Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1864)
- Date
- 1864-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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468 Hilfe dem Thorastudium wirklich eine ansehnliche Stütze gewähren können, ferner daß sich vielleicht auch Schüler anderer jüdischer Hochschulen, die in der Ferne vielleicht weniger bekannt sind, meldeten, um für sich ähnliche Hilfsleistungen zu erlangen. So könnte vielleicht ein gemeinsames Handeln zur Föroerung unseres heiligsten Gutes die jüdischen Bewohner aller Welttheile vereinen, damit die geistigen Pflanzstätten des Judenthums Blütheu entfalten, deren segensvolle Früchte bis in die weitesten Fernen dringen. Wenn auch diese Spenden uns nicht von der strengen Verbindlichkeit befreien können, uns nach Kräften mit der Heilgen Lehre zu beschäftigen, so mögen sie doch einen kleinen Theil unserer Schuld abtragen. Senden Sie, geehrter Herr Redakteur, diese 12 Thaler an ihre Bestimmungsorte, und mögen Sie noch häufig Gelegenheit haben, große Summen zu so heiligem Zwecke zu übermitteln. Ihrem geschätzten Blatte bestes Gedeihen und ewige Dauer zum Besten von ganz Israel wünschend verbleibe ich Ihr ergebenster P. A." Bad Homburg- 12. August.*) Am wenigsten hätte ich wohl über meine Inauguraldissertation: Spi^ noza rc. eine Kritik erwartet, welche die religiösen Tendenzen des Verfassers in Frage stellt. Und nur deßhalb, weil ich von meiner Schrift auch den Verdacht eines religiösen Makels entfernt haben möchte, will ich mit wenigen Worten auf die in Nr. 32 -sud. Würzburg 7. August incriminirten Stellen eingehen, um darzuthun, daß auch die dort citirten Stellen dem Geiste meiner Schrift, den Sie Herr Redacteur in Nr. 31 als einen jüdischen bezeichneten, nicht zuwider sind Der Kritiker meiner Religiösität behauptet:^ „es wird S. 26 über unsere heil. Schrift in einer Weise gesprochen, wie dies wohl einer profanen Literatur angemessen gewesen wäre." Mit aufrichtigem Bedauern gestehen wir unsere Ignoranz, daß wir in streng wissenschaftlichen Schriften bis jetzt noch keine solche Unterscheidung kennen gelernt haben. Und bis der Einsender aus Würzburg uns eines Bester en belehrt haben wird, d. h. bis er uns das richtige Kriterium zwischen der Art und Weise, wie wir unsere wissenschaftlichen Behauptungen einer profanen, und wie wir dieselben einer nicht profanen Literatur gegenüber formuliren wüsten, dargethan haben wird, bis dahin werden wir nur eine Art und Weise als die richtige ankennen, eine solche, die die unleugbaren Spuren trägt, daß es dem Verfasser ernst um Wahrheit zu thun war. Nun aber zeige man uns S. 26 ein einziges Wort, wo wir diese Art und Weise verleugnet haben. Im Uebrigen ist dieser Angriff so unbestimmt gehalten, daß ich der ganzen Stelle' keinen festen *) Durch Zufall verspätet. Red. Punkt abgewinnen kann, um eine Antikritik zu schreiben. Ich behaupte, unsere Offenbarungsbücher seien ein Beleg dafür, daß dem hebräischen Volksstamm die Anlage für Kunstgefühl nicht gemangelt haben könne, wenngleich gewisse Ideale der ästethischen Gesetze in denselben nicht realifirt seien. Wer etwa ein solches Urtheil als einen Mangel an Ehrfurcht gegen die Offenbarungsbücher bezeichnen will, dem muß doch wohl die talmudische Satzung ferne liegen, worin es einem Juden untersagt wird, ans den Offenbarungsbüchern, (ganz besonders aus dem hohen Lied) Kunstgenüsse zu schöpfen, eine Satzung womit der Talmud zweifelsohne uns die Ueberzeugung eiuprägen will, daß diese Bücher dem Juden nur zur religiösen Erbauung, nur zur Erziehung deK Geistes, Herzens und Gemüths gegeben wurden, keineswegs aber den ästhetischen Sinn in uns zu entwickeln. Etwas mehr Schein von Wahrheit hat die zweite incriminirte Stelle für sich, wir sagen Schein, denn wer die Stelle im Zusammenhang mit dem Text liest, wird sich doch wohl überzeugen, daß ich, hätte ich die Autorität des Talmud hier in Frage stellen wollen, nicht mehr und nicht weniger als einen Mord begangen hätte an den Principien, die ich durch das ganze Buch nach meinen schwachen Kräften zu verteidigen suchte. Allein auch so, außer dem Zusammenhang sehe ich nicht ein, wie die theoretische Infragestellung des Anathems die Autorität der wpv-Di beanstande. Ferner bezog sich die theoretische Infragestellung nur auf die gewöhnliche Definition des Wortes Neligionsgesellschaft, wonach eine solche Gesellschaft das zeitliche und ewige Heil ihrer Angehörigen zu befördern, keineswegs aber einen solchen Angehörigen unwiderruflich der ewigen Verdammniß prerszugeben habe. Diese theoretische Infragestellung hat also mit dem „Forum unsrer Codices" weder polemisch noch ironisch (?) Etwas zu schaffen. *) Genehmigen Sie, Herr Redakteur, die Zusicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung vr. I. B. Lehm ans. Mainz, den 22. August. Wir schätzen uns glücklich, den Freunden der orthod. isr. Bibelanstalt mittheilen zu können, daß der Pentateuch im heiligen Urtext fast ganz drnckfertig, zum größten Theile bereits gedruckt ist und daß derselbe baldmöglichst ausgegeben werden wird. Mainz, den 23. August. Fast alle jüdischen Journale erzählten unlängst, daß ein jüdischer Banquier zu Paris eine Verwandte des Kaisers geheirathet habe *) Anm d. Red. Wenn also Herr vr. I. B. L. den jüdischen Cherem und demnach den gegen Sp. gerichteten Bann gar nicht gemeint hat, so war die ganze Anmerkung überflüssig und nur dazu geeignet, Mißverständnisse hervorzurufen.