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Der Israelit · 1864-07-27 · Heft 30 (27.7.1864) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 30 (27.7.1864)
Date
1864-07-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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40L veil er — zu viel trepha machet! Mein unsere einsichtsvolle StaatSregierung erklärte sich für nicht eompelertt, in dieser confessionellen Sache ein Urtheil zu fällen, und die Petenten wurde« abgewiesen. Frankfurt, 19. Juli. Wenn auch der Senat noch nicht das Gesetz über die volle Gleichstellung unserer israelitischen Mitbürger mit den christlichen publicirt hat, so scheint derselbe doch schon eine andere Handhabung des noch bestehenden zu üben. Während vor noch nicht langer Zeit es als etwas Ungeheuerliches angesehen worden wäre, wenn ein Israelit eine wirkliche Etaatsdienerstelle (Notar- und Physicatsstellen sind dies nur im weiteren Sinne) erhalten haben würde, so begrüßt man jetzt solches mit Freuden. Der erste Israelit, welcher im Verwaltungsfache angestellt wurde, ist Herr Or. E. Oppenheim, Actuar des Landverwaltungsamtes. Derselbe wurde diese Woche verpflichtet. (Fr. I.) Stuttgart, Ende Juni. Unser Land wurde dieser Tage von einem schweren Schlag durch das Hinscheiden des Königs Wiü elm I. betroffen, den wir Juden, abgesehen von unserer Pflicht als Staatsbürger, noch besonders bedauern müssen, da er Einer der ersten deutschen Fürsten war, die den Juden die schon längst schuldigen Rechte gaben. Seine Absicht war stets zum Besten unseres Volkes, wenngleich die jüdische Behörde, die er zur Wahrung der Gewissensfreiheit einsetzte, wir meinen die Oberkirchenbehörde, viel zu wünschen übrig läßt. Dies erkennend, beschloß auf die Nachricht von seinem Tode der Vorsitzende der ^Ilisvee isr. universelle, der berühmte Herr Or. Adolph Crämicux in Paris, sich zur Leichenfeier persönlich hicher zu begeben, um so die verdiente Anerkennung der Toleranz und Humanität des Königs zu zollen. Herr Cremieux theilte diesen seinen Plan dem Gesandten Württembergs am französischen Hofe mit, welcher ihn nach Stuttgart berichtete. Da jedoch der hochstielige König über seine Beisetzung testamentarisch verfügt hatte, sie ohne Pomp von Statten gehen zu lasten, so wurde von hier folgende Depesche «ach Paris abgesandt: „Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten an Herrn Wächter, württembergischen Gesandten in Paris I Statten Sie dem Herrn Cremieux meinen Dank ab für seine Bemühungen; sagen Sie ihm unverzüglich, daß die sterblichen Ueberreste des höchstseligen Königs gemäß seinem im Staatsanzeiger veröffentlichten Testamente in die Kapelle von Rothenberg ohne Gefolge und ohne jegliches Trauergepränge werden gebracht werden." — Der das Herz der Könige wie Wafferbüche leitet, möge uns auch an Carl 1. einen toleranten Fürsten finden lasten und uns dazu verhelfen, unter der neuen Regierung die Organisation des jüdischen Cuttus umzugestalten und zu verbessern. — Aus Jena wird berichtet, daß der berühmte Professor der Botanik an der Universität Berlin, Or. Pringsheim, ein Jude von Geburt, einen Ruf an die hiesige Hochschule angenommen hat. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Vor einiger Zeit brachte das „Jllustrirte Familien-Journal" einen Artikel, der auch in diesen Blättern eine paffende Stelle finden dürfte: (Zur Emancipation der Juden.) Wann werden Venn endlich die lächerlichen Vorurtheile unserer Zeit, die sich die intelligente, die gebildete und fortgeschrittene nennt, aufhören? Wann werden bei uns in Deutschlano auch die Juden (wie schon längst in Frankreich, England und Amerika) ganz emancipirt und in ihre unveräußerlichen Menschenrechte eingesetzt sein, die ihnen von Gott und Rechtswegen, auch von Geburtswegen gebühren? Man spricht immer so viel von „ Emancipation der Juden unter sich selbst ", bevor die große Emancipation der Kinder Israel Platz greifen solle. Redensarten, nichts als Redensarten! Die große Emancipation bewältigt sofort ganz naturgesetzlich die kleine. Das österreichische Heer, der freisinnigste deutsche Culturbeförderer der neuen Zeit, und der wirklich ehrenhafte Stand eines „Volkes in Waffen", — diese tapfere Armee zählt unter den 12,000 Juden, die in ihren Reihen dienen, die bedeutende Ziffer von 600 Osfizieren, Aerzten und Rechnungsbeamten jüdischen Glaubens. Bon den Aerzten sind 20 Regimentsärzte und 51 Oberärzte Juden. Und nun frage man einmal beispielsweise in der preußischen Armee nach, wie viele Juden außer dem Mustermajor Burg in den Reihen des herrlichen Kriegsheeres mit dem vorzugsweise „adeligen" Offiziercorps dienen? Der „Staat der Intelligenz" liegt doch auch in Deutschland, und deutsche Staatsbürger pflegen doch überall mit leidlich guten Begriffen versehen zu sein. Was man so ganz billig freundnachbarlichst von einander lernen könnte, und wobei der Vortheil so auf der Hand liegt, das sollte man doch unbedingt annehmen. Aus Böhmen. (Privatmittheilung) Herr vr. Simon Hirsch, bisher Stabsarzt in der k. k. österreichischen Armee, ist zum Oberstabsarzte ernannt worden. » D. Amerika. Skew-Kork. (Privatmittheilung)- Heute will ich Ihnen, geehrter Herr Redakteur, ans unserem Lande, wo es für das orthodoxe JüdenLhum leider selten gute Nachrichten gibt, über eine erfreuliche Thatsache berichten. ES bestanden hier schon längere Zeit Kreisch«-

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