Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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447 spotten! — David staunte und verfiel in eine tiefe Schwermuth, er konnte sich diesen himmlischen Spruch nicht anders als eine Strafe deuten, dafür, daß er immer von sich eine große Meinung hatte, und die Schwächen Anderer öfters belächelte. Ein geistreicher Gedankenblitz schlug jedoch plötzlich zündend in seine finstere Betrübniß und er ließ ein energisches Lebehoch auf die Narren ertönen. Narrheit! Narrheit! schrie er, iH eile in deine Arme, verzeihe, daß ich Dich bisher verkannt habe; ich wußte nicht, daß in Dir eine solche Kraft schlummert, die von geschickter Hand geweckt, Regenten und Helden übermeistert. Komme, begleite mich durch die Stadt, ich will etwas unternehmen, was ohne Dich mir gefährlich werden könnte, fürchte keine Verachtung mehr vor mir, nur vernichte den Ruf meines Verstandes. Er setzte nun seine Füße in Bewegung und sein Gang bekundete überall deu ausgemachten Narren. Er blieb aber dabei nicht stehen, er wollte für verrückt gehalten werden, und es ,dauerte nicht lange, so bildete seine Geisteszerrüttung t s allgemeine Stadtgespräch. Auf die Thüren des Sladtthores kritzelte er folgende Inschrift: Dringender Hilferuf, Gefahr im Verzüge! Das ganze Königliche Haus des Achisch steckt — in Schulden. Der K^nig selbst schuldet mir Hunderttausend, die Königliche Ehehälfte die Hälfte, Fünfzigtausend, wenn ich nicht bald Geld einnehme, werde ich Ihre Majestäten beim Kopfe nehmen lassen oder das Land einstreichen. Bürger schießet vor oder ich schieße vor. Euer ergebenster Landstreicher. Diesen Ruf wiederholte er auch schreiend auf der Straße, daß der Geiser ihm in den Bart herabfloß. Als man ihn vor dergleichen Aeußerungen mit der Drohung warnte, man werde ihn über die Gränze schaffen, lachte er laut auf: Bravq, rief er, denn Eure Unverschämtheit geht über die Gränzen man kann wohl bei Euch nicht auf dem Rechtsboden stehen Spaßet nicht. Ich kann Euch, Ihr mich nicht fassen, wer mich fassen will, kommt bald außer Fassung. Meine Seufzer weihe ich dem Himmel, meine zermalmende Schleuder dem frechen Possenreißer. — Während die Menge an diesen Auftritten sich belustigte, hatte der König indessen über Ausbrüche von Raserei in seinem Palaste bitterlich zu klagen; seine Tochter, die schon lange an überspannter Phantasie litt, verfiel in entsetzliches Schreien und Lärmen. Der Tumult im Palaste setzte sich mit dem von David veranlaßten Straßenauflauf in Verbindung, es herrschte allgemeiner Schrecken, daß Jeder befürchtete die Besinnung zu verlieren, wenn er noch länger bei den Scenen der Wahnsinnigen verweilte, und als man daher den rasenden David zum Könige brachte, ärgerte dieser sich und rügt es seinen Dienern gegenüber. Ihr sehet ja und überzeuget Euch immermehr von der Verrücktheil dieses Mannes, warum bringet Ihr ihn zu mir? Fehlt mir's an Wahnsinnigen, daß Ihr diesen bringet, seine Tollheit bei mir zu produciren? Ist es nicht bei mir ohnedies zum Tollwerden? Oder ist mein Palast ein Narrenhaus, daß dieser iu mein Haus kommen soll? Geht er etwa auf Freier- Füßen? Will der Wahnsinn sich mit Verrücktheit vermählen? Lastet ihn auf freien Fuß, diesen Mann schwindelte es auf der von ihm errungenen großen Höhe, er konnte sich darauf nicht halten, haltet ihn auch in seiner tiefen Erniedrigung nicht fest, er suche da- Weite. Als David feine Entlassung hörte, frohlockte er über den glücklichen Ausgang seiner Thorheit, daß er mit gesunden Gliedern und gesunden Sinnen davon kam; Thränenergüsse quollen vor Freude aus seinen Augen, daß ihm die Geheimnisse der göttlichen Leitung menschlicher Schicksale offenbart worden. O Du Ewiger, rief er jetzt aus, der Du mir Ernte des Heils verleihest, wo meine Unbesonnenheit Verderben gesäet, zu jeder Zeit will ich Dich preisen, beständig sei Dein Lob in meinem Munde. Ich danke Dir, daß Du Dich mir entwölkt hast, ich sehe Dein strahlendes Gewand. Jede Lage, jeder Zustand, worin Du den Menschen bringst, verkündet Deine Weisheit, Deine Huld und Deine L.ebe. Verwirrung umnebelt den Verstand, Deine Hilfe leuchtet dadurch dem Bedrängten, wo Deine Donnerwotken sich nicht sammeln, und keine Feuerströme vom Himmel stürzen, da haucht keine Blume Wohlgerüche und keine Frucht bietet Erfrischung. Du schlägst und belebest, Deine Name sei gepriesen in Ewigkeit. Nach dem Jalkut, Samuel 1. 21. 11.