Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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444 Ländern, aufgewachsen unter verschiedenen Sitten und verschiedenen bürgerlichen Verhältnissen, verschiedene Zunge redend, fremd einander, wurden sie durch kein Band vereinigt. Die materiellen Interessen theilten sie in Folge handelschaftlicher Concurrenz, die religiösen Interessen konnten nur in den Hintergrund gedrängt oder bei Seite gesetzt werden, da Jeder nur darauf bedacht war, sich zu nähren oder zu bereichern; die Stadt selbst, deren Bewohner größtentheils römischkatholisch sind, deren Vorurtheile gegen die Juden noch nicht geschwunden waren, waren der Ansiedelung der Juden nichts weniger als günstig. Schreckliche Erinnerungen an Verfolgungen, blutige und martervolle Gespenster aus dem Mittelalter hatten noch in der zweiten Hauptstadt Frankreichs ihren Sitz; der Regenbogen des Bundes zwischen Bürgern eines und desselben Staates, selbst wenn ihre Religionen verschieden, zeigte sich dort noch sehr schwach. Und doch „haben sich die zerstreuten Gebeine des Hauses Israels vereinigt, wurden bedeckt mit Fleisch und Muskeln, wurden zu einem Körper und der Geist des Lebens beseelte sie". Die Einwanderer aus Nord und Süd haben sich gefunden, haben sich verstanden, haben sich miteinander verbunden und haben dem Herrn einen Altar errichtet. Wie die kleine Familie Jakobs, verpflanzt unter eine fremde Sonne, „wurden sie zahlreich, wurden sie mächtig und Gott gründete ihnen Häuser" 2'22 2.-,- p),', IOLP'1 Wie die Familie Jakobs wurden die Israeliten in Lyon mächtig durch ihr musterhaftes Betragen, durch ihre Rechtschaffenheit und die strenge Biederkeit, die sie bei ihren Handlungen entwickelten, durch ihren verträglichen und brüderlichen Sinn, den sie ihren christlichen Mitbürgern gegenüber zeigten, durch die Dienste, die sie bei allen Gelegenheiten der Stadt, dem öffentlichen Interesse oder leidenden Privatpersonen durch ihre Ergebenheit, ihre Vaterlandsliebe oder ihre Börse erwiesen; endlich durch einen Grad außerordentlicher Bildung, der unfern Glaubensgenossen in Lyon, ungefähr 1200 an der Zahl, zu einem der nützlichsten, glänzendsten und hervorragendsten Theile der beträchtlichen dortigen Bevölkerung von 400,000 Einwohnern macht. Man kann sagen, daß sie durch ihr musterhaftes Betragen von einer katholischen Stadt die im Gesetze ausgesprochene Emancipati'on des Judenthums adoptiren und sanktioniren ließen. Die Einwohner Lyons fühlen sich glücklich, den Segen und das Glück ihrer israelitischen Mitbürger zu sehen, weil sie die reine und würdige Quelle dieses Segens und Glückes kennen, und wissen, welcher Gebrauch davon gemacht wird. Sie sagten sich mit Dav:d: „Wir bewohnen Häuser von Cedern und die Lade des Allerhöchsten ruht unter Zelten," und versammelten sich eines Herzens und eines Sinnes, um ein würdiges Heiligthum dem Gotte unserer Väter zu erbauen und Ihm in der Mitte der andern Glaubensbekenntnisse eine glänzende Huldigung darzubringen. Aber das ist nicht daS einzige Opfer, das sie sich auflegten zur Pflege unseres heiligen Glaubens. Sie brachten beträchtliche Opfer, um in, ausgezeichnetem, einer großen Gemeinde würdigem Maßstabe für Unterricht, Almosen und andere religiöse Einrichtungen sorgen zu können. Bei jeder frommen Unternehmung waren der Eifer und die Opferbereitwilligkeit bemerkenswerth und rührend; Männer und Frau.n, Jünglinge und Jungfrauen, alle wetteiferten, wie bei der Erbauung des Stiftzeltes, ihre Gabe auf dem Altar niederzulegen. Ein jüdisches Spital fehlte noch, und jetzt wird auch noch dieser Mangel gehoben werden, denn man ist im Begriffe ein solches zu bauen. Ohne Geschichte, ohne Ueberlieferung und ohne Vergangenheit wird diese junge Gemeinde der Grund einer großen Zukunft, ein ruhmvolles Blatt in den Annalen des franz. Judenthums sein. Fügen wir noch hinzu, daß diejenigen Männer, welche an der Spitze der Gemeindeleitung stehen, ihre schöne und heilige Aufgabe begreifen. Wir nennen Herrn Joseph Simon, Herrn Joseph Gugg ende im, Herrn Rabb. Weinberg und Herrn Cantor Cahen Am 25 Juni fand die Einweihung der neuen Synagoge statt. Während des Aufrufs zur Thora wurden 40«-0 Fr. zu wohlthätigen Zwecken gelobt. Bei einem Festessen, welches das Mitglied des Consistoriums. Herr Marx, gab, brachte dessen Schwager, Herr Laville, einen Toast auf den anwesenden Oberrabb. des Centralconsistoriums, Herrn Ulmann, aus und bot bei dieser Gelegenheit zur Gründung eines Hospitals ein Haus mit einem großen Garten dar. Es ist uns nach allem Diesen wohl gestattet, die Erwartung auszusprechen, daß die isr Gemeinde zu Lyon einer günstigen Entwickelung entgegen gehe. England. London, 1. Aug. Sie haben, geehrter Herr, unlängst die Gewogenheit gehabt, den Brief zu veröffentlichen, welchen ich an Se. Excellenz Sid Taib El Paminy, den Oozier oder Premierminister Sr. scherifianiichen Majestät, des Sultans von Marokko, zu richten die Ehre hatte. Auf diesen Brief.habe ich eine sehr gnädige Antwort erhalten; aus derselben geht das Wohlwollen der maurischen Negierung und ihre Absicht und ihr Wunsch hervor, das kaiserliche Edikt aufrecht zu erhalten; ich glaube, daß die Veröffentlichung dieser Antwort dem Publikum angenehm sein wird. Ich habe die Ehre, zu verharren, geehrter Herr, Ihr ergebener Moses Montefiore.