Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1864-07-20 · Heft 29 (20.7.1864) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
5 (1864)
Issue
Heft 29 (20.7.1864)
Date
1864-07-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447141-2447170--02760-2458116
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„satzopfer (für den Sabbath und Zusatzoyfer) für das „Fch der ungesäuerten Brode, Wocheufest, Hüttenfest, „Schlußfest, und Psalmen Davids ertörtten in Dank „und Jubel. Aber wegen der Sünde nuferer BLIer „wurde Jerusalem zerstört , das Heiligchum zertrüm- „mert und Israel aus seinem Lande vertrieben. Wir „daher, nicht minder Bekenner deines heiligen Namens, „zerstreut durch alle Länder der Erde, bringen statt „der Opfer dir die Farren unsers Mundes dar, die „Gebete unsers Herzens. Und du in deinen Him- „melshöhen nimmst sie wohlgefällig an, und erhörest, „was wir aus den Tiefen unserer Seele vor dir spre- „chen, und segnest besonders mit Heil die, welche den „Tag des Festes mit ganzem Herzen und mit ganzer „Seele feiern, nicht blos als ein Pstichtgesetz, sondern „in heiliger Freudigkeit als eine Lust der Seele, als „eine Gabe deiner Huld." Dieser eine Beleg für viele. Das ist die Umschreibung des jüdischen 12'rrvn '2221; wörtliche Uebersetzung will Herr PH. nicht geben, wie er selbst sagt, aber den Sinn will er wiedergeben — wo findet sich in dieser Umschreibung auch nur eine Spur von rrn p'-r'? PI« 'rw-pO O22 O'22^21 2^-122 O'1'22? Mögen doch die Herrn des angeblichen Fortschritts die Maske abwerfen und heraussagen, was sie denken und glauben und wollen. Kann man denn auf hebräisch eher etwas beten, als man es auf deutsch vermag: findet Herr PH. es unnöthig.oder thöricht, um auf deutsch die Wiederautunst des Moschiach, die Wiederherstellung des Tempels und des Opferdienstes zu beten — nun, warum besitzt er nicht den Math, es auch aus dem hebräischen Gebet zu streichen? Aber das Hebräische ist ja auch nur Nebensache in diesem Gebetbuchs, es ist ja nur daraus berechnet, eben das Hebräische unnöthig zu machen und das Deutsche an dessen Stelle zu setzen; man denkt, jährlich nimmt die Zahl der des Hebräischen Kundigen ab, sie beten deutsch, indem sie glauben, es seien dies die jüdischen Gebete dem Sinne nach und keine zehn Jahre sind vergangen, so weiß man nur noch von einer Vergangenheit des jüdischen Volks und Tempels und Nichts von einer Zukunft. Aber Herr PH. und seine Gesinnungsgenossen irren sich sehr! Wenn wir uns aber nach dem Rechtstitel Umsehen, unter welchem vorliegendes Gebetbuch durch den Literatur-Verein herausgegeben wird, so suchen wir umsonst nach auch dem blässesten Anstrich des Rechts. — Der Literatur-Verein soll allgemein-nützliche, allgemeines Interesse habende Werke, die von jüdischen Autoren verfaßt und einen Stoff dem Gebiete des Judenthums entnommen, behandeln. Alles hat mehr allgemeines Interesse oder jegllchks Werk, wissenschaftlich, belehrend, unterhaltend, gus jüdischem BodeU hervsrgegitu^u, hat für jederr Jüden, er mag einer Richtung angehören, Melcher er wolle, Interesse; em neu verfaßtes Gebetbuch hingegen ist durch und durch unbrauchbar. Wir wollen gar nicht von den vielen Abonnenten des Literatur-Vereins sprechen, die dar strenggläubigen Richtung «»gehöre», oder wenigstens derjenigen, welche das Gebet in seiner Integrität erhalten wisse» will (und die Zahl dieser ist bei-weiten» die größte), mit diesem Buche Lichts Anders thuu können, als es auf Nimmerwiedersehen bei Seite zu legen — auch sogar für diejenigen, welche durchaus der Reformpartei angehören, ist das Buch von gar keinem Werthe. Diese Letzteren beten entweder gar nicht, und diese führt Herr Ph's. Buch nicht zum Gebet zurück oder sie haben schon in ihrer Gemeinde für Aenderung der Gebete gesorgt und schließen sich der in ihrer Gemeinde schon bestehenden neuen Ord^ nung an. Daß aber durch erneute Form der Gebete diejenigen, welche praktisch mit dem Judenthum gebrochen haben, nicht zum Gebet zurückgeführt werden, beweisen die an Sabbaten und Feiertagen leerstehenden Reform-Synagogen, und um diejenigen zu belehren, welche noch am alten Gebete hatten, dasselbe aber nicht verstehen, für diese gibt es der Uebersetzuugen genug, die "eine Philippsonsche Tephillah mehr noch als überflüssig machen. Der Literatur-Verein soll kein Missions Verein sein, der dem Volke TcacLLLlein, Communionsbücher und Gebetbücher in die Hände gibt, um auf diese Weise Propaganda für Herrn PH. zu machen; will Herr PH. seine seligmachenden Ideen im Volke verbreiten, nun so lasse er seine dahinzielende Werke auf eigene Kosten drucken, oder suche sich einen Verleger und warte einmal ab, wie viele Hinströmen werden, sich ein so beglückendes Werk anzuschaffen! Das mag Herr PH. thun, dies kann ihm Niemand wehren; nur verbreite er solche Werke nicht aus Kosten des Publikums, bei denen er das beste Geschäft macht iuw> jenes nur verliert. Wir haben vorliegendes Gebetbuch besprochen, nicht weil dieses Werk uns so wichtig erschienen ist, sondern einzig und allein, um der Leitung des Literatur-Vereins ein Tadelsvotum auszusprechen und die Ermahnung Zu geben, das Publicum besser zu achten, als es bisher geschehen ist. Wir haben aber hiermit noch nicht das letzte Wort in Angelegenheiten besagten Vereins gesprochen, sondern behalten uns für Nächstens eine Beleuchtung des Wirkens dieses Vereins vor. vr. S.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.