Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 5 (1864)
- Issue
- Heft 29 (20.7.1864)
- Date
- 1864-07-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zu Nr. 29 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. F«»fkirchen. (Missionär-Arzt.) „Er erhebt sich an jenem Tage und spricht: ich bin kein Arzt." Da nichts von den Prophezeibungen unserer göttlichen Eeher unerfüllt bleibt, so geht auch dieser Spruch im buchstäblichen Sinne des Wortes durch einen hiesigen jüd. Arzt in Erfüllung. „Was unten ist, kehrt nach oben sich, Zwerge kämpfen mit Giganten," da erhebt sich Herr Schulhof, sonst Arzt, und spricht: ich bin kein Arzt! Missionär, Missionär werde ich, ich verkaufe Philippsol ns Bibeln und rerhtlfe Herrn Grätz u. Comp, zu einer authentischen Frömmigkeit! — Daß. diese Metamorphose des Herrn Schulhof nicht aus der Luft gegriffen ist, können Sie, geehrterHr Redactkur, aus dem beigelegten Originolbriefe eines ehiw. „Protestanten" sich überzeugen. Ew. Ehrw. wollen demselben nur folgende Stelle entnehmen: — denn das Treiben dieser Leute ist grenzenlos! Eie haben nickt nur Helfer, auch Helfershelfer haben sie. So brachte mir vorige Woche Herr P. aus hier einen Aufsatz von Eckulhof aus Fünfkirchen, der dem Inhalte nach ungefähr so lautete: daß ich Grätz, Kompcrt, Mannheimer und Horowitz als makellos fromme Jchudim anerkenne, Hildesheimer aber sei ein Verleumder, ein Ketzer, und habe mich durch Ueberredung zu meiner Unterschrift verleitet. Wahrlich wD-i N'L'S) M d^.-i r>L-rv Ein Kommentar zu dem Gebühren dieser Helfershelfer ist wohl unnöthig. lw^s riv-r Preußen. Königsberg, 6. Juli. Mit dem Anfänge dieses Monats lief dm von unserem Eyrragogcnvoi stand gesetzte Frist für Bewerbungen «m die erledigte Stelle eines Geistlichen ab, der eine vok ständige sowohl talmudische als wissenschaftliche Bildung vereinigen muß. Etwa zwanzig Candidaten sollen sich gemeldet haben, von denen jedoch, wie wir hören, einzelne bereits znrückgetreten sind, nachdem ihnen nachträglich ein lithogrophirter Entwurf eingehändigt worden, der viel von den Pflichten, aber verhältnismäßig wenig vvn den Rechten des Arrzullellenden enthält. Das Anstößige in dem geheimen Entwürfe, den wir Ln Händen gehabt und burchgelescn haben, bleibt immer die verlangte, mehrfach von mir erwähnte „Doppelfunktionsfähigkeit", am Sabbat für die Frommen und am Sonntag für die Reformer meinem und demselben Gotteshause zu predigen. Es ist also buchstäblich wahr, was ich Ihnen neulich darüber schrieb, und das man dennoch andrerseits rundweg abzuleugnen wagte: nach dem jesuitischen Grundsätze: si Lsaisti, vexa. Jene seltsame Anforderung mußte selbst dem Vorstande anstößig gewesen sein, weil er sie in der ausgeschriebenen Concurrenz öffentlich auszusprechen vermied und sich gleichzeitig am Ende des gedachten Entwurfes erbot, etwaige Concessionen an den künftigen Geistlichen machen zu wollen. Wo aber erst einen solchen bernehmen? Herr Jaftrow ist bereits in Worms angestellt, Kempf in Prag hat sich gar nicht gemeldet, andere Candidaten sollen gelehrt sein, aber kein Nednertal'nt besitzen. Unter den Uebrigen befinden sich der Prediger von Tilsit, Herr Jolowicz von hier und jüngere Candidaten aus dem Breslauer Seminar. Die schwierige Wabl dürfte lange aus sich warten lassen, es könnte wohl ein Jahr noch darüber vergehen. Warum übrigens die Ausschreibung nicht auch in Ihrer Zeitung inserirt war, darüber haben wir uns erst gestern gegen ein Vorstandsmitglied sehr verwundernd ausgesprochen. — Am 2V. vor. Monats fand in Tiegenhof, einem reichen Marktflecken bei Elbing, die feierliche Grundsteinlegung zu einer neuen Synagoge statt, zu welchem solennen Acte außer den Gemeindemitgliedern die Geistlichen der evangelischen und mennonitischcn Kirche, die königlichen und städtischen Behörden, auswärtige Deputationen und zahlreiche Freunde erschienen waren. Die gemeinsame Confessionsschule eröffncte die Feier, unter Leitung des Lehrers Lange, mit einem Weihegesang. Der hierauf vom ReligionslsIhrer Herrn Kaufmann gehaltene Vortrag pries zuvörderst die Gnade Gottes, durch welche der Herzenswunsch des kürzlich daselbst verstorbenen hochachtbaren und gesetzestrenen Kaufmanns I. Ruhm, ein eigenes Bethaus für die kleine Gemeinde zu erbauen, nunmehr in Erfüllung geht, und verbreitete sich dann über den Bibelvers: „Und dieser Stein, den ich zum Denkmal errichtet, soll ein Gotteshaus werden" (Genesis 28, 22). Es folgten die üblichen Hammerfchläge, Gebet, Segen und Schlnßgesang. Das jüdische Gemeindelebcn in Tiegenhof entstand eigentlich erst seit dem Jabre 1833, wy sich die ältesten Mitglieder, die Kanfleute I. Pächter und der selige I. Ruhm, dasellst ansiedelten. Bis zum Jahre t858 gehörten unsere Glaubensgenoffen dort zur benachbarten Gemeinde Neutrich, von da ab bilden sie eine selbstständige Gemeinde, welche gegenwärtig 16 Mitglieder mit 92. Seelen zählt. Der Vorstand besteht - aus? den drei Mitgliedern S. Bigw, I. Goldberg und D. Geritz. Die kleine, aber wohlhabende Gemeinde besitzt ihren Friedhof, ihre Ehevra und ihren Unterstützungs-