Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Mentioned entities
- Tunis 4× ep/1048155
- Sousse 1× ep/1045746
- Tlemcen 1× ep/1048142
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404 im Gefängnisse ein Kleid mit entfernt grünlicher Farbe Nachts avzog, vergangen haben, und dieses Vergehen wurde von dem Gefängnißwärter dem Gouverneur angezeigt, welcher den Gefangenen zu 200 Stockstreichen verurth eilte. Der so Mißhandelte wurde mit Blut bedeckt in seine Zelle zurückgebracht, wo er nach einiger Zeit seinen Schmerzen erlag. Vor 3 Jahren, als der Bey die Gesetze einer Revision unterwarf, hob er dieses Verbot in höchst liberaler Weise auf und erlaubte in einem Erlaß an die hiesigen Juden denselben ausdrücklich das Tragen der früher verbotenen Kleidung. Unzufrieden damit, mißhandelten die Muhamedaner jeden von uns, der sich mit rother Kopfbedeckung blicken ließ, auf's Grausamste, so daß die portugiesische Gemeinde beschloß, sich nach Sitte der Europäer zu kleiden, und in unserer Gemeinde wurde der Beschluß gefaßt, wieder die schwarze Kleidung anzulegen. Als der Bey diese für ihn so niederschlagende Nachricht vernahm, ließ er an alle Städte und Behörden des Landes verschärften Befehl ergehen, daß rie Juden nicht gezwungen werden dürften, sich schwarz zu kleiden, und daß ein jeder Muselmann, der es wage, einen Juden zu schlagen oder zu mißhandeln, schwer zu bestrafen sei. Der Gouverneur von Tunis ließ die Rädelsführer des Auflaufs gegen die Juden verhaften, und ihrer 20 wurden auf seimn Btfchl so lange mit Stockschlägen bedient, bis sie der Auflösung ganz nahe waren. Dieses Beispiel schreckte die Muselmänner, so daß die Juden seitdem Ruhe haben. — ... Die größte Stadt nach Tunis ist Keroan. Diese darf, da sie den Muselmännern heilig, Niemand, der an Mahomed nicht glaubt, betreten. In Mehdra, einer großen und festen Stadt am Meere, leben ungefähr 50 jüdische Familien, denen es verhältnißmäßig gut geht. Vor feindlichen Angriffen sind sie sicher; Venn da diese Stadt aus 3 Seiten vom Meere umspült wird, gruben sie auch die 4. Seite ab, so daß die Stadt jetzt auf einer Insel liegt. — In Sfax, wo fast 200 jüdüche Familien lebten, war ein Jude, Namens Elias Asbag, Pächter der Staatseinkünfte. Diesen plünderten die Rebellen, als sich die Stadt übergeben mußte, vollständig und ließen von ferner Habe auch nicht das Geringste übrig. Doch thaten sie den andern Juden Nichts. Diese waren alle nach Malta, Livorno, Tripoli und anderen Orten geflüchtet und ein Theil hatte sich in gemietheten Schiffen auf hoher See aufgehalten. Ebenso hatten es die Juden in Susa und Monaster gemacht. — Nabl, eine Stadt, die eine Tagreise von Tunis entfernt ist, zählt unter seinen Bewohnern fast 250 jüdische Familien, in deren Händen sich der ganze Handel befindet, lieber diese fielen Araber von dem Stamme der Flad-Ssir, welcher stets zur Hand ist, wenn es gilt, etwas Judenfeindliches auszuführen, her, plünderten 36 Läden und schleppten deren ganzen Inhalt fort. Nicht zufrieden damit, brachen sie in 43 Häuser, in denen Juden wohnen, ein und plünderten auch diese gänzlich aus. Dann erbrachen sie die Synagogen und schleppten auch aus diesen alles Bewegliche fort und demolirten, was sie nicht mitnehmen konnten. 32 heilige Thorarollen zerrissen sie zu kleinen Fetzen, ja Einige gingen so weit, sich zu entkleiden und dann in dieselben zu hüllen. Der Gesandte Frankreichs, durch seine Liberalität und Herzensgüte auch in weiteren Kreisen bekannt, schickte ein französisches Kriegsschiff dorthin, um die Juden zu schützen und an Bord aufzunehmen. Aber die Muselmänner ließen nur ca. 50 Personen sich einschiffen, welche Unterthanen europäischer Höfe find. Die UebriHM mietheten sich Schiffe, auf denen sie ihre Ueberfahrt nach Tunis bewerkstelligten. Dre Armen aber, die dazu die Mittel nicht besaßen, mußten nackt, dürftig und entblößt von Allem, was zum Leben nothwendig ist, Zurückbleiben. Ihre Lage zu schildern, ist keine Feder im Stande, da ihr Unglück unaussprechlich groß ist. — Ueberhaupt ist die jetzige Lage der Juden im Kaiserreiche Tunis im Allgemeinen eine höchst traurige. Die Reicheren sind alle ausgewandert, so daß die Aermeren oft nicht einmal das Nothwendigste haben. Mögen diese Unruhen, die allenthalben die Juden bedrängen, bald aufhören und glücklich vorübergehen. Dem französischen Gesandten aber fühlen wir uns verpflichtet, unseren innigsten Dank für seine edle Großmuth abzustatten. — Algerien. Aus Tlemcen in Algerien theilt der „Siecle" mit, daß es gelegentlich der Frohnleichnamsprocession daselbst zu bedauerlichen Vorfällen gekommen ist. Die Miliz war zu derselben commandirt, und da mehrere derselben angehörige Israeliten vor der Monstranz die Kniee zu beugen sich weigerten, so wurden sie von dem Lieutenant ihrer Compagnie aus den Reihen gejagt. Gegen einen Protestanten und einige Israeliten, die bei dieser religiösen Feierlichkeit Milizdienste zu tbun sich geweigert hatten, ist eine Disciplmaruntersuchung eingeleitet und eine Geldbuße wegen Dienstverweigerung erkannt worden. Sie haben um Cassation des Urtheils nachgesucht. . Hierzu eine Beilage. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Rovx'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. GottSlcbe« in Rain».