Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-08-24 · Heft 34 (24.8.1864) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 34 (24.8.1864)
Date
1864-08-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447175--02832-2458193
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

456 Afrika. Tunis Ein hier sich aufhaltender englischer Missionär schreibt der „Jew. Int." Folgendes: „Die rebellischen Stämme, an deren Spitze ein Mann von großer Geschicklichkeit und Klugheit steht, durchziehen das ganze Land, gehen in die Städte und Dörfer, plündern die Einwohner und treiben die Europäer in die Seestädte, die sich auf die Schiffe flüchteten, welche bereit waren, sie aufzunehmen. Doch waren sie klug und gemäßigt genug, keinen Ausländer zu beschädigen, damit keiner europäischen Regierung Gelegenheit geboten werde, mit ihren Truppen zu interveniren. Der größte Exceß, den sie verübten, war vielleicht der zu Nabel, wo sie die Läden der Juden im Werth von einer Million Piaster plünderten, in ihre Synagoge gingen, einige 30 Gesetzrollen verbrannten und die erschreckten und muthlosen Juden selbst nach Tunis entkommen ließen. Mit einigen dieser unglücklichen Israeliten habe ich gesprochen, und sie zeigten wir einen rührenden Aufruf, den sie aufgesetzt hatten, und den sie nach Paris an ihren rühmlichst bekannten Glaubensgenossen, Herrn Albert Cohen, schicken wollen, in der Hoffnung, daß dieser Menschenfreund seinen Einfluß gebrauchen werde, für sie wenigstens theilweise eine Entschädigung zu erwirken." Marokko. Mogador Vor einiger Zeit sind der marokkanischen Regierung in Bezug aus die Behandlung der Juden in Marokko Vorstellungen gemacht worden, und es war zu hoffen, daß eine Besserung in dieser Beziehung eintreten würde. Folgende Mittheilung zeigt siedoch, daß sich diese Hoffnung nicht realisirt habe: „Das Publikum wurde vor einiger Zeit durch die Veröffentlichung eines Briefes erfreut, welchen der Premierminister von Marokko an Sir Moses Montefiore gerichtet hatte. Es wurde darin die Zusicherung ertheilt, daß die maurische Regierung das Edikt betr. die Verbesserung der Lage der Juden aufrecht erhalten wolle. Dem entgegen ist nunmehr einem Juden aus der Provinz Haha von dem Gouverneur derselben, Kaed El Hasain, der in Ayaga, ungefähr 20 Meilen von Mogador, residirt, eine schreckliche und grausame Behandlung zu Theil geworden. Ein junger Jude, erst 24 Jahr alt, behauptete, an einen Mauren eine Forderung von 90 Dukaten zu haben. Der Maure bestritt die Summe und behauptete, nur 70 Dukaten zu schulden. Der Gouverneur fand, daß der Maure im Rechte sei, und befahl, den Juden zu prügeln, weil er eine falsche Forderung gemacht habe. Aus seinen Befehl fielen 8 Soldaten über den Juden her und fingen an, ihn zu prügeln. Der Gouverneur ging unterdessen nach Hause, und ehe er noch zurückkehrte, hatte der Unglückliche 2000 Schläge erhalten, während die Soldaten, die sich ohne erhaltene Ordre mit dem Schlagen aufzuhören fürchteten, immerwährend auf den längst leblosen Körper loszuhauen fortfuhren. Die Juden der Stadt wurden dann aufgefordert, den Leichnam zu begraben, was sie jedoch, da es gerade Sabbat war, verweigerten; sie benachrichtigten ihre Glaubensgenoffen in Mogador zuvor von dem Vorfälle. Mr. Crocos, der amerikanische Consul setzte sich darauf mit den Consuln von England, Frankreich und Spanien in Verbindung. Sämmtliche Consuln wandten sich an den Gouverneur von Mogador, welcher dann dem Gouverneur von Ayaga Befehl ertheilte, den Leichnam nach Mogador zu senden. Dies geschah auch; da aber der Gouverneur von Mogador die Folgen fürchtete, wenn der wahre Sachverhalt an deu Tag käme, so schrieb er einen Privatbrief an den Gouverneur von Ayaga, in welchem er den zuerst ertheilten Befehl zurücknahm. Als nun der Leichnam bereits auf halbem Wege uach Mogador sich befand, wurde er von einem Trupp Soldaten ungehalten und zurücktransportirt. Die Consuln haben nun an die Gesandten der europäischen Mächte zu Tanger berichtet, und es steht zu hoffen, daß etwas Ernstliches geschehe, damit solche barbarischen Grausamkeiten sich nicht wiederholen mögen. (Times.) Hierzu ei»e Beilage. Verantwortlich« Redaction: Dr Lehmann. — Verlag der Le Ronx'schen Hofbuchhandlung. — Dampf'Schnellprrssendruck von I. GottSleben in Mainz.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.