Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1864)
- Date
- 1864-08-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Zrrthum entWickek», de« Enkeln wttd die Freiheit geschenkt dwrch de» Gott der Wahrheit selbst — sie werden emporgetragen M übernatürlicher Hvh>e o2rire «NM „Und Ich trug Euch auf Adlerflügeln und brachte Euch zu Mir" (2. B M. 19,4). II. Gerade so wie ein Baum, ein Thier oder ein Mensch entsteht, wächst, die Höhe seines Wachsthumes erreicht und von da an der Berirrchtmig ertkgegenwekkt: so entstehen, entwickeln sich und vergehen auch die Völker. Jedes Volk hat eine ihm eigenthümliche Aufgabe zu vollziehen; so hatten die Griechen den Begriff der Schönheit zu entwickeln, die Römer das allgemeine Recht, zu welchem Zwecke sie sich den ganzen Erdkreis unterwerfen mußten. Ist die Ausgabe erfüllt, so stirbt das Volk naturgemäß dahin. Israel dagegen ist ins Berhättniß gesetzt zum Höchsten und Vollkommensten; es soll die Wahrheit nicht allein verkünden, es soll sie auch gestalten auf Erden. Sittenreinheit, Tugend, Recht, Barmherzigkeit, Milde, Bescheidenheit, Kraft, Reinheit in Speise und Trank, Reinheit im Familienleben, stetes Bewußtsein der Gottangehörigkeit bei der Gewinnung und Verzehrung des täglichen Brodes (Terumot, Maasrot, Kilajim, LKet, Schikchah und Peah, Berachah), stetes Bewußtsein der Gottangehörigkeit bei der Emtheilung und Verwendung der Zeit (Chodesch, Sabbat, Moöd-, Heiligkeit des Ehelebens, Heiligkeit des Besitzthumes, Achtung der Rechte des Nebenmenschen, Unterwerfung des Körperlichen dem Geiste, Vorbereitung für ein ewiges Leben, Bewußtsein von Bestrafung und Belohnung im Jenseits das sind einzelne Zweige vom großen Baume der Wahrheit, den darzustellen das jüdische Staatsleben in seiner Gesammtheit, und das jüdische Volksleben in seiner Vereinzelung bestimmt war, bestimmt ist. Läßt Israel nun nach in diesem Streben, so sinkt es um so tiefer, je höher es vorher gestiegen war (Jes. Kap. 1, Vers 2—4): „Söhne habe Ich groß gezogen und emporgehoben, und sie sinken hinab , indem sie freveln gegen Mich; sie finken bis unter das Thier; denn es kennt ja der Ochs den, so ihn erworben, und der Esel die Krippe seines Eigentümers, Israel kennt Nichts, Mein Volk merkt auf Nichts. Wehe, in Unwissenheit sündigt das Volk, feine Leiter sind von Sünde beladen, erziehen zu Uebelthätern die Nachkommen, verderben die Kinder; sie haben verlassen den Ewigen, gelästert den Heiligen Israels, sie find zurückgewichen." Sie hakten die Sündhaftigkeit für Fortschritt, währet sie nur Rückschritt ist zu jenen niederen Stufen der Menschheit, zum Götzendienst, zur Blutschande, zum Morde, zu unbegründetem Haß der Mitmenschen — Verbrechen und Laster, welche die alten heidnischen Religionen nicht verpönten. Ach, immer tiefer sinkt Israel, sobald es einmal den Halt m feiner heilige» Religio» verlöre». Die Völker werden noch durch alte Bolkstraditivne» in gewisse» Schranken gehalten wtkdr rw.-u ui -,'2.-1 'vzn. „Hat wohl je ein Volk feine Götter vertauscht, und das find keine Götter, aber Mein Volk hat vertauscht seine Herrlichkeit nm Unnützes." (Jer. 2, 11.) Ach, auch unsere Zeit bietet ein ähnliches Bild der Verderbmß, wie jene Zeit, welche der Zerstörung Jerusalems vorauging; der Gedanke an Gott ist vielen Mitledenden verloren gegangen, und sofort hört jedes Sittengesetz auf; Furcht vor Gott, Liebe zu Gott, das sind die Grundbedingungen aller Sittlichkeit u»d Tugend; ist der Gedanke an Gott der Welt entschwunden, so bemächtigen sich ihrer Habsucht und Genußsucht, da ist Nichts mehr, was die Begierden in Schranken zu halten vermöchte; recht ist, was nützlich, gut, was den Besitz vermehrt, erstrebenswert, was den Genuß steigert. So ist es leider bereits vielfach geworden; und doch wird das jetzt lebende Geschlecht durch alte Traditionen und Gewohnheiten, die es von den Vätern ererbt hat, in Schranken gehalten; aber was soll aus den Kindern der jetzigen Gener ation werden? Die Eltern stammen noch von jüdischem Blrtt, haben noch in ihrer Kindheit jüdisches Leben gesehen; aber die Kinder? — sie stammen nicht mehr von Juden; Geist und Körper sind entjüdischt: der Geist durch eine crasse Unwissenheit in Bezug auf Alles, was Juden und Judenthum betrifft, durch Aufnahme von Vorstellungen und Vorurteilen, die dem Judenthume geradezu entgegengesetzt sind — der Körper durch Terephot und Nebelot, Schekazrm und Remasim, durch Nichtbeachtung der jüdischen Ehe- und Reinheitsgesetze. — Was soll daraus werden? III. Wie die Erhebung Israels eine übernatürliche und Israels Sünde eine widernatürliche, so war auch die Strafe eine die naturgemäße Ertragungskraft übersteigende. Wo ist ein Volk, das gelitten hätte, wie wir gelitten haben? Am neunten Tage des Monatt Ab treten vor unser geistiges Auge alle jme furchtbaren, entsetzlichen Leiden, deren Erinnerung die Geschichte unseres Volkes uns aufbewahrt hat; das Heiligtum Gottes, der Mittelpunkt nuferer Nation, in einen Schutthaufen verwandelt, unsere reichen und blühenden Städte dem Erdboden gleich gemacht, unsere Fürsten und Fürstinnen zu Sklaven verkauft, unsere Gewaltigen und Helden den Löwen und Tigern in der Arena des stolzen Roms vorgeworfen, während unsere Jünglinge und Jungfrauen derart die Sklavenmärkte füllten, daß sich kein Käufer mehr fand; selbst der Boden, der uns ernährte, wurde uns genommen, arm »nd elend wurden wir als Bettler hinausgestoßen unter fremde, feindliche Völker; diese begannen uns mit Schmach zu überhäufe», man schloß uns aus von je-