Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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392 verein- Der Platz für die neue Synagoge ist für 600 Rthlr. erworben, die Baukosten find auf 1847 Rthlr. berechnet. Vor mehreren Jahren hielt Herr 0r. M. Freystadt aus Königsbergs der gerade bei seinem seligen Schwager, dem mehrmals genannten Kaufmann I. Rühm, in Tiegenhof zum Besuche war, freiwillig einen Synagogenvortrag am 2. Tage Rosch- Haschana, an welchem der um die dortigen Gemeindeverhältnisse vielverdiente Kaufmann I. Goldberg das Muffaph Gebet verrichtete. Noch sind daselbst in Ehren zu nennen die jungen Herren: Mor. und Jos. Ruhm. — Kürzlich weilte hier ein junger jüdischer Orientalist aus Paris, dessen Name den Lesern der vielbesprochenen Schrift von E. Renan aus der Vorrede dieses merkwürdigen Buches bereits bekannt ist. Wir meinen Herrn Adolf Neubauer, eilten geborenen Oesterreicher, der jene berühmte französische Biographie, wie der Autor selbst gesteht, mit dem nöthigen talmudischen Material versehen hat. Die Pariser Academie hatte ihn vor sechs Monaten nach Petersburg gesandt, um die jüngst dort acquirirte orientalische Manuscriptensammlung zu durchforschen und für literarische Zwecke zu benutzen. Herr Neubauer war nun, nach emem halbjährigen Aufenthalt in der russischen Kaiserstadt, auf der Rückreise b'griffen, hier wieder durchpassirt und hat bei der Gelegenheit mehreren Königsbergern Celebritäten, unter anderen Herrn Joh. Jacoby, feine Aufwartung gemacht. Derselbe hat schon früher bedeutende wissenschaftliche Aufsätze im „Journal Asiatic" erscheinen lassen und verspricht sich auch von seiner jetzigen Reise keine geringe Ausbeute für die orientalischen Studien. M. Almoni. Frankreich. Paris. In Nr. 13 der „Arch. isr." theilt Herr Alexander Weill ein interessantes Gespräch mit, welches er im vorigen Jahre in Baden-B lden mit Meyer beer hatte. Wir werden in Folgendem einige Auszüge daraus geben. Herr Weill erzählte dem großen Componisten, daß ihm von reform-jüdischer Seite daraus ein Vorwurf gemacht würde, daß er Nichts für die Synagoge componirt habe. „Das setzt mich nicht in Erstaunen," erwiederte hierauf Meyerbeer mit seinem gewöhnlichen Lächeln, „seit 30 Jahren werfen mir die deutschen Christen vor, daß ich Nichts als Judenmusik zu machen verstände. Nothwendiqerweise müssen mir die Juden einen Vorwurf daraus machen, daß ich keine Judenmustk componire." Im weitern Verlaufe des Gespräches erzählt Meyerbeer, daß er sich immer mit dem Gedanken getragen habe, eine Oper „Moses" zu componiren, daß er dies aber einerseits deshalb unterlasse, weil bereits eine solche von Rostni existire, andrerseits, «eil er des Hebräischen unkundig sei. Wir führen über diesen interessanten Punkt Meyerbeer^s eigene Worte an: „Ich will Ihnen ein Geständniß machen. Um Jude zu sein, ja selbst um nur ein klein wenig Jude zu sein, muß man Hebräisch verstehen, wie man Französisch verstehen muß, um Franzose zu sein. Denn das Judenthum ist nicht nur eine Religion, eS ist auch eine Nationalität. Die Nationalität bleibt unS schon deshalb, weil man sie uns immer vorwirft, selbst wenn die Religion schon verschwunden ist. W«m ich einen Sohn hätte, und wenn ich diesen in der jüdischen Religion hätte erziehen lassen wollen — ich würde dafür gesorgt haben, daß er das Hebräisch verstünde. Das Wenige, welches mir vom Judenthume geblieben ist, verdanke ich einigen biblischen Worten, einigen Erinnerungen an das Hebräische. Nicht allem die jüdischen Knaben, auch die jüdischen Mädchen müßten im Alter von 3 Jahren anfangen, Hebräisch zu lernen; sie würden dann niemals der Gefahr ausgesetzt sein, ihre Religion wechseln zu wollen." — „Was Sie mir da sagen," entgegnete darauf Herr Weill, „entzückt mich und setzt mich zugleich in Erstaunen. Sie können sich leicht denken, weshalb; man macht Ihnen nämlich einen Vorwurf daraus, daß Sie Ihren liebenswürdigen Töchtern erlaubt haben, sich taufen zu lassen." „Ich habe," entgegnete Mey'rbeer, „meinen Kindern die Freiheit gelassen, ihre R ligion zu wählen; ich glaubte, hierin als guter Vater, als Philosoph und rechtlicher Bürger zu handeln. Ich glaubte, daß ein Vater nicht das Recht habe, die Religion seines Kindes von Geburt an zu bestimmen. Habe ich Recht, habeich Unrecht gehabt? Ich glaube*, daß ich Unrecht gehabt habe, ich glaube, daß der Vater das Recht und die Pflicht hat, seine Kinder in seiner Religion zu unterweisen. Ach! Ich hatte Nichts zu unterweisen! ich selbst kannte die jüdische Religion nicht! Die Frauen, die jungen Mädchen vor Allen, müssen bereits in frühester Kmdheit Etwas haben, das sie zu begeistern im Stande ist. Wenn das Wort nicht so oft gemißbraucht würde, würde ich sagen, daß dre Kinder etwas Fanatismus nöthig hätten!" „Glauben Sie, daß das Studium der hebräische» Sprache allein genüge, die Einbildungskraft einer jungen jüdischen P rson anzuregen?" „Sicherlich. „Oien, Gott" sagt mir Nichts. „Der Herr" ist ebenso christlich, wie jüdisch, ebenso „der Ewrge." Aber der Schem Hawajah sagt mir Etwas, besonders wenn ich weiß, daß dies ein geheimnißoolles Wort ist, welches die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft vereinigt. Was denken Sie hievon, der Sie das Hebräische wie Ihre Muttersprache kennen?" „Ich denke, daß Sie köstliche Dinge sagen ruck