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Der Israelit · 1864-08-10 · Heft 32 (10.8.1864) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 32 (10.8.1864)
Date
1864-08-10
Page
– (sequence 10)
Language
German
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432 Gebet war vom besten Erfolg, das Gemüth jener Hartherzigen wurde geläutert und umgewandelt durch Buße. Berachot Fol. 10. Jetzt fragen wir: In den Psalmen gibt es viele Stellen, die Gebete wegen Vernichtung der Boshaften enthalten, wie so vermuthet die gelehrte Berurja, daß ihr Mann seine Verwünschungen nur mit erwähntem Verse rechtfertigen kann? — Welcher Unterschied ist zwischen Chatoim und Chotim? Eine mehrhundertjährige Auffassung übersetzt Ersteres „Sünden," Letzteres „Sünder," wonach man annehmen muß, daß die derartige Vokalisation eine andere gewesen, das Chet des Wortes Chataim in erwähntem Verse stand vocalifirt mit Chateph-Pathach nicht mit Pathach, wie die jetzige Vokalisation behauptet. Wird aber durch Annahme einer veränderten Leseart nicht die Festigkeit der Ueberlieferung erschüttert? Leiten sich nicht viele Gesetze von der Vokalisation her? — Zur Verhütung von aus einer schwankenden Leseart zu ziehenden Folgerungen behaupte ich, daß die Vokal- - bezeichnung Chataim zur Zeit der Verfassung des Tal-! muds eine und dieselbe war, wie die Tradition uns gegeben, und leite die Beantwortung vorstehender Fragen mit einer Frage ein. Der Fluch, die Chataim mögen schwinden von der Erde, schließt einen Psalm voll höherer und frommer Begeisterung für die wunderreiche Schöpfung. Woher kömmt es, daß dem Verfasser dieses Psalmes, in dessen Gemüth die Freude an dem Schöpfer mit der Freude an seinen Geschöpfen sich ver inigt, eine solche Verwünschung entströmte? — Wie hängt der überschwängliche Naturgenuß mit dem Fluche gegen die Widerspenstigen zusammen? — Begreiflicher Weise wohl daher: Bei seinem Vertiefen in das Erhabene und Große des Weltalls strömen dem heiligen Sänger Eindrücke der Schönheit und der Pracht, des Gesetzes und der Ordnung, der Gerechtigkeit und der Liebe von allen Seiten zu und aus der Beschaffenheit dieser Eindrücke ergibt sich ein Haß gegen das Häßliche, Gesetzlose und Verabscheuungswerthe; es verwundet und empört den Frommen, daß, wo Alles seinen gemessenen Gang geht, wo selbst GLHrungen und Störungen, Orkane und Erdleben, Überschwemmungen und Feuer ihr Maß und ihre Gränze halten, nur der Mensch allein vom Rechte abspringt und immer frevelt, und bald über stillen Gräueln brütet, und bald in unheilvollen Ausbrüchen dahertobt; es verwundet und empört den Frommen, daß, wo so viele Quellen der Labsale und der Annehmlichkeiten sich öffnen, wo eine unübersehbare Menge von Ergötzungen für jeden Sinn sich darbietet, und eine nie auszudenkende Liebe und Gerechtigkeit Gottes jeden Tag gegen alle Wesen zur Befriedigung ihrer Hoffnungen, zur Stillung ihrer Bedürfnisse und zur Erfüllung ihrer Wünsche sich offenbart, der Mensch allein, den Er zum Verwalter aller Schätze der Natur erhoben, so oft klügelt und klagt, murrt und meistert, und die Lebensblüthen zerstören will, die seinen Weg zur ewigen Freude beglücken sollten. Erbittert über die Willkür in der Menschenwett, die nur froh werde« kann, wenn sie alle Bande des Gesetzes, des Friedens und der Wohlthätigkeit zerreißt, und ihrem Gelüste ohne Rückhalt fröhnt, kann sich der Psalmist des Gebetes nicht erwehren, mögen die frechen, halsstarrigen und unverbesserlichen Sünder von der Erde schwinden! *) — Ja, prüfender Leser! diesen Unterschied mache ich zwischen und Ersteres heißt mehr, er sündigt, aus momentaner Veranlassung; Letzteres aus Uebermuth und Prinzip, ein Sünder, eben so 22) und 222, und welches Letztere einen solchen bezeichnet, der schon mehrere Beweise der Verzeihung gegeben, daß er für einen gütigen, zuverlässigen Verzeiher gehalten wird. — Der Talmud hat für letztere Bedeutung die Form sA-N, ^!2- Emen Beleg für die Richtigkeit meiner Bezeichnung gibt die Msschnah in Chagiga, Abschn. 1,7: R. Schimeon Sohn des M-maßja sagt: „Was heißt ein Fehler, der nicht zu verbessern ist? Wer in Blutschande einen Bastard gezeugt, der hat etwas begangen, was sich nicht verbesferungsweise ändern läßt. Willst du dieses von einem Diebe oder von einem Räuber behaupten, -,2-rri O« 2NZ2, urtheilst du nicht richtig, denn dieser kann ja das Gestohlene wiedergeben und den Fehler wieder gut machen. Hier steht nicht 222, weil von unverschämten, halsstarrigen und berüchtigten Dieben eine Besserung, eine Zurückgabe schwerlich zu erwarten sein dürfte. — Noch einige Beispiele fg22 und N2L2, und 2^12 und letztere setzen eine Gewandtheit und Tüchtigkeit in der Sache voraus. — Einen weit triftiger» Beleg, wo meine Regel sogar gesetzlichen Einstuß hat, entnehme ich aus dem Talmud Baba Meziah Fol. 33, t. Zu dem Gesetz 2. B. M. 23, 5: „Wenn du stehest den Esel deines Feindes erliegen unter seiner Last, und du wolltest anstehm, sie ihm abzupacken — sofort hilf und packe sie ihm ab," wird dort die Beschränkung hinzugefügt, „nur dann liegt diese Verpflichtung ob, wenn der Esel zufälliger Weise erliegt, wenn ihm aber das Hinfallen und Niederlegen eigen ist, hört die Verpflichtung des Abpackens auf", und wird diese Dispensicunz davon *) Ganz analog, Amos 9, 10: „Durch's Schwert werde» alle Sünder meines Volkes 'Op '«2^ ^2 (nicht Chote —) sterben, die da sprechen: Es wird das Unglück nicht herantreten und uns überfallen." Wenn gottesverzefsene Uebermüthige Ungerechtigkeiten aller Art sich erlauben und denken : Nichts kan« ünk schaden, dann weg mit ihnen für immer.

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