Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-08-31 · Heft 35 (31.8.1864) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 35 (31.8.1864)
Date
1864-08-31
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447176--02841-2458203
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

464 genossen wieder ein so schönes^Gotteshaus gründen ließ. In dieser schönen SynaMge hielt ich eine Ansprache an die Gemeinde und Hanke ihr Gr die van ihr entwickelte Thätigkeit, Nicht so vorgeschritten fand ich Cairo; wohl ist der Wille da, aber die Leitung fehlt, wiewohl ein sehr gelehrter Oberrabbiner aus Jerusalem an der Spitze der Gemeinde steht. Ich ließ eine Gemeindeversammlung berufen, in der ich es durchsetzte, daß man 4000 Francs als Gehalt für einen Lehrer und 2500 Francs für eine Lehrerin bestimmte. Es ist das dritte Mal, daß ich die heilige Stadt, an die sich unsere theuersten Erinnerungen knüpfen, daß ich Jerusalem besuchte; ich fand eine bedeutende Verbesserung der dortigen Zustände in Sitte, Leben, Handel, Wandel, Wohlstand; ich sprach zu meiner größten Freude Manche, die sich rühmen, keine Chalukah (Antheil an den Almosen, die von Europa ins heilige Land gesandt werden) mehr zu nehmen. Das Mayer Rothschild'sche Hospital, das wir vor 10 Jahren zu gründen das Glück hatten, findet im ganzen Orient seines Gleichen nicht, was die Nahrung, die Reinlichkeit und das grenzenlose Mitleid betrifft, welche es Allen ohne Unterschied der Religion im reichsten Maaße zu Theil werden laßt. Diese Anstalt ist ein wahrer Kidusch Haschem. Zwar sind die 18 Betten allein für Glaubensgenoffen bestimmt, doch werden über 6000 Kranke jährlich in demselben behandelt, und finden dort Alles, was sie zu ihrer Unterstützung brauchen. Christen aller Confeffionen, ebenso wie Muselmänner und natürlich alle Israeliten, die manchmal aus Kurdistan und der Bucharei, aus Persien und aus Indien, von Bagdad und von Sanarkaw, aus allen europäischen und afrikanischen Ländern dorthin kommen, finden daselbst Hilfe und Linderung ihrer Krankheit. Es ist ein wahrhaft erhebender Anblick, eine solche Anstalt gegenüber der (Ueberreste der westlichen Mauer des hl. Tempels) zu erblicken. Hr. Dr. Rothziegel, ehemals zweiter Arzt des großen Wiener Hospitals, und feine würdige Gattin erfüllen mit Rechtlichkeit und Zartheit ihre ebenso wichtige wie mühevolle Aufgabe. Die Anstalt für Wöchnerinnen, die Anstalt für Handwerker gehen ihren erprobten Gang. Es wächst eine Jugend heran, die sich von ihrer Hände Arbeit ernähren will und wird; ich habe auch einige junge Leute gefunden, welche dem Rufe des Herrn Rabb. Or. Kodak zu Bamberg zu folgen gedenken. Was den Ackerbau betrifft, so könnte man es im Kleinen versuchen, um zu sehen, ob die Bevölkerung diesem neuen ProjeKe zuspricht. In keinem Falle halte ich es für gerathen, mit großen Mitteln dreinzuschlagen. Die Häuser der Juda Turo-Stiftung außerhalb der Stadt sind im englischen Style erbaut und entsprechen vollständig ihrem Zwecke; die hvon den gesammelten Spenden erbaüten ArmenwöbMngen 'rw .iviiQ sind zwar »eniKer glcMend in ihrem Aeußern, er, ebenso solid in ihrem Muern; in ibnKN-apohnen bereits 40 Familien, und wenn Geld genug da sein wird, so können auf demselben Grundstücke noch für 200 Familien Häuser erbaut werden. In Jerusalem wohnen gegenwärtig circa 9000 jüdische Seelen, und in den übrigen Städten des heiligen Landes zusammen ca. 20000. Die meisten Einwanderer kamen in jüngster Zeit aus Polen, Marokko und Tunis. Im ganzen heiligen Lande macht sich gegenwärtig eine commercielle Bewegung geltend, am meisten in den Häfen von Jaffa und Chcü'ffa, wo sich demzufolge eine beträchtliche Anzahl jüdischer Familien niedergelassen hat; diese haben dort Magazine gegründet und Läden eröffnet. Die Anpflanzungen von Baumwolle, die ich in der Ebene von Saron bemerkt habe, die Gründung der Hafenstadt Port-Said, welche den größten Theil ihrer Bedürfnisse von Syrien her bezieht, endlich die Durchstechung der Landenge von Suez, das sind im Allgemeinen die Ursachen des wieder auflebenden Verkehrs. Einige Reste von Intoleranz, von denen unsere Glaubensgenossen bisher noch zu leiden hatten, verschwinden vor dem Geiste wahrhafter Toleranz, welcher den Generalgouverneur von Jerusalem, Jzzed Pascha, beseelt; er hat mir versprochen, unsere Anstalten zu überwachen und auch im Allgemeinen unsere Brüder zu schützen. Er hat sich bei mir entschuldigt, daß er noch nicht viel habe thun können. Er müsse erst den Geist der Bevölkerung studiren, um die Bedürfnisse derselben ermessen zu können. Auch hat mir der Generalvikar des heiligen Landes, Pater Joseph Charlotti de Coeldi, in Gegenwart des französischen Konsuls, des Herrn von Bonos, aus freiem Antriebe versprochen, dafür Sorge zu tragen, daß unsere Brüder, welche in der Nähe der Grabkirche wohnen, nicht mehr belästigt werden; die Kinder hatten nämlich die Gewohnheit, die vorübergehenden Juden mit Steinen zu werfen. Um uns hiervon zu überzeugen, begab ich mich mit Herrn Altaras Morgens um 10 Uhr in die Nähe der Grabkirche Am 29. Juli fand hier in Damaskus mir zu Ehren eine großartige Feier statt, welcher der General-Gouverneur Mehemed-Buchdi-Pascha und alle Konsuln beiwohnten. Ich hielt eine Anrede an den Pascha in arabischer und an die Konsuln in französischer Sprache. Ich rief jene schrecklichen Begebenheiten von 1340 ins Gedächtniß zurück und wies auf die seitdem so wunderbar veränderte Stimmung der Bevölkerung hin. Dnrauf hielt ich eine hebräische Anrede an die Gemeinde, der ich im Namen des Freiherrn v. Rothschild 2000 Fr. für die Schule

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.