Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1864)
- Date
- 1864-08-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Rr. 32 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Würzburg, am 7. August. Es ist gewiß nicht anzunehmen, daß, wenn in einer Zeitschrift irgend ein neues Werk besprochen, mag es nun gelobt oder getadelt werden, der Recensent allem in dem betr. Werk Gesagten, dessen er nicht erwähnt, seine Zustimmung erlheilt. Anlehnend an das eben Besprochene möchte Einsender Sie darauf aufmerksam machen, daß das von Ihnen in Nr 31 besprochene Werkchen „Spinoza" von I. B. Lehmans, Manches enthält, was weder Sie, noch ich gut heißen möchten. So wird S. 26 über unsere heiligen Schriften in einer Weise gesprochen, wie dieses wohl einer' profanen Literatur gegenüber angemessen wäre; ebenso spricht der Verf. S. 47 in der o5. Anmerkung über den gegen Spinoza ausgesprochenen Bann in einer Weise, die sich schwerlich vor dem Forum der jüdischen Codices aufrecht erhalten lasten dürfte. Vers, sagt nämlich: „Cs ist selbstverständlich, daß wir in unserer Verteidigung des Verfahrens der Rabbinen uns ganz in die Verfassung des Geistes der damaligen Zeit hineinleben, ohne die theoretische Frage zu berühren, in wie fern eine Religionsgesellschuft an und für sich berechtigt sei, gegen ihre Mitglieder das Anathema auszusprechen, eine Frage, die bekanntlich von Mendelsohn wiederholt und in beredter Sprache verneint wurde." — Ich frage Sie nunmehr, Herr Redacteur, kann ein jüdischer Theologe, der das in Frage stellt, was von Talmud und Schulchan-Aruch ganz außer Frage als Gesetz geboten ist, „zu den schönsten Hoffnungen berechtigen"? — (Wir hatten die betr. Anmerkung übersehen. Ned.) Preußen. Jnowraclaw, 2. August. Heute Morgens brachte uns der Telegraph die Trauerbotschaft von dem im KOsten Lebensjahre erfolgten Dahinscheiden unseres hochgeschätzten Mitbürgers, des Rathsherrn Fa bisch Szkolny. Nach fünfmonatlicher Krankheit hoffte er in Berlin, wohin er sich auf ärztliches Nnrathen begeben hatte, Wicdergenesung von seinen schweren Leiden; allein ein schneller Tod vereitelte bald jede Hoffnung. In Szkolny verliert die Stadt einen Mann, der durch seine Menschenfreundlichkeit und Mildthätigkeit in des Wortes wahrster Bedeutung dem Gedrückten, dem Verlassenen, der Wittwe und Waise Hülfe und Stutze gewesen, der nie sein Herz den Leiden Anderer verschloß, nie zurückstand, wo es galt, Noch und Elend zu lindern. Als Mitglied des Magistrats-Collegiums und Vorsteher der Repräsentanten hiesiger jüdischer Gemeinde durch eine lange Reihe von Jahren, trat er mit allen seinen Kräften für das Beste der Stadt ein, und verdankt ihm namentlich die jüdische Gemeinde so Manches, was zu ihrem Gedeihen beiträgt. Daß bei solch* früh vollendeter Wirksamkeit eines Medermannes unsere Stadt einen schmerzlichen Verlust erleidet, begreift schon Jeder, der nur Gelegenheit gehabt hat, einzelne Züge aus dem Leben des Verblichenen zu hören; gerecht ist daher die Trauer um ihn; in ihrer Allgemeinheit bekundet sie zur Genüge, daß nicht blos seine Familie, sondern die ganze Stadt und Umgegend den herben Verlust schmerzlich empfindet. — Friede seiner Asche! Italien. Turin, 1. August. Man schreib: der „Opinione" aus Rom vom 26. Juli, daß ein zehyjähriger Judenknabe, Sohn des Michel Coen, der bei einem Schuhmacher Lehrling war, von einem Priester unter dem Vorwände, daß er ein Paar Schuhe nach seiner Wohnung tragen sollte, gewaltsam nach den Catechumenen gebracht worden ist, und daß man dem ihn reclamirenden Vater bis jetzt die Wiederherausgabe des Knaben verweigert hat. Auch die Reklamationen der israelitischen Synode waren ohne Erfolg geblieben. Feuilleton. Auszüge von Erzählungen, Gleichnissen, Gedanken und Meinungen, wie Erklärungen von Schriftstellcn aus hebräischen Werken. Von Joseph Larvier in Lreslan. Von bösen Menschen in seiner Nachbarschaft mit Plackereien überhäuft, brach Rabbi Morin Verwünschungen gegen sieaus und war im Begriff, den Tod derselben zu erflehen. „Nicht doch!" mahnte ihn seine FrauBerurja: „Worauf gründet sich Deine Meinung, den Tod der Bösewichter erflehen zu dürfen?" Ahmst Du etwa dem Psälmistcn nach, der da betet, Psalm 104, 35: „Es wögen schwinden die Chataim von der Erde;" steht denn etwa „Cholim," „Chataim" steht ja! — Bequeme Dich auch, mein Lieber, zu dem Nachsatz dieses Verses: „Und die Frevler werden nicht mehr sein," wenn die Chataim verschwunden sind, dann hat es auch mit den Frevlern ein Ende; — bete vielmehr für die Bekehrung dieser plagenden Nachbaren, daß sie ihre Bosheit lasten und ein anderes Betragen am nehmen. Rabbi Mor befolgte ihren Rath, und sein