Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2447141-2447174--02821-2458181- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Achish 2× ep/1003213
OCR text
446 Psalm 34, 1. Als David die Weisheit, Macht und Güte Gottes in der Erschaffung und in dem Schicksal des Menschen suchte, und die Größe derselben m allen seinen Verhältnissen bewunderte — dem menschlichen Geiste ist die Herrschaft über die Schöpfung verschieden, ihr durch Erfinden und Schaffen Kunstgebrloe abzugewinnen, und sich aus dem Vorhandenen eine unversiegbare Quelle ersprießlichen Heiles zu erringen — konnte er sich nicht bei der Erinnerung an den Zustand der Geisteszerrüttung der kummerschweren Empfindungen erwehren. Mangel, Krankheiten, Verluste und Leiden, sprach er, haben ihre vielfache vorteilhafte Bedeutung. Sie geben uns ein lebendiges Gefühl von unserem Unvermögen, von unserer Schwäche und Hinfälligkeit, und bewahren uns vor dem thörichsten Dünkel und Stolz auf den Besitz einer Kraft, welche sich selbst genug zu sein und durch sich selbst zu bestehen vermag. Eine solche Einbildung wandelt uns wohl an, wenn sich ein Tag des körperlichen Wohlbefindens und der glücklichen Erwerbsthätigkeit an den andern knüpft, und wir eine Lebensfülle und einen Lebenssegen m uns zu tragen vermeinen, welche jeder bedenklichen und nachtheiügen Einwirkung von Außen völlig gewachsen sein werden. Der Fromme benuumt sich water dem Drucke der Unfälle und Trübsale ruhig und gefaßt, setzt den verderblichen Schlägen männliches Ausharren entgegen, und wre sehr diese auch feine Wohlfahrt zu untergraben das Ansehen haben, er betrachtet sie in stetem Bezüge auf eine höhere Weisheit, die in das gemeinste Gewächs, in die unscheinbarste Wurzel die schmerzstillende und heilende Kraft legt, und durch unduichoringliche Finsterniß zum ewigen und beseligenden Lichte führt. — Welche vortheilhafte Bedeutung, fuhr er fort, hat aber das entsetzliche Uebel der Geisteszerrüt- Lung? Kann der Mensch m sich gehen, wenn der Verstand von ihm gegangen? Kann er von irgend einem Gefühl ergriffen werden, wenn Gefühllosigkeit ihn überfallen? — Und steht der Verrückte nicht da dem sechsten Schöpfungstag zur Schande? Gestern ein Mann, dem der ungeheure Raum der Natur zu seiner Thätrgkert aufgethan und heute eiu spielender, tändelnder Knabe; gestern weltberühmt und heute von losen Buben beklatscht und ausgepfiffen l — Das Aufhören eines denkenden Wesens, behauptet man, widerspricht der unendlichen Güte. — Widerspricht das Aufhören eines wesentlichen Denkens nicht ebenfalls der unendlichen Güte?-Mit welchem Rechte schließt man aus dem ersten Widerspruch dre Fortdauer der Seele üach dem Tode, wenn man noch während des Lebens die Richtigkeit und Stärke des zweiten Widerspruches, die fürchterliche Verwüstung der Seele, wahrnimmt? „David!" verwies der Allerheiligste den trüben Grübler, „du murrest wegen Geisteszerrüttung und erdreistest dich, mich zu meistern; du wagst dich in das unermeßliche Meer der Absichten bei meiner Leitung menschlicher Schicksale und wunderst dich, daß du keinen Grund findest — Kurzsichtiger! Wähne nicht, daß kein Sinn in dem Wahnsinn sei, du wirst einst in eine verzweifelte Lage kommen, mich um Verzweiflung noch anflehrn und einen Zweck dieser Krankheit zu deiner Rettung kennen lernen. — Als David vor Schaul in seinem Lande nirgend sicher zu Achisch dem König von Gath, dem Wohnorte des getödteten Goliath, dessen Schwert er mit sich genommen, floh, wurde seine Ankunft gleich dem Könige als ein günstiger Zufall angezeigt, den gefallenen Goliath zu rächen. „Gönne uns Genugthuung an dem Mörder unseres Bruders Goliath" sprachen mehrere vornehme Diener zum Könige Achisch. „Ich kann in Euer Verlangen nicht willigen, ernnederte der König, „ich muß meinem Gewissen Genüge thun, und den David nicht als einen Mörder behandeln lassen. Zwischen ihm und Goliath hat ein Zweikampf stattgefunden, der die Schlacht im Namen Aller entschieden. Vor dem Beginn des Kampfes wurde ausbedunaen, wer über den andern siegt, erhält die Herrschaft über die Besiegten; Diener dürfen ihren rechtmäßigen Herrscher i »cht tödten." — „Demnach," entgegneten die Diener lstimmig, „ist doch dieser David der König des Landes, — haben sie nicht von diesem in Reigen gesungen: Saul hat seine Tausende und David seine Myriaden geschlagen? — I. Samuel 2l. 12. Du wüst doch, theurer König, Deinem Gewissen auch hierin Genüge leisten, Deinem Throne entsagen, und den David, den Sieger der Schlacht im Namen Aller, als den König des Landes ausrufen? — Verzeihe, wenn wir Deiner erhabenen Einsicht gegenüber den Schleier zu lüften suchen, der die Ankunft Davids verbirgt, es ist kein gewöhnlicher Zufall, der ihn hierher geführt, sondern ern beabsichtigter wohl erwogener Zufall " — „Wie ist dies zu verstehen, ein beabsichtigter wohl erwogener Zufall?" —„Ec beansprucht und will es durchsetzen, daß das Land ihm zufalle l" — Der König stutzte und versicherte, daß diese Mittheilung ihm es zur Pflicht mache, Vorsichtsmaßregeln zu ergreifen, um sich dem Staate und den Staat sich zu erhalten. Als David melkte, daß man von seinem Aufenthalte Gefahr befürchtete, und man sich seiner zu entledigen bald beeifern w rde, wandte er sich zu Gott und schüttete in einem Gebet seinen Kummer aus. Allbarmherziger! der Du allen Deinen Geschöpfen in ihren Nöthen hilfst, wende auch mir jetzt De'ne Gnade zu. Ich habe eine schreckliche Thorhert begangen, daß ich hierher vor Saul meine Zuflucht nahm, in eine Mördergrube bin ich gerathen; o Allgütiger, laß mich in meinen Fehltritten nicht umkommen. Hast Du eine Thorhett begangen, erwieverte ihm eme himmlische Stimme, so begehe weitere Thorheiten, und unterstehe Dich nicht mehr aus der Thorheit zu /