Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-08-17 · Heft 33 (17.8.1864) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 33 (17.8.1864)
Date
1864-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447174--02816-2458176
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

441 tauschen Act habe beglaubigen lasten. Kurze Zeit darauf trat die Besitzerin des Bauernguts dasselbe au ihren Schwiegersohn ab, welcher gegen den ohne sein Wissen abgeschlossenen Pachtvertrag Anstand erhob und denselben anulliren wollte. Der Bauer tritt klagbar auf und das Bezirksamt in M. erläßt einen Bescheid, durch welchen der Vertrag für null und nichtig erklärt, und der Jude angewiesen wird, die Löschung desselben zu veranlassen, und zwar auf Grund eines Ministerial - Erlasses vom 29. Aug. 1861, nach welchem ein Jude, der einzelne Grundstücke von Bauerwirthschaften pachten will, vorher die politische Bewilligung einholen muß. Gr.-Meseritsch (Mähren), am 4. August. Die letzten Tage des verwichenen Monates waren für unsere Gemeinde freuden- und ehrenvolle Tage. Es wurde nämlich die Neuwahl des Stadtrathes vorgenommen, und sechs der angeseheneren israelitischen Gemeindeglieder in die Stadtrepräsentanz gewählt, und zwar der intelligente Herr Wilhelm Bäck, Liqueurfabrikant, dessen Fabrikat in der letzten Londoner Kunstausstellung mit der Preismedaille gekrönt wurde, als Gemeinderath; ferner wurden in den Ausschuß ausgenommen: unser um Gemeinde und Schule hochverdienter, beliebter Cultusvorsteher Herr Ignaz Beer, ebenso die ebenfalls um das Wohl unserer Gemeinde sich wacker bestrebenden Vorstandsmitglieder Herr Gerson Müller und Herr David Kellner, sodann die Herren Elias Löwenstein und David Suschny. Diese in den Gemeinderath gewählten Herren wurden sämmtlich von dem hier allgemein geachteten, seit einem Zeiträume von mehreren Jahren fungirenden, und bei der jedesmaligen, so auch bei der jetzt stattgehabten Wahl neuerdings mit Akklamation zum Bürgermeister ernannten Herrn Franz Kall ab zu einem Festdiner geladen, bei welchem Anlasse sich der wahrhaft religiöse Sinn unserer Gemeinde auf die eklatanteste Weise zeigte, indem die dem Festmahle anwohnenden jüdischen Gäste des Stadtrathes sich ihre Speisen aus einer jüdischen Traiterie kommen ließen. Dieses Nichtaußerachtlassen unserer heil. Religionsvorschriftkn hat, wie wir wissen, auf die ganze anwesende Versammlung einen vollkommen befriedigenden Eindruck hervorgebracht. Ja, jene Herren haben durch eine solche Handlungsweise dargethan, daß Gr.-Meseritsch nicht umsonst den Namen einer jüdisch-gesetzestreuen, streng frommen Gemeinde verdienet Diese durch ihre Gottesfurcht ausgezeichnete Gemeinde hat jetzt einen Seelenhirten in ihrer Mitte, der ihr in der Gottesfurcht vorangeht. und der durch fein frommes Leben und Wirken in einem kurzen Zeiträume von kaum zehn Monaten so Vieles zur Hebung und Festigung der Gottesfurcht, zur Wiederanpflanzung des hier leider seit Jahren vernachlässigten Studiums der Thora und des Talmuds und zur Versöhnung und Eintracht der Gemüther geleistet hat. Es ist dieß unser Herr Rabbiner, Ur. Feil bogen, dessen Berufung hieher für den hiesigen Ort schon deshalb von Bedeutung war, weil dessen Vater, der greise Rabbiner Herr Josef Feilbogen, dermalen in Holle schau (Mähren), vom Jahre 1823 bis 1840 das hiesige Rabbinat ruhmvoll bekleidete; sein Name wird hier noch immer nur mit Ehrfurcht von Jedermann genannt. Dieses unsere christlichen, wie jüdischen Mitbürger ehrende Wahlresultat läßt jene finsteren Schatten der Zwietracht, welche einst hier wie böse Dämonen aufstiegen, rn die Nacht der Vergessenheit zurückweichen, um den Lichtstrahlen der Brüderlichkeit und Eintracht den Platz zu räumen. Alexander Winterberg, g. Hauptschullehrer. Aus Jzsaak (Ungarn) wird dem Pesther „Naplo" von einer schrecklichen Feuersbrunst, die am 29. Juli wüthete, Folgendes geschrieben: Wahrscheinlich iu Folge absichtlicher Brandlegung brannten das Haus des Rabbiners, das große Gemeinde-Wirthshaus, die Fleischbank, zwei große Mühlen, ein Mühlhaus, die Mische Schule, das Haus einer armen Wittwe, die Wohnung des Glöckners, das Vadehaus, die Synagoge und der Friedhos ab. Das Schrecklichste ist, daß diesem Brande sechs Menschenleben zum Opfer fielen, und zwar die sechs Kinder des Rabbiners: dessen schöne 19jährige Tochter, die verlobt war, — ein 24jähnger Schneidergeselle, — ein lljähriger Jüngling, der seinem Vater beim Unterricht half, — ein l3jähriger Knabe und zwei Mädchen von 11 und 9 Jahren. Am schrecklichsten ist die Lage des Rabbiners, der abwesend ist und, wenn er mit der Mitgift seiner Tochter nach Hause kommt, nur Trauer und Ruinen finden wird. Italien. Turin, 31. Juli. Ueber das schon mitgetheilte Factum entnehmen wir dem Sch. M. folgende ausführlichere Darstellung: Der einst vielbesprochene Raub des Judenknaben Mortara von Bologna durch die römische Geistlichkeit hat sich jüngster Tage zu Nom unter erschwerenden Umständen wiederholt Der Sohn eines Israeliten, Michael Kohen, im Alter von 10 Jahren, arbeitete bei einem christlichen Schuhmacher an der Brücke Qnattro Capi Nr. 13, als dieser Tage unerwartet ein Geistlicher erntrat und einen Schuh ausbessern ließ, den er durch den anwesenden israel. Jungen nach Hause getragen haben wollte. Zugleich erklärte er, auf die Ausbesserung warten zu wallen, um dann den Knaben begleiten zu können, da es doch möglich wäre, dieser könne sich in der Straße oder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.