Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-08-03 · Heft 31 (3.8.1864) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 31 (3.8.1864)
Date
1864-08-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447172--02783-2458141
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

410 den andern desto besser zu bewahren, so haben sich viele Menschen freiwillig «r LKerhaupt gesetzt, welch eüber das getroffene Ad kommen wache, und so seien aus allgemeinen Verträgen Gesellschaften und Staaten entstanden (eovtrst soeial). Demnach gibt es gar kein allgemeines Princip des Rechts, sondern Alles beruht auf einem Abkommen, das wiederum zu jeder Zeit je «ach den Umständen beliebig geändert werden könnte, und es würde sonach das Recht als solches, das reine ursprüngliche Recht, gar nicht existiren. — Anders ist es im Judenthum O'-idr<b *2 „denn das Recht ist Gottes", Gott als Schöpfer, Lenker und Erhalter des Weltalls hat ebenso die Gesetze der physischen, wie die der sittlichen Weltordnung festgesetzt. Wie der Künstler die Regeln des Organismus, den er selbst zusammenstellt, festsetzt, wie der Hausherr in seinem Hause eine Hausordnung anordnet, so ist der Schöpfer der Urheber des Rechts. Die andhabung des Weltenrechts nennen wir rimwn orsehung. Unser Volk ist von jeher ein besonderes Werkzeug gewesen in des Weltenrichters Hand; es hat daher auch stets eine besondere Fürsorge rnvis iniu^-i erfahren; daher ist Israel anderen historischen Gesetzen unterworfen, als die übrigen Völker; daher war seine Erhebung eine übernatürliche, seine Sünde eine widernatürliche, seine Strafe eins die naturgemäße Ertragungskraft übersteigende, daher wird seine Erlösung eine übernatürliche sein. I. Wir haben gesagt, Israels Erhebung sei eine übernatürliche gewesen; um dies zu begründen, müssen wir vorerst den natürlichen Entwickelungsgang der andern Nationen betrachten. Die Vorfahren aller Nationen, Israel allein ausgenommen, waren Throchlodyten (Höhlenbewohner); in von der Natur gebildeten Zufluchtsstätten suchten sie Schutz gegen die Unbilden der wechselnden Witterung und vor den wilden Thieren des Feldes und der Wälder. Im Kampfe mit diesen letzteren schärften ste zuerst ihre Geistesgaben, bezwangen die der Zähmung fähigen Thiere und gewannen sie für ihren Dienst, kämpften mit den wilden Thieren und machten sich Kleider aus ihren Fellen, während sie ihr Fleisch Verzehrten. So lernten sie sich Waffen schmieden und übten sich in List und Klugheit. Als die Hausthiere sich zu Heerden vermehrten, wurden aus Höhlenbewohnern Hirten, die von dem Ertrage dieser Heerden lebten, bis sie endlich seßhaft wurden und den Boden zu bebauen anfingen, so daß der Mutterschooß der Erde für ihre leiblichen Bedürfnisse sorgte. Die geistige Entwickelung der Völker ward von der geographischen Lage ihres Landes bedingt, ebenso von ihren Geistesanlagen und von ihrem Verkehre mit den Nachbarvölkern: reicher entwickelt» sich das geistige Lehe» « der fruchtbaren Ebene als rm rauhen GOrptz, bei den reichbegabten kaukasiMen Stämmen als bei den Negern und Mongolen, cm der Meeresküste, als im Binnenlands, früher entwickelte sich das geistige Leben im warmen Süden, als im kalten Norden. Wir können in Bezug hierauf 3 große Völkergruppen unterscheiden: 1) die wildes Völker: die Indianer Amerika's, die Lappen und Samojeden, die Fetischanbeter in Afrika, Neger, Kaffern, Hottentotten, die sämmtlich noch heute im Naturzustände beharren; 2) solche Völker, bei denen die geistige Entwickelung sich zu einer allgemeinen Naturanschauung emporgearbeitet hat: die Inder und Chinesen, deren Religion man Nihilismus nennt. Diese wurden durch das immerwährende Werden in der Natur, durch die stete Abwechselung von Entstehen und Vergehen darauf aufmerksam gemacht, daß alles Bestehende der Vernichtung entgegengeht, so daß ihnen nur die Vernichtung furchtbar wurde. Ferner die alten Aegypter urü> mit ihnen noch heute viele Inder und Chinesen, die das Lebendige in der Natur verehrten und verehren, deren Religion sich zu einem Thierdienst gestaltet hat; ferner die alten Chaldäer und mit ihnen noch heute viele malaiische und mongolische Völkerschaften, welche zu den großen Himmelskörpern, zu Sonne, Mond und Sternen, ihre Gebete emporsandten und sende«; 3) die dritte Gruppe der Völker, welche es in der geistigen Entwickelung am weitesten brachte, war diejenige, welche die einzelnen Naturkräfte festhielt und sie sich zu Personen nach menschlichem Bilde gestaltete. Das waren die Griechen und Römer mit ihren unzähligen Gottheiten, deren jede eine Naturkraft darsteüt: Ceres, die Göttin der Feldfrüchte, Bacchus, der Gott des Weines, Apollo, der den Sonnenwagen lenkt, Diana, welche den Mond durch die Nächte führet, Neptun, der Gott des Meeres, Jupiter und Juno, das den Himmel regierende Königspaar, Pluto, der über das Innere der Erde gebeut, Proserpina, die Gattin des Pluto und die Tochter der Ceres, die aus dem Innern der Erde heraus das Wachsthum befördert und so Götter und Gvttiuen ohne Zahl, jedes Haus, jeder Baum, jeder Fluß, jeder Bach von Gottheiten gelenkt und geleitet. — Diese Völker haben viel Großes und Schönes geleistet, aber zum Begriff des einzig Wahren haben sie sich nicht erheben können, die Wahrheit der Welt zu bringen und zu verkünden, dazu war Israel ersehen. Israel ist das von Gott erzogene Volk. Unsere Stammväter mußten wandern, s") 2« 'Nv vp Vvr (Ps. 105, 12) Und sie wandere ten van Nation zu Ration und von einem Reiche znrn andern Volkej um nicht eingeengt zu werden in den durch die Natur bedingten Vorurtheilen, die Kinder werden geknechtet, damit fie sich mcht selbstständig im

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.