Geboten, die sich an das heilige Land, und denen, die sich an die Person des Juden knüpfen? Die Gebote, die sich an das heilige Land knüpfen, haben mit dem Verlust desselben aufgehört; diejenigen, welche sich an die Person des Juden knüpfen, sind und bleiben verpflichtend, so lange es Juden gibt. Die Behauptung, daß die Gottesgebote einer andern Cultur, einem andern Cultus weichen müssen, ist gleichbedeutend mit der, daß in christlichen Ländern die Juden Christen, in der Türiei Muhamedaner, in ' China und Indien Heiden werden müssen.! Aber die Ph.'sche Zeitung scheint von Gottesge-? boten Nichts wissen zu wollen; nach ihr ist „die Le-! viratsehe eine heidnische Sitte, die Moses vorge-! fanden, die er glaubte schonen zu müssen, und deren barbarischen Despotismus er durch die Chalizah mil-! dern wollte".! Die Ph.'sche Zeitung meint, daß „seit dem Ver-! lnste Kanaans die Leviratsehe jeden Sinn verloren! habe"; was hat die Leviratsehe mit dem Verluste! Kanaans gemein?! Daß ein gewissenloser Schwager die Vollziehung! seiner Pflicht verweigert, oder vielmehr zu Gelderpres- > sungen mißbraucht, kann allerdings nicht hart genug - gerügt werden; allein, was kann das Gesetz dafür, wenn elende Menschen die Beachtung desselben hintan-! setzen? j Die Ph.'sche Zeitung würde sich ein wahres Verdienst erwerben, wenn sie die Namen dieser ebenso gesmmmgstüchtigen, wie muthigen und überzeugungstreuen „aufgeklärtesten Rabbiner" der Nachwelt überliefern möchte. Wenn diese Letztern auch keine Furcht vor Gott haben, so fürchten sie sich doch vor den Menschen. Was soll man aber von Herrn PH. und seinem edlen Correspondenten sagen, die weder Gott noch Menschen fürchten? — Ga« jüdischer Armennnd Mgermohrrrmgen in Jerusalem. Durch Bezirksrabbiner Selz und Vorsteher L. Hechinger zu Harburg im Ries auf Anlaß eines von Halberstadt aus übersandten Programmes des Centralcomitö's und in Folge einer vom Rabb. am Sabbat Chason gehaltenen, das Bauunternehmen besprechenden Predigt gesammelt 50 fl. — Durch Distr- Rabb. I. G. Adler in Burgpreppach ges. bei der Verlobung seiner Tochter Bertha mit Rabb.-Cand. Abraham Hirsch fl. 7. 30 kr.; bei der Verlobung des Amson Feuchtwanger in Fürth mit Mariane Strauß in Burgpreppach fl. 16. 12 kr.; bei der 50jährigen Stiftungsfeier einer in Kleinsteinach fl. 4. 26kr.; zus. fl. 28. 8 kr.; abz. Porto fl. 27. 48 kr. — Ungenannter in Würzburg fl. 2. — (Für Abr. Rumpf in Jer.. derselbe fl. 2.) — (F. a. T. CH. d. h. L.: derselbe fl. 2.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Interessant ist auch, was die Ph.'sche Zeitung von den „aufgeklärtesten Rabbinen unserer Zeit" berichtet; wir wollen ihre eigenen Worte anführen: „Nicht geneigt, das künftige Lebensglück der Tochter von der künftigen Laune dieses Mannes abhängig zu machen, wandte sich der Vater der Wittwe brieflich an mehrere der aufgeklärtesten Rabbiner unserer Zeit, mit der Bitte, die Trauung ohne Chalizah vorzunehmen. Die Herren antworteten sehr freundlich — hatten aber nicht Worte genug, um die Chalizah zu verdammen — nannten dieselbe „„eine wahre Schmach und Herabwürdigung der heiligen reinen Gotteslehre"" — „„eine höchst unsinnige zum baaren Unsinn gewordene Ceremonie"" — lehnten aber ab, um nicht als Neologen angeklagt zu werden." Deutschland. Von der Rhön. Auch in diesem Jahre wurde am 17. August von dem Distrikts-Rabbiner Wormser inGersfeld eine Lehrerconferenz daselbst abgehalten, und obgleich die meisten Betheiligtcn einen langen und beschwerlichen Weg zu machen hatten, wurde die Conferenz dennoch von sämmtlichen Lehrern mit Freuden besucht. Nach gemüthlicher Begrüßung der Lehrer unter sich sowohl, wie von Seite des Vorstandes, sprach dieser, bevor zur Besprechung der Conferenzgegenstände geschritten wurde, sich ungefähr also aus: „Wenn auch durch den sichtlich zunehmenden Materialismus der Zeit die Geistes- und Herzenspflege

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