Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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39S möchte Sie nicht gern unterbrechen.. Ich werde mir das Alles notrren, um früher ooer später unsere Gespräche zu veröffentlichen." „So spät als möglich, mein Freund, nicht wahr?" „Sie wissen, daß ich Nichts, was Sie betrifft, ohne Ihre Erlaubmß unternehme. Aber fahren wir fort, denn ich habe meine Gedanken hierüber." „Nun wohl, theilen Sie mir diese Ihre Ideen mit!" „Nein, nein, ich bin nicht gekommen, um zu sprechen, sondern um Sie zu hören. Nehmen wir das Thema wieder auf. Es ist ebenso einfach, wie wahr. Em Jude, der kem Hebräisch versteht, macht auf mich emen Eindruck eines Peter Schlemiel, der semen Schatten verloren hat. Die isr. Jünglinge in Deutschland, welche nur noch Lateinisch und Griechisch lernen, sind simple Schwachköpfe (.irwörüles) oder sie lasten sich taufen. Ebenso geht es mit den jüdischen Mädchen." Nachdem Herr Weilt des Längeren über die einreipende Slttenverderbniß bei den mooernen Juden sich ausgesprochen, entgegnet Meyerbeer: „Fürwahr, das Hebräische ist die Sprache der Vernunft, uns um em guter Gatte zu sein, muß man Vernunft und zwar viel Vernunft haben. „Wer sagt uns das?" „Ich habe die Bibel gelesen; auch hat meine Mutter mir das oft wiederholt. Wenn sie der Diskusion müde war, so endigte sie immer mit einem hebräischen Ausspmch, der Alles in 2 Worte zusammenfaßte. Denn meine Mutter verstand Hebräisch. WaS mich betrifft, so hielt ich als Kind das Hebräische für ebenso schwierig, wie unnütz. Ich habe seitdem meine Ansicht geändert. Mein Bruder verstand mehr Hebräisch als ich. Er fing plötzlich an, es zu lernen, allein ev hatte nicht mehr Zeit dazu; man lernt nur in der Jugend gut." „In diesem Falle bedaure ich unsere jungen Juden uno die der Zukunft; denn unsere jungen Juden, selbst die Söhne der Orthodoxen, haben emen Avsch-u vor dem Hebräischen. Sie schöpfen lieber ihre Lcbensregeln aus dem „Figaro" und dem und studiren vom Morgen bis zum Abend Nichts als die Börsenberichte, WaS die Armen betrifft, so dürfen sie nur mittelmäßige Talente haben, wenn ihre Eltern sie dm rabbinischen und hebräischen Studien widmen. Hat ein junger Mann Geist, so bestimmt man ihn zu andern Studien. Wissen Sie, was diese aus den jungen Leuten machen? Vaudevillisten, Journalisten, Pianisten, Literaten, im glücklichen Falle Mathematiker, im noch glücklicheren Falle Professoren, d. i. Gelehrte, wie Montagne sagt, die da wissen, was Andere vor ihnen besser gewußt haben. Selbst unsere Mediziner zeichnen sich, seitdem sie das Studium des Hebräischen verlosten haben, nicht mehr, wie im Mittelalter, vor ihren College» aus. Sie sind fast alle Materialisten, und nach ihnen beruht auf drei Säulm die Wett auf Gew, auf Gew und Geld." „Sie hadm vollkommen recht," entgegnete Meyerbeer. „Zu meiner Zeit strebten alle jungen Israeliten meines Alters danach, sich durch Wissenschaft, Kunst und tadellose Aufführung auezuzeichnm. Heutzutage denken die jungen, reichen Israeliten nur daran, Millionen auf Millionen zu häufen. Seit ihrer frühesten Kindheit lernen sie die Kunst, Alles zu verachten, was nicht Gew heißt. Wenn sie die Kunst betrieben, so ist das nur ein Handwerk, um Gew zu gewinnen. Das Ravdinat selbst ist eine Spekulation geworden. Wie viele reiche Juden studirten ehemals den Talmud? Heutzutage sendet man sie in die polytechnischen, Handels- und Militärschulen. Will Jemand Raovmer werden, so will er das nur, um vejöwet zu werden. Alles ist nn Voraus berechnet. Ebenso gibt es kaum ein reiches jüdisches Mädchen mehr, welches nicht an eine außerjudtiche Herrath denkt" — „Sie haben," entgegnete darauf Herr Weill, „vorhin eure Wahrheit über das Hebräische gesagt, erlauben Sie mrr, daß ich sie ergänze. Was das Hebräische vor allen modernen Sprachen auSzeichnet, ist, daß es alles Unheilige ausschlreßt. Fast alle alten und modernen Schriftwerke, mögen sie griechisch oder franzüsiich geschrieben sein, enthalten Gemeinheiten, RtchtSwürdlgkerUn, lasterhafte und schmutze Idem. Das Hebräische dagegen vom Buche Bereschrth bis -um Buche Esther zeigt uns immer die Größe der Tugend, die Kleinheit des Lasters, ja noch mehr die Nichtigkeit des Lebens und den Glan- Gottes. Kein Mensch, Mann oder Werk, wird, wenn er die Grundsätze der Bibel in sein Gedächtnch geprägt hat, unnütz, stolz hart oder geizig fern. Er wird bescheiden, Mitleidig, iiebvoll gegen den Mitmenschen sein. Er wird ausgezeichnet ickiittvAue) sein, denn er wird seine Würde fühlen und wird suchen, sie aufrecht zu erhalten. Ehemals gab das Hebräische, welche» der Vater wußte, und welches die Tochter mit der Muttermilch einsog, der jüdischen Race einen Rerbesonderer Auszeichnung. Heutzutage zeichnet sich die Race, die rmmer noch glühend und lebendig ist, durch Nichts aus als durch eine glühende Sucht nach irdischen Eitelkeiten und nach materiellen Vergnügungen. Wenn sie sich Nicht wieder ia ihrer nationalen Quelle erfrischen möchte, so würde sie vor Ablauf eines Jahrhunderts vor den deutschen, italienischen, französischen Nationalitäten verschwunden sein. Doch das ist eine wichtige Lebensfrage, von der wir ein andermal uns unterhalten wollen." — China. Der „Univers. iSr." bringt in Nr. 11 folgmden Brief, der über unsere Glaubensgenossen in China interessante Notizen enthält: