Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1864)
- Date
- 1864-08-31
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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46S und in Folge dessen in den Grafenstand erhoben worden sei; sie fügten hinzu, daß die Copulation dieser Mischehe auch in der Synagoge im Beisein des Kaisers stattgefunden habe. Das Faktum der Heirath und der Standeserhöhung des Herrn Berlä, welcher aus unserer nächsten Nähe, aus Wiesbaden, stammt, und mit dessen in Gott ruhendem gottesfürchtigem Onkel wir befreundet waren, ist uns seit lange bekannt; wir hielten es jedoch weder für erfreulich, noch für wichtig genug, um es unfern Lesern mitzutheilen. So sehr wir uns auch mit der Standeserhöhung eines Glaubensgenossen gefreut hätten, so ist doch das Eingehen einer Mischehe ein jeden Juden schmerzlich berührendes Ereigniß, das durch eine jüdische Grafenkrone nicht erfreulicher gestaltet werden kann. Es hat uns aber höchlich in Verwunderung gesetzt, daß in einer Pariser Synagoge von einem Pariser Rabbiner eine Mischehe habe eingesegnet sein sollen. Wir haben deßhalb bei unfern Freunden in Paris Erkundigungen hierüber eingezogen und haben zu unserer Beruhigung erfahren, daß der letzte Theil der Mittheilung der jüdischen Journale völlig aus der Lust gegriffen ist. Mainz, den 24. August. Uns liegt ein neuer vortrefflicher Kalender (rn^) des Herrn L. Blum in Paris vor, der eine ganze Reihe interessanter statistischer Mittheilungen über unsere Glaubensgenossen in Frankreich, über Gemeinden und deren Beamte, Wohlthätigkeitsanstalten rc. enthält; wir ziehen davon aus, was unserem Ermessen nach für unsere Leser von Interesse sein wird. Die Ausgaben, welche der franz. Staat für den Cultus unserer Glaubensgenossen in Frankreich für das Jahr 1865 leistet, betragen 228,500 Fr. — Den größten fixen Gehalt bezieht der Oberrabb. des Centralconsistoriums mit 7000 Fr., der Oberrabb. von Paris erhält jährlich 5000 Fr. und die übrigen Oberrabb. je 3500 Fr., der Gehalt der Communalrabbiner beläuft sich auf 2000—1000 Fr., der der Chasanim auf 2090—600 Fr. Der Oberrabbiner des Centralconsistoriums erhält noch für Wohnungsentschädigung 2000 Fr. — Die Kosten des israelitischen Seminars betragen 22000 Fr. — Der Oberrabbiner von Algier erhält 5000 Fr., die beiden andern Rabbiner Algiers jeder 4000 Fr. — Zur Erbauung einiger Synagogen gibt der Staat einen Zuschuß von 20,000 Fr. — Wir begegnen in diesem Kalender einem Tarif, der unfern strengsten Tadel verdient; es ist dies der Tarif für Hochzeiten, Beerdigungen und den Gebrauch des Frauenbockes, bei welchen Classificirungen gemacht werden, die durchaus unjüdisch sind. Man kann in der Pariser Synagoge für 1500 Fr. und für 15 Fr. copulirt, man kann auf dem Pariser Friedhof für 400 Fr. und für 6 Fr. begraben werden, eine jüdische Frau kann für 6 Fr. oder für 60 Ct. ihrer religiösen Pflicht genügen. Wir hätten gegen diese Verschiedenheit des Preises Nichts einzuwenden, wenn nicht auch die Waare stets dem Preise entspräche, und eine Beerdigung für 400 Fr. ganz etwas Anderes wäre, als eine solche für 6 Fr. AehnlicheS haben wir noch in keiner deutschen Gemeinde zu bemerken Gelegenheit gehabt. In Wien und Berlin, in Breslau und Frankfurt, in Prag und Mainz wird der Arme in derselben Weise begraben wie der Reiche, hat das Brautpaar, dessen Vermögen Hunderttausende betrügt, keine anderen Feierlichkeiten zu beanspruchen, als der Tagelöhner, der eine Dienstmagd heirathet. Auch halten wir es nicht für angemessen, die obenerwähnte Mizwah zu erschweren und eine Äassification eintreten zu lassen, welche das Ehrgefühl mancher Frauen zu verletzen geeignet ist. — Unter den Wohlthätigkeitsanstalten in Paris heben wir hervor das Hospital und die Alterversorgungsanstalt, welche der Freiherr James von Rothschild gestiftet, das Waisenhaus, welches der Freiherr Salomon von Rothschild gegründet, dm Verein zur Unterstützung jüdischer Arbeiter, den Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinen, die Bischofsheim'sche Stiftung, welche jährlich 7800 Fr. als Stipendien zur Unterstützung an Studirende zahlt, den Talmudverein, in welchem Herr Rabbiner Weiskopf täglich Morgens und Abends talmudische Vorträge hält, den Verein zur Vertheilung religiöser Schriften, 25 Vereine zu gegenseitiger Unterstützung für Männer und 13 ähnliche für Frauen. Unter den Schulen in Paris nimmt das Seminar zur Heranbildung der Rabbiner zuerst unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Direktor derselben ist Herr Professor Trenel, der zugleich Lehrer des Talmuds ist; dann die Vorbereitungsschule für das Seminar. Von den Beschneidern sind 10 namhaft gemacht. Auch die Mizwot in der Synagoge haben ihre bestimmte Taxe. Das Ein- und Ausheben der Sepher Thora kostet am Neujahr- und Versöhnungstage 100 » Fr., denselben Preis hat eine Aliah. Hhatan Thora und Chatan Bereschit kosten nur 30 Fr., während eine Aliah an einem Sabbatnachmittag nur 50 Ct. (14 kr.) kostet. Wir erfahren ferner, daß im Rabbinate Colmar 17,000 jüdische Seelen, im Rabbinate Straßburg 20,000 leben; diese beiden sind nach Paris die größten Rabbinate von ganz Frankreich. — In Algier leben 7000 Juden, in Oran 6000 und in Constantine 4500. Oesterreichischer Kaiserstaat. Nab Bö fing, 16. Ab. Schon war ich Willens, das hiesige Bad zu verlassen, als ich hörte, daß am wru r>2V der neue Rabbiner der benachbarten Gemeinde Bö sing seine Antrittsrede haltm werde, was mich zu längerm Verweilen bewog. Der neue Rabbiner, ein vorzüglicher Schüler des hochberühmten