Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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„Ich habe gelesen, daß ein englischer Marinelieutenant, Jude von Geburt, m China eine jüdische Gemeinde entdeckt hat. Er zeigt aber nicht an, in welcher Provinz und an welchem Flusse dieselbe liegt, so büß'ich glaube, diese Gemeinde mit einer schon längst bekannten idenkrfieiren zu dürfen. In Folgendem will ich Ihnen einen genaueren Bericht abstatten. Mch der chinesischen Ueberlieferung sind die Juden, welche von den Eingeborenen, 4.LQwss-botzg, d. i. Kläümützen, genannt werden, in China unter der Regierung der Herrscher aus dem Hause HM (3764— 4191 a. M.) eingewandert, während Andere die Zeit ihttr Ankunft in die Regierungszeit der Dynastie CHM setzen. Damals bewohnten sie Peking und L-trillb-tiiL und hatten Zutritt zu allen Würden. Später zogen sie sich in die Stadt lOiai-pboox (Provinz Ho-nam) zurück, und diese Stadt scheint mir der englische Lieutenant beschrieben zu haben. Er schätzt die Einwohner auf eine Million, eine Zahl, welche nach Meiner Ansicht zu hoch gegriffen ist. Er spricht äitch von prächtigen Synagogen, aber er übergeht diejenige, welche ihn die ganze Geschichte der Juden in Lhmä gelehrt haben würde. Das von ihnen zuerst erbaute Gotteshaus wurde Wer der Regierung des Kaisers UoLvg-t/ ein Raub her Flammen DaS darauf erbaute wurde mit dem größten Theile der Stadt durch eine Ueberschwemmtzug des üoLtzg-LL im 7. Regierungsjahre des Kaiser- Tien-Tsun (1456) zerstört. Nun wurde eine dritte durch einen jüdischen Baumeister, Namens Thür, erbaut, und diese ist es, deren ich vorhin Erwähmmg gekhän. Ln der Vorderseite befindet sich in hebräischer Sprach« auf einer Tafel mit goldenen Buchstaben die Inschrift: Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, ist Mer. Getobt sei der Name der Herrlichkeit seiner Negierung immerdar! in2 irm izn vMpb mvbo H22 ov. Daneben befindet sich die heilige Lade, welche sie auf Chinesisch 1"isn-r'Lvx nennen, und welche die hebräische Inschrift trägt: v'Zirn 'Zisr, v'ibu.i 'ibn vdn'm '2 n-nzra -'Lä.i H12.1. Denn der Ewige, euer Gott, Er ist der Gott der Götter, der Herr der Herren, der große, gewaltige und furchtbare Gott. (5. B. M. 10, 17.) In dieser Lade werden die in hebräischer Sprache geschriebenen Thorarollen aufbewahrt, welche sie auf Chinesisch TL-king nennen. IM Hintergründe befinden sich 2 Tafeln; diesind die Gesetztafeln, auf welchen die 10 Gebote eingegraben sind. Auf der Ostseite sind vier chinesische Inschriften, de- AnÄPe lautti : „Abraham ist der Urheber de-Gesetzes, -Mose- Hat die Tradition überliefert, welche er , von Gott begeistert, auf dem Berge Sinai empfing , und seine Lehre ist nicht viel verschiede« von der des Mag." Dann ist von der obenerwähnte« großen UoberschrvGirmung die Rede, von dem Verluste der Synagoge und der heil. Bücher, für welch letztere von de« Juden in LLm-pL und A-Hing-Hia andere gebracht worden seien. Die 2. Inschrift ist angebracht von dem Töngdöc der Provinz Hu'ch'nsng im 10. Jahre der Regierung des Kaisers Chm-Ts (1506). Der Inhalt derselben ist ungefähr der: „Gesetz Israels: Achan (Adam) war der erste Mensch vonTiM-chü im Westen (?) die Juden besitzen die münoliche und die schriftliche Lehre; diese ist enthalten in 5 Büchern und in 53 Kapiteln." Der TSng-döc preißt dann das jüdische Gesetz sehr hoch und fährt hierauf fort : „Abraham, der Urheber dieses Gesetzes, ist der Stammvater der Juden; Moses verkündigte das Gesetz, er ist ihr Gesetzgeber. Unter der Regierung des Hauses HM wandelten die Juden hier em, und im ersten Regierungsjahre des Kaisers HlLo-Cung (1486) boten sie demselben indische Stoffe an. Der Kaiser nahm dieselben mit Wohlwollen an und erlaubte den Juden, sich in K'aifung niederzulaffeu; seit jener Zeit heißt diese Stadt W- Lsang. Damals waren sie 70 Familien stark, welche eine gemeinsame Synagoge errichteten und dort ihre heil. Bücher (Sium-kingniederlegten." Zuletzt fügt er dann noch hinzu, daß diese Bücher nicht nur für die Juden geschrieben seien, und daß alle Maschen, Könige und Unterthanen, Väter und Söhne, Greise und Jünglinge, in denselben eine» sichere» Führer durchs Leben fänden. Die dritte Inschrift wurde im 2. RegienmgHahre des Kaisers Khan-ki (1662) gemacht. Sie erwähnt Adam, Noah, Abraham und Moscheh, lobt die Heiligkeit Abrahams und bezeichnet Mofthch als w» Gesetzgeber. Sie fügt hinzu, daß ehemals der Sabbat in China so gefeiert wurde, wie ihn die Juden hetzte begehen. Auch spricht sie von der große« Ueberschwemmung und der Zerstörung der Synagoge und einem Juden, Namens Len-tou - ba, welcher die rchthigen Mittel -um Bane einer neuen hergab. Die vierte Inschrift enchält zuerst das LobWrahams. Da liest man, daß er der 19. Nachkomme Adams ist, Sie bringt nichts Neues und wiederholt nur daschon in den 3 anderen Niedergeschriebene, nennt die Meister, welche die Geschenke für de« Kaiser die Synagoge machten und endlich zählt sie 7 Familie» atzs Kaifung auf, deren Nachkommen im Jahre E3S Wch in derselben Stadt lebten." —