Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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438 Gottes leeres Ceremoniell, und was uns der Herr auch geboten, uns ist Alles heilig. Als Schäul, der von Gott erwählte König Israels, gegen die Amalekiter gesandt wurde, da hatte er den Auftrag, Amalek zu vertilgen bis auf das letzte Angedenken; er aber sprach: „Wenn die Menschen auch gesündigt haben, was hat das Vieh verbrochen; wenn auch die Erwachsenen gesündigt haben, was haben die Kinder gefehlt; wenn auch die Männer gesündigt haben, was haben die Weiber gethan?" Und er vollführte den ihm gewordenen Auftrag nicht zu seinem eigenen Verderben und zum höchsten Nachtheile Israels; und der erzürnte Prophet spricht zu ihm 112:2 p2°? .-2.1 2'S121 s'XI »12 22p 2X2,1 '2 2'!?'X 2^>22 2'L7P.1^> 2'2 1LS2 „Siehe, gehorchen ist bester, als,Opfer, gehorsam sein, als das Fett der Widder; denn Sünde gleich Zauberei ist Widerspenstigkeit, und Unrecht und Götzendienst Ungehorsam." (1- B. S. Kap. 15, V. 22 u. 23 ) Kein Opfer kann den fehlenden Gehorsam ersetzen; sonderbarer Weise wird dieser Ausspruch des Propheten mit noch mehreren anderen Aussprüchen der Propheten, die sich anscheinend gegen die Opfer erklären, von jüdischen und nichtjüdischen Feinden des Judenthums mißbraucht, um zum Ungehorsam zu verleiten. Der Sinn ist einfach der: Nicht gegen die von Gott vorgeschriebenen und gebotenen Opfer eifern die Propheten, sondern gegen die freiwilligen Opfer, welche den Mangel an Gehorsam ersetzen sollen. So heißt es auch (Jer. 7, 22 ): „Denn Ich habe nicht geredet mit eueren Vätern und habe ihnen nicht befohlen am Tage, da Ich sie aus dem Lande Aegypten führte, wegen Ganzopfer oder wegen Schlachtopfer;" auch hier ist nur von freiwilligen Opfern die Rede. Zu den Zeiten des Propheten gab es Menschen, die da die Gebote Gottes täglich und stündlich mit erhobener Hand verletzten, dagegen Gott zu ehren glaubten, wenn sie recht viele freiwillige Opfer darbrachten. Gegen diese wendet sich der Prophet. Gerade so wie es in unfern Tagen Menschen gibt, welche die Sabbate und Feiertage, die Ehegesetze und die Speisegesetze entweihen und verletzen und dann durch Almosengeben, Synagogenbauen und dergl. ihrer religiösen Pflicht zu genügen vermeinen; aber den fehlenden Gehorsam kann kein Opfer ersetzen, und wie die Zauberei ein unbefugtes Eingreifen in die göttliche Weltordnung ist, ebenso der Ungehorsam; er gestaltet das Leben zu einem nichtigen, zu einem Inhalts- und zwecklosen (px von px); der Ungehorsam gleicht dem Götzendienste, denn er macht den eigenen Willen zum Gott und folgt ihm, dem Willen. Gottes entgegen; deßhalb befiehlt das Gotteswort 221221 ihr sollt euch in Acht nehmen vor Übertretung, ihr sollt ängstlich besorgt sein, damit ihr euer Gewissen nicht belastet; aber auch zugleich 22'Vpi, ihr sollt thätig erstreben, das zu vollziehen, was Gott euch zu thun geboten, und zwar indem ihr immer da- 2pp berücksichtigt, da-, was nur unbedeutend erscheint. III. „Und der Ewige, dein Gott, wird dir halten den Bund und die Liebe, die Er zugeschworen deinen Vätern, und Er wird dich lieben und wird dich segnen und wird dich vermehren, und Er wird segnen deine Leibesfrucht und die Frucht deines Erdreichs, dein Getreide und deinen Most und dein Oel, den Ertrag deiner Rinder und die Geburt deiner Schafe auf dem Erdreiche, welches Er zugeschworen deinen Vätern, eS dir zu geben, gesegnet wirst du sein mehr, als alle Völker." Das ist der Erfolg des Gehorsams. Nur unter der Bedingung des Gehorsams unsererseits ist ein Bund möglich zwischen Gott und uns. Wir haben oben schon nachgewiesen, daß wir zum Gehorsam verpflichtet sind; Gott aber hat uns das Gnadengeschenk der Freiheit gegeben, durch die der Gehorsam ein Verdienst wird. Um die Menschheit zum Gehorsam zu erziehen, hat Gott unsere Väter erwählt und mit ihnen einen Bund geschloffen, damit ihre Nachkommen das Werkzeug werden in Seiner Hand zur Beglückung des Menschengeschlechts. Dadurch aber ist Israel in einen Gegensatz gesetzt zu allen Nationen. Es hat die höchste Aufgabe unter allen Völkern des Erdbodens zu vollführen und hat dafür den Neid, die Eifersucht, den Haß des Menschengeschlechts sich zugezogen; bleibt nun Israel treu seinem Gotte, und beharrt es im Gehorsam gegen Ihn, so bewahrt ihm Gott Seinen Bund und hält es hoch empor, so daß kein Mensch und kein Volk ihm etwas anzuhaben vermag. Dann ist Israel groß und mächtig. Dann liegen die Völker vor ihm im Staube und huldigen ihm. Dann wird Israel bewundert, der Haß und der Neid der Völker verschwinden oder werden umwandelt in das Verlangen, dem Volke Gottes ähnlich zu werden. Dann ist Israels Aufgabe erfüllt. Daß Israel seine Aufgabe erfülle, dazu hat jeder Einzelne das Seinige beizutragen. „Und der Ewige, dein Gott, wird dir halten den Bund und die Gnade, die Er zugeschworen deinen Vätern;" sowie Er Seinem Volke im Allgemeinen Seinen Bund halten wird, so wird Er über jedem Einzelnen Seine Gnade walten lassen Ja, die besondere Gnade Gottes ist nothwendig, uns zu schützen und zu stützen, damit wir in der Treue und im Gehorsam selbst da verharren, wo rings um uns Alles uns zur Untreue und zum Ungehorsam verleiten möchte. Groß ist die Verführung in unserer Zeit. Mit falschen Phrasen, mit verkehrter Deutung, mit frevelhafter Entstellung und Verkehrung des Bösen in das Gute, der Finsterniß in Licht, der Lüge in Wahrheit kirren die falsch n Propheten unserer Zeit die der Erleichterung undAbschüt- X