Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1864)
- Date
- 1864-08-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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428 davon entfernt haben, das hat der scharfsinnige Redner außer Acht gelaffen. Als ein Mergentheimer Advokat und zwei Duodezgemeindcvorstände telegraphisch ihre Zustimmung im Voraus zu Allem, was beschlossen werden wird, einsandten, gerieth der Vorsitzende in solche Begeisterung, daß er ausrief: „Die ganze deutsche Judenheit wird mit Verwunderung auf uns schauen!" Es mag daran etwas Wahres sein. Man wird mit Verwunderung auf den Fanatismus der Reform und die Gewissenstyrannei schauen, welche im Kopfe von Leuten spukt, die beständig die Worte Bildung, Intelligenz, Gleichberechtigung im Munde fuhren. Als ich die alte Reichsstadt verließ,-fiel mir der Vers von Claudius ein: „Erleuchtet das Jahrhundert ist; Der Esel Stroh und Disteln frißt!" und obschon nur alle poetische Begabung mangelt, so fühlte ich mich doch versucht, folgende Travestie in mein Notizbuch zu schreiben: „Erleuchtet muß man die Eßlinger preisen, Die zu Juda's Heil Schweinebraten speisen." Preußen. Thorrr. Auf die von fast sämmtlichcn jüdischen Gemeindegliedern, die ihre Kinder das hiesige königl Gymnasium resp. Realschule besuchen lassen, besonders eingereichten Gesuche um Freigebung des zwerten Feiertages der Israeliten, hat das königl. Provinzial-Schulkollegium einem Mitglied« zur Mtttheiluug an die übrigen Gesuchstell er eine Antwort zukommen lasst n, wonach l) die jüdischen Schüler wegen ihrer verhältnißmäßig großen Anzahl - es besuchen ungefähr 60 das Gymnasium — in Bezug auf den zweiten Feiertag nicht besonders berücksichtigt werden können; 2) der zweite Feiertag als nicht biblische, sondern nur talmudische Satzung, unberücksichtigt bleiben müsse. Die Gemeindemilglieder werden sich nunmehr an das Kultusministerium wenden und sollte auch dieses die obige Ansicht theilen, eine Petition an beide Häuser des Landtages vorbereiten, da das «üb 2 aufgestellte Prinzip ein für die jüdischen Gemeinden sehr unangenehmes werden konnte, da sie nach demselben zu Karäern (Karaiten, Karäer, jüdische Dissidenten, welche im Oriente und auch stellenweise in Polen verbreitet sind) gestempelt würden, die bekanntlich nur an der Bibel und nicht an den talmudijchen Vorschriften festhalten. Donaufürstenthümer. Aus den Donaufürstenthümern wird der Wiener „Presse" Folgendes geschrieben: „Das Ministerium Cogolnitscheano laßt in den ihm zur Verfügung stehende» Journalen das Geschimpfe gegen die Israeliten «nt wahrer Furie betreiben, und man muß erst den rumänischen, oder besser gesagt wallachischen Sprachschatz kennen, um zu wissen, was solch ein wallachisches Geschimpfe bedeute. Deutsche Leser haben keinen rechten Begriff hievon, und man müßte die Essenz sämmtlicher Jahrgänge der juoenfeindlichen Blätter zusammennehmen, um die Ausfälle gegen die Israeliten in der heutigen Nummer dss „Bucinmul" allein zu erhalten. In Folge von Privat-Angelegenheiten eigenthümlicher Natur, auf die ich wohl noch znrückkommen werde, ist Herr Cogolnitscheano seit jeher ein Judenfeind und hat dies oft genug, sobald sich nur Gelegenheit dazu darbot, an den Tag gelegt. Gegenwärtig ist aber das Moment hinzugekommen, daß sich eben das Ministerium Cogolnitscheano, weil es von den Bojaren, Geistlichen, Demokraten — kurz der gesammten Intelligenz refusirt wird, seine Anhänger unter der großen unwissenden Masse des Bauernvolkes suchen muß und demgemäß mit dem Schimpfen auf die Israeliten eigentlich nur auf den religiösen Fanatismus und die rohe Intoleranz dieser untersten und unwissendsten Volksklasse spekulirt. Unter solchen Umständen und unter dem Eindrücke dieser ministeriellen Judenhetze bleibt es immerhin fraglich, ob die Bemühungen der Israeliten, sich die rechtliche Möglichkeit des Grunderwerbes zu eröffnen, von Erfolg gekrönt sein werden. In dieser Beziehung entfalten die achtbarsten Männer der Israeliten, an der Spitze Herr Halson, der wallachische Rothschild, der mehr aus Mitleid, als Gewinnsucht die Reise des Fürsten Cusa nach Konstantinopel möglich gemacht hat, eine anerkennenswerthe Thätigkeit, und zwar direkt beim Fürsten selbst, welcher, zu seiner Ehre sei es gesagt, die intoleranten Anschauungen des Ministeriums durchaus nicht theilt. Der Zeitpunkt ist ebenfalls insofern günstig gewählt, als die alte rechtliche Ordnung umgestürzt, die neue noch nicht definitiv in's Leben getreten, und der Fürst sich für die Zwischenzeit das Recht zum Erlassen von Dekreten mit Gesetzeskraft durch das 8utkra§6 universal hat bestätigen lassen." Feuilleton. Ist mit dem biblischen bar 8 ei unser Eisen gemeint? Bekanntlich hat man in den letzten zehn Jahren in den Schweizer Seen, zuvörderst im Züricher See, tief unterhalb des Wassers Spuren von menschlichen Wohnungen entdeckt, begleitet von mancherlei Thon-