Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1864)
- Date
- 1864-08-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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412 dem bürgerlichen Gewerbe, versagte oder verkümmerte uns jedweden Besitz, belastete uns mit erdrückenden Abgaben, verjagte uns von Volk zu Volk, von Land zu Land, und glücklich waren die Armen, wenn sie von Allem, was sie durch Jahrzehnte langen Fleiß erworben, Nichts als das nackte Leben gerettet hatten. An unsere Kleider heftete man den Schandfleck, man gab uns preis dem Hohne und den Steinwürfen des Pöbels, und was das Schlimmste war. man kleidete all diese Ungerechtigkeiten in Gesetze und machte aus dem Unrecht ein Recht. Man ersann die elendesten und abgeschmacktesten Fabeln, um über uns herzufallen, uns unseres Vermögens, unserer Freiheit, unseres Lebens zu berauben. Man sperrte uns in finstere, feuchte, dumpfe, abgelegene Gaffen, in denen es an Raum und an Luft fehlte; man schloß uns ab vom Verkehr mit den Andern und verhöhnte uns dann noch unserer besonderen Sitten und Sprache wegen. Es gibt kaum ein Ländchen, ja kaum ein Städtchen oder Dörfchen auf dem weiten Erdenrunde, dessen Chronik nicht von Judenverfolgung, Judenvertreibung und Judenniedermetzelung zu erzählen hätte. Wie manches blutige Blatt füllen die Niedermetzelungen unserer Voreltern in den Geschichtsbüchern Spaniens, Frankreichs, Englands, Italiens, Deutschlands, Polens, Rußlands, der Türkei, Arabiens, Syriens, Persiens, Aegyptens, Algeriens, Tunis', Tripolis', Fez', Marokko's! Fast die ganze alte Welt hatten die Söhne und Töchter Juda's mit ihrem unschuldig vergossenen Blut gedüngt; wo wir es schlimm hatten, da wurden wir getödtet, und wo wir es gut hatten, da wurden wir verhöhnt, geknechtet und gepeinigt. Und das Alles haben wir für unsere Ueberzeugung, für die Treue erduldet, die Israel Gott schuldig ist; es hätte nur einer leichten Formel bedurft, und unsere Väter wären hoch emporgehoben worden von ihren ärgsten Feinden; kein anderes Volk hätte solche Leiden zu erdulden, solchen Versuchungen zu widerstehen vermocht; jedes andere Volk wäre längst spurlos verschwunden. Und wir? — Kaum hat sich die Fessel ein wenig gelockert, und schon sitzen unsere Söhne rm Rathe der Könige, unter den Vertretern der Völker, und die alte Energie des uns belebenden Gedankens richtet uns hoch empor. Wie unsere ganze bisherige Geschichte keinen natürlichen Verlauf genommen, sondern stets dem naturgemäßen Lauf der Dinge entgegen durch die besondere Fürsorge Gottes entwickelt worden ist; so wird auch unsere Zukunft sich in übernatürlicher Weise gestalten. Das wird die Erlösung sein, jene längst verheißene wunderbare Erlösung, an deren Möglichkeit so Mancher zweifelt und verzweifelt; Gott wird sammeln unsere Zerstreuten von allen Enden der Erde und uns wieder vereinigen zu einem einzigen Volke, zu einem Mustervolke auf Erden, und auf dem Altäre im heiligen Tempel zu Jerusalem wird die Flamme lodern, welche das Weltall erleuchten und erwärmen wird. Erst dann wird unsere hohe Aufgabe erfüllt werde« N'2l?1 N12N VSNQ2 P'L. Literarischer Gericht. SLebeu Predigten von Or. Hermann Lip schütz, Rabbiner in Butschowitz, Wien, bei Hellmann 1864, 87 S. 80. Der talentvolle Verfasser dieser 7 Predigten ist den geehrten Lesern dieser Zeitschrift aus einer Reihe von Aufsätzen bekannt, die ihrer Zeit mit allseitigem Beifalle ausgenommen wurden. Die erste dieser Predigten ist die Antrittsrede des Verf., in welcher er das Verhältniß des Rabbiners zu seiner Gemeinde unter dem Bilde des Ehebunds zwischen Gatte und Gattin darstellt. — Alle diese Reden sind vom Geiste echter Frömmigkeit getragen und mit den erhabenen Gedanken, die uns aus Talmud und Midrasch entgegenleuchten, reichlich getränkt. Die Sprache ist eine lebendige und zu Herzen gchende und w^rd wohl ihren Eindruck auf die Zuhörer nicht verfehlt haben, da selbst das gedruckte Wort einen lebendigen Nachhall in der Brust der Leser erweckt. * * * Das Denkmal im Herzen, Nachruf an Se. Majestät Maximilian 1l., König von Bayern, von Or. I. Kobak, Distr.-Nabb. in Bamberg. In ergreifender Weise schildert der Verfasser die Tugenden des verewigten Königs, die er als Mensch und Regent entwickelt hat. Wir heben folgenden Passus hervor: „Glücklich und des Glückes würdig ist derjenige Regent, dessen Majestät die Milde, dessen Hoheit die Gerechtigkeit, dessen Herrscherberuf des Landes Heil, des Volkes Wohl bedeuten. Ein solcher Regent war Maximilian U.; er war ein volksthümlicher König; er sprach es klar und deutlich aus, „er wolle Frieden haben mit seinem Volke." Er hat Hand in Hand mit feinem treuergebenen, biedern Volke Bayern zu einer so hohen Stufe des Staatslebens emporgehoben, daß dieses als glückliche Stätte bürgerlicher Freiheit gepriesen und beneidet wird." — Der Verfasser hebt noch mit Recht hervor, daß unter Maximilians U. glorreicher Regierung das Princip der echten religiösen Toleranz zum Durchbruch gekommen, so daß er sagen kann: „Bayern hat nun einen wahrhaft religiösen Frieden, die gegenseitige Duldsamkeit aller Glaubensbekenner hat einen festen und sichern Boden gewonnen." —