Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1864)
- Date
- 1864-08-31
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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470 Herrn Oberrabbiners von Preßburg, ist der Schwiegersohn des am jüngsten NeberschreitimgSfeste Hingeschiedenen, dnrch seine Werke auch in weitern Kreisen berühmten Böfinger Rabbiners D. Schlesinger Anerkermenswerth ist hiebei die Pietät der dortigen Gemeinde, die dem Andenken ihres langjährigen Führers dm Tribut zollte, zu seinem Nachfolger seinen noch jungen Schwiegersohn zu wählen; es ist dieses umsomehr hervorzuheben, als die Gemeinde, die nur 80 bis 100 Familien zählt, eine neue Synagoge bäum will, was große pecuniäre Opfer erheischt, weßhalb sie anfangs auch nur einen anstellen wollte. — Freitag Wends wurde Herr Schächter — so heißt der neue Herr Rabbiner — von den Gemeindevorstehern zum Empfang des Sabbats aus seiner Wohnung abgeholt und zum erstenmale im Ornate in die Synagoge und auf dm Rabbinersitz geleitet. Samstag Morgens um 9 Uhr begann die Predigt. Im Eingänge verbreitete sich der Herr Rabbiner über die Schwierigkeit seines Amtes, und wie ihm selbes nur durch freundliches Entgegenkommen seiner Gemeinde erleichtert werden könne; da der Führer, der da weiß, daß seine Gemeinde nur für seine Fehler Augen und Ohren hat, gar bald dm Muth finken läßt; wo aber „alle Vergehm die Liebe zudeckt", da kann er nur neue Kraft gewinnen, ebm diese Fehler zu seinemund feiner Gemeinde Frommen zu verbessern. Hierauf hielt der Herr Rabbiner einen geistreichen talmudischen Vortrag 8'2D2, der ihm Gelegenheit gab, seine großm Kenntnisse auf talmudischem Gebiete zu zeigen. In der gedankenreichen und passenden Fortsetzung seiner Predigt bezog Redner auf sich auch die Worte Gideons, als ihm der Engel seine Mission als Retter Israels verkündete : '228i ^222 v-i.-i '2^8 m:i '28 r>'22; auch er könne weder durch großen Einfluß noch durch ein ehrwürdig graues Haupt Achtung einflößen, wie es die Mischnah bei Gelegenheit der Wahl des Rabbi Elieser bm Asarjah zum 7,2'V' von einem Volksführer fordert, und so wisse er nicht, wie sein Wort auf seine Gemeinde einwirken werde, allein die Antwort des Engels an Gideon ^'nr-r '228 ->v8'i sei auch seine Zuversicht, und er hoffe, mit göttlicher Hilfe seinem Berufe getreu Nachkommen zu können. Schließlich dankte Herr Schächter noch der Gemeinde, daß sie das Anvmken seines nun in Gott ruhenden Schwiegervaters so geehrt, ihn, dm jungen unerfahrenen Mann, zu ihrem Führer zu berufen, und flehte noch Gottes besten Segen auf die Gemeinde und alle unsere Brüder herab. Nachmittags warm alle Familienhäupter bei'm Rabbiner, ihn zu beglückwünschen, und zeichneten sich alle Gemeindeglieder durch dre bei solcher Gelegenheit, als Zeichen der Liebe und Achtung, üblichen Geschenke auf's Schönste aus. Me wir hören, hegt Herr Schächter dm Gedanken, unter dm Talmudkundigm seiner Gemeinde einm Verein zu gründm, dessen Zweck O'222 n'ri sein soll, und hat beste Aussicht auf Realisirung dieses feines Planes. Wir können der Gemeinde Bö sing nur Glück wünschen, da ihr Rabbiner wahrhaft gottesfürchtig und, ohne seiner Würde das Geringste zu vergeben, sehr bescheiden ist und auch trotz seiner Jugend — er ist noch nicht 24 Jahre alt — bedeutende Kenntnisse im Talmud besitzt. Es wird ihm demzufolge von seiner Gemeinde die achtungsvollste Anerkennung zu Theil. Und so können wir nur vom Herzen wünschen, daß Herr Schächter lange zum Segen für seine Gemeinde und ganz Israel wirke. Palästina. Jerusalem, im Juli. Wie Sie bereits in Ihrem geehrten Blatte berichteten, weilt gegenwärtig Herr Albert Cohn aus Paris hier, der alle Anstalten hier mit seinem Besuche beehrt hat. Bei dem Besuche der Armen- und Pilgerwohnungen auf Zion, schrieb er an mich FolgmdeS: „Ich bezeuge, die schönen und guten Wohnungen in Augenschein genommen zu haben. Sie sind sehr wohnlich und bieten Schutz vor allen Unbilden jedweder Witterung. Auch befindet sich eine Quelle mit gesundem Wasser in der Mitte der Wohnungen, so daß weiter Nichts zu wünschen bleibt, als daß die Anzahl der Wohnungen sich noch bedeutend vermehren möge, da der Miethpreis von Wohnungen in der heiligen Stadt ein entsetzlich hoher ist. Deßhalb ist es meines Erachtens dringendst geboten, in der Beisteuer zu dem Bau von Armen- und Pilgerwohnungen in Jerusalem nicht zu ermüden und nachzulassen. Jerusalem, den 13. Thamus 5624. Albert Cohn." *) — Dem Urtheil, das Herr Rabb. Schwarz von hier an Sie eingesandt hat, daß er stark bezweifle, ob die Falaschas in Abessynien Juden seien, kann ich mich nicht anjchließen. Der in Rede stehende Falascha mit seinem Sohne war oft bei mir zu Tische und theilte mir auch mit, daß es in seiner Heimaih auch weiße Juden gebe, ja sogar die Mehrzahl der Juden in Abessynien habe weiße Hautfarbe. Alle halten nach seiner Aussage die Sabbate und Feiertage streng, essen am Ueberschreitungsfeste ungesäuerte Vrode, hören am Neujahr die Schofartöne und beobachten überhaupt die Gesetze. Deßhalb muß ich an alle meine Glaubensgenossen die Bitte richten, daß sich Leute melden möchten, die bereit find, die Mission dorthin zu übernehmen. Ich für meinen Theil würde, rverm so Gott will eine Karavane nach Abessynien zu Stande kommen würde, mit Freude bereit sein, daran theilzunehmen. - Selig Hausdorff. *) Das Schreiben liegt uns im Original in hebräischer Epracbe vor. S. auch den Leitartikel unserer heutigen Nummer. Aed. Hierzu eine Beilage._ Verantwortlich« Redaction: Dr. Lehman». — 8erlag der Le Ronx'lche» Hofdnchhandlnng. — Dampt»Sch«rIvrefirndrua von I. Tott-lebe« in Main».